Unternehmen – Viele Häuser blieben streikbedingt ungeputzt – Andrea Backhaus
The Epoch Times - Deutschland

Aktuelle Nachrichten – Unternehmen

Der Dreck ist liegengeblieben Viele Häuser blieben streikbedingt ungeputzt

Andrea Backhaus

20.10.2009

Mit Arbeitsniederlegungen in fast allen Bundesländern haben am frühen Morgen rund 1.000 Gebäudereiniger ihren ersten unbefristeten Streik begonnen. (AP Photo/Gero Breloer)
Mit Arbeitsniederlegungen in fast allen Bundesländern haben am frühen Morgen rund 1.000 Gebäudereiniger ihren ersten unbefristeten Streik begonnen. (AP Photo/Gero Breloer)

Berlin – Mindestens 134 Büros, öffentliche Verwaltungen oder Krankenhäuser sind am Dienstag wegen des ersten bundesweiten Streiks der Gebäudereiniger ungeputzt geblieben. „Das war ein gelungener Auftakt“, sagte Rainer Knerler, Regionalleiter der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, IG BAU, in Berlin. Der „Aufstand der Unsichtbaren“ hatte um Mitternacht mit der Arbeitsniederlegung von 2.200 Beschäftigten begonnen. Die Arbeitgeber nahmen den Streikbeginn betont gelassen zur Kenntnis.

Die Vorsitzende der IG-BAU-Fachgruppe Gebäudereiniger, Susanne Neumann, nannte die Stimmung unter den Streikenden „bombastisch“. „Es geht eine richtige Welle um“, sagte sie. In zahlreichen Gebäuden sei „der Dreck liegengeblieben“. In besonders kritischen Bereichen, etwa in Intensiv- und Notfallkliniken, gab es Notdienste.

Bundesweit wurden bis zum Mittag 134 Objekte bestreikt, 15 davon allein in Berlin. Dort blieb der Müll in Bundestagsgebäuden ebenso wie im Abgeordnetenhaus auf unbestimmte Zeit liegen. „Wir suchen uns sehr verschiedene Objekte aus und lassen offen, wie lange wir wo streiken“, erklärte Knerler. Diese „flexible Streiktaktik“ solle verhindern, dass die Arbeitgeber sich auf den Verlauf einstellen könnten.

Gewerkschaft warnt vor Dumping-Löhnen

Von dem Tarifstreit sind 860.000 Beschäftigte der Branche betroffen. Die Gewerkschaft, in der lediglich zwölf Prozent von ihnen organisiert sind, fordert 8,7 Prozent oder knapp 70 Cent mehr Stundenlohn. Das letzte Angebot der Arbeitgeber lag nach IG-BAU-Angaben bei 1,8 Prozent im Westen und 2,1 Prozent im Osten. Dies entspricht 24 Cent mehr pro Stunde.

„Das Angebot ist eine Mogelpackung“, kritisierte Verhandlungsführer Frank Wynands. Auch warnte er vor neuen Dumping-Löhnen und möglicher Altersarmut. Die Gewerkschaft verlangt eine zusätzliche Altersvorsorge. Bei Durchschnittslöhnen von monatlich 800 Euro könnten selbst Vollzeitkräfte kaum privat vorsorgen. (AP)

Schlagworte

Webnews einstellen
 
Anzeige
Anzeige