Aktuelle Nachrichten – Deutschland
07.01.2010
Gütersloh (APD) Mehr als ein Drittel der Einwanderer befürchtet in Zukunft wachsende Spannungen zwischen Migranten und Deutschen. Vor allem Bürger mit türkischer Abstammung blicken eher skeptisch auf das kommende Jahrzehnt, wie aus einer am Donnerstag veröffentlichten Studie der Bertelsmann-Stiftung hervorgeht. Besonders zuversichtlich zeigten sich dagegen Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion. Von ihnen glauben den Ergebnissen zufolge 63 Prozent an eine gute Zukunft in der Bundesrepublik.
Insgesamt ist nur ein Drittel der Befragten der Ansicht, dass die Wertschätzung von Menschen mit ausländischer Herkunft durch die Deutschen steigen wird. Die Mehrheit rechnet laut der Studie zudem nicht damit, dass auf die Bedürfnisse der Zuwanderer bei politischen Entscheidungen künftig stärker Wert gelegt wird. Deutlich mehr Optimismus als der Durchschnitt zeigt die Gruppe der unter 25-Jährigen. In der jüngeren Migranten-Generation glauben rund 70 Prozent an eine gute Zukunft in Deutschland.
Die eigene gefühlte Integration schätzen die verschiedenen Zuwanderergruppen sehr unterschiedlich ein. Rund 88 Prozent der Menschen mit spanischer Abstammung fühlen sich den Umfrageergebnissen zufolge stark oder zumindest mittelstark integriert. Dieser Anteil ist bei Menschen türkischer Herkunft (58 Prozent) und bei Russischstämmigen (62 Prozent) deutlich geringer. Sie sehen sich auch Diskriminierungen häufiger ausgesetzt: 58 Prozent der Türkeistämmigen und 49 Prozent der Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion gaben laut Studie an, sie hätten sich aufgrund ihrer Herkunft in Deutschland schon einmal ungerecht behandelt gefühlt.
Dennoch setzen die Bürger ausländischer Herkunft auf das Miteinander mit den Deutschen: Nur jeder Fünfte von ihnen ist der Umfrage zufolge der Meinung, dass Einwanderer in Deutschland in Zukunft immer mehr unter sich bleiben werden.
Verhalten optimistisch bewerten Menschen mit Migrationshintergrund die Aussicht, dass Zuwanderer künftig mehr wichtige Positionen in Politik und Wirtschaft einnehmen werden. 45 Prozent von ihnen beantworten diese Frage laut der Bertelsmann Stiftung mit ja.
„Wenn unsere Gesellschaft Zuwanderern bessere Perspektiven in Bildung, Politik und Wirtschaft bietet, können sie ihr Potenzial noch mehr entfalten und eine aktivere Rolle spielen“, bewertete Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, die Ergebnisse der Studie. Angesichts der demografischen Entwicklung sei Deutschland darauf in den nächsten Jahrzehnten mehr denn je angewiesen.
Für die repräsentative Studie hat das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung über 1.500 Menschen mit Migrationshintergrund aus der Türkei, der ehemaligen Sowjetunion, Polen, Italien, Spanien und Griechenland ab 16 Jahren befragt.(AP)
http://bertelsmann-stiftung.de
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