Berlin – Viele Eltern in Deutschland fühlen sich verunsichert und gestresst. Im Alltag klagen sie über Zeitdruck, Leistungsdruck und hohe Anforderungen an ihr Organisationstalent. Dies zeigt eine am Mittwoch in Berlin von der Konrad-Adenauer-Stiftung vorgestellte repräsentative Befragung. Die Autoren stellten fest, dass die Elternschaft immer weniger in den gesellschaftlichen Mainstream passt. Das „Eltern-Sein“ sei heute nur eine unter mehreren Lebens- und Partnerschaftsformen.
Laut der Befragung fühlt sich ein Drittel der Eltern im Erziehungsalltag oft oder fast täglich gestresst, knapp die Hälfte immerhin gelegentlich. „Bildungsdruck, Erziehungsdruck, die kaum zufriedenstellende Vereinbarkeit von Familie und Beruf aber auch der finanzielle Druck, den vor allem sozialschwache Familien erleben, erschweren Eltern den Alltag mit Kindern“, heißt es. Die frühzeitige Förderung der Kinder und hohe Erziehungsmaßstäbe setzten Eltern unter erheblichen Druck, ebenso wie hohe Anforderungen im Beruf und die reale oder auch gefürchtete Arbeitslosigkeit.
Unter den von der Studie ermittelten gesellschaftlichen Milieus ist das der „bürgerlichen Mitte“ mit einem Bevölkerungsanteil von knapp 19 Prozent das größte. Dieses wolle dem zunehmenden gesellschaftlichem Druck unter großen Opfern gerecht werden, erklärte Projektleiter Carsten Wippermann. Die Eltern der bürgerlichen Mitte fühlten sich demnach für die Aktivitäten des Kindes zuständig und ermöglichen beispielsweise zusätzlichen Musik- oder Handwerksunterricht. Eine breitgefächerte Bildung solle dem Kind bessere Chancen bieten, denn die Mehrzahl habe nur wenig Vertrauen in das öffentliche Bildungssystem. Beklagt würden die schlechte Ausstattung der Schule, zu große Klassen und unmotivierte Lehrer. Nach Wippermanns Worten nehmen sich viele dieser Eltern selbst in ihren Wünschen zurück und sehen das Kind als Investitionsgut an. Gleichzeitig müssten die Eltern aber im Job immer mehr Leistung bringen.
Der Studie zufolge verläuft die große Trennungslinie sozialer Abgrenzung zwischen Eltern, die sich aktiv um ihre Kinder kümmern, und Eltern, die die Entwicklung ihrer Kinder weitgehend „laufen lassen“. Der Anteil dieser Eltern liege bei einem Fünftel.
Bundesfamilieministerin Ursula von der Leyen verlangte angesichts der Ergebnisse, die Arbeitszeiten zu verbessern, um den Eltern mehr Zeit für die Erziehung zu ermöglichen. Teilzeitarbeit müsse nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer möglich werden.
Aus der Analyse geht hervor, dass 68 Prozent der Mütter die Hauptarbeit der Erziehung tragen. Sie wünschen sich aber ein Familienmodell, bei dem die Väter mehr Verantwortung tragen.
http://www.kas.de (AP)
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