Nachrichten Deutschland – Viel weniger Menschen in Deutschland als offiziell angegeben – Angelika Bruder
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Statistisches Bundesamt Viel weniger Menschen in Deutschland als offiziell angegeben

Angelika Bruder

22.07.2008

Frankfurt/Main – In Deutschland leben viel weniger Menschen als bislang offiziell angegeben. Anstelle der rund 82,2 Millionen, die das Statistische Bundesamt Ende 2007 nannte, sind es wohl 1,3 Millionen weniger und damit rund 80,9 Millionen Menschen, wie die Behörde am Dienstag in Wiesbaden mitteilte.

Der Bevölkerungsrückgang ist damit womöglich noch deutlicher als bisher erwartet. So wenige Menschen lebten zuletzt 1992 in Deutschland. Nach den bisherigen Schätzungen des Bundesamtes sank die Bevölkerungszahl in Deutschland 2007 zum fünften Mal in Folge. Als Gründe für den Rückgang nannte das Bundesamt seinerzeit das seit mehr als drei Jahrzehnten bestehende Geburtendefizit und die niedrige Zuwanderungsrate.

Auf die Spur der jetzt mitgeteilten „Überzeichnung“ von 1,3 Millionen kamen die Statistiker bei einem in den Jahren 2001 bis 2003 durchgeführten Test für das neue Verfahren zum Zensus 2011. Dabei wurden die in den Melderegistern gespeicherten Daten mit den Angaben aus einer Stichprobenbefragung von Haushalten verglichen.

Hochgerechnet 4,8 Millionen Abweichungen

Hochgerechnet wurden dabei laut Bundesamt rund 4,8 Millionen Abweichungen festgestellt. Diese setzten sich den Angaben zufolge aus rund 3,2 Millionen potenziell zu viel erfassten Personen (Übererfassungen) und rund 1,6 Millionen potenziell zu wenig erfassten Personen (Untererfassungen) zusammen. Gemeinsam mit weiteren kleinen Abweichungen ergaben zusätzlich Analysen, „dass insgesamt die aktuelle die tatsächliche Bevölkerungszahl vermutlich um etwa 1,3 Millionen Personen überzeichnet“, erklärte die Behörde. „Medienberichte der vergangenen Wochen, die von einer Überzeichnung von vier Millionen Personen ausgingen, können somit nicht bestätigt werden.“

Zensus 2011 über 20 Jahre nach letzter Volkszählung im Westen

Genaue amtliche Bevölkerungszahlen werden nach Angaben des Bundesamtes wieder nach dem Zensus 2011 vorliegen. Dabei handelt es sich um eine EU-weite Erhebung, die ermittelt, wie viele Menschen in einem Land leben, wie sie wohnen und arbeiten. Der Zensus im Jahr 2011 wird dabei in Deutschland mit dem zuvor getesteten neuen Verfahren durchgeführt, das auf eine traditionelle Befragung aller Einwohner verzichtet.

In den Melderegistern enthaltene Fehler werden laut Bundesamt nicht in die Ergebnisse des Zensus 2011 einfließen. Die statistischen Ämter entwickelten den Angaben zufolge ein Verfahren, um die Ungenauigkeiten der Register festzustellen und in der Statistik zu korrigieren. Hierzu werden unter anderem Informationen aus einer Stichprobenbefragung von Haushalten genutzt.

Zählung auch „wegen tiefgreifender demographischer Veränderungen“

Derzeit basieren die amtlichen Einwohnerzahlen für alle Gebietskörperschaften in Deutschland auf den Ergebnissen der Volkszählung 1987 im früheren Bundesgebiet und der letzten Volkszählung in der DDR 1981, die regelmäßig mit den Angaben zu Geburten und Sterbefällen sowie Zu- und Fortzügen fortgeschrieben werden, wie das Bundesamt weiter mitteilte. Wegen der tiefgreifenden demographischen Veränderungen in Deutschland seit den letzten Volkszählungen und wegen des sehr großen zeitlichen Abstandes zu dieser Basis würden die Ergebnisse dieser Bevölkerungsfortschreibung immer ungenauer. Deshalb sei von Zeit zu Zeit eine neue Erhebung notwendig, wie sie mit dem Zensus 2011 stattfinden werde.

http://www.zensus2011.de/ (AP)

 

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