Aktuelle Nachrichten – Welt
04.02.2012
Beirut – Kurz vor einer geplanten Abstimmung im UN-Sicherheitsrat über eine Syrien-Resolution haben syrische Sicherheitskräfte in Homs nach Angaben von Aktivisten mehr als 200 Menschen getötet. Zwei regierungskritische Organisationen, das Syrische Observatorium für Menschenrechte und die Örtlichen Koordinationskomitees, meldeten einen Angriff mit Panzern in der Nacht zum Samstag auf die Stadt. Die Regierung in Damaskus dementierte dies.
"Homs steht in Flammen", sagte ein Aktivist der Opposition, der sich in der Nähe der Stadt aufhielt. "Alle Seiten greifen sich gegenseitig an und die Zahl der Opfer ist höher, als man zählen kann." Mit schwerem Beschuss habe der Angriff begonnen, berichteten Aktivisten, deren Angaben nicht von unabhängiger Seite bestätigt werden konnten. Allein im Viertel Chaldijeh, das seit elf Monaten einer der Brennpunkte der Protestbewegung gegen Präsident Baschar Assad ist, habe es an die 140 Tote gegeben, hieß es.
"Das ist der schlimmste Angriff seit Beginn des Aufstandes im März", sagte der Leiter des Syrischen Observatoriums, Rami Abdul-Rahman. Den Koordinationkomitees zufolge setzten die Regierungstruppen Panzer und schwere Maschinengewehre ein.
Im syrischen Fernsehen hieß es dagegen, diese Berichten seien unwahr und teil einer "hysterischen Kampagne". Sie stünden im Zusammenhang mit einer "Aufwiegelung von bewaffneten Gruppen" gegen Syrien, die im Sicherheitsrat ausgenutzt werden solle. In Amateurvideos gezeigte Leichen – von Aktivisten als Opfer des Angriffs bezeichnet – seien Menschen, die von "terroristischen bewaffneten Gruppen" entführt worden seien.
Unklar war, was den Angriff auslöste. Es gibt aber Berichte, dass Deserteure Kontrollposten in dem Gebiet errichtet haben und versuchen, ihre Kontrolle dort zu konsolidieren. Assad versucht seit Monaten, die Protestbewegung niederzuschlagen. Mehrere Tausend Menschen sollen bei den Zusammenstößen bisher getötet worden sein.
Die Örtlichen Koordinationskomitees riefen die Bewohner von Homs und der Bewegung zu Blutspenden auf. Außerdem sollten die Menschen Flüchtlinge aus der Stadt bei sich aufnehmen. Demonstranten in der ganzen Welt wurden aufgefordert, vor den syrischen Botschaften zu protestieren.
In Kuwait stürmten Demonstranten die syrische Botschaft und hissten die Fahne der Opposition. Augenzeugen erklärten, bei der Erstürmung am Samstag seien Fensterscheiben zu Bruch gegangen. Es sei aber niemand ernsthaft verletzt worden. Die Polizei räumte das Gebiet.
Der UN-Sicherheitsrat wollte am Samstag seine Verhandlungen über eine Resolution zum Konflikt in Syrien fortsetzen. Dabei solle eine Abstimmung über eine Resolution vorbereitet werden, die wegen der russischen Vetodrohung bisher vermieden worden sei, verlautete am Freitag aus Diplomatenkreisen in New York.
Zuvor hatte US-Außeministerin Hillary Clinton mit ihrem russischen Kollegen Sergej Lawrow telefoniert, um den Moskauer Widerstand gegen eine Resolution zu überwinden. Die USA und ihre Verbündeten haben eine militärische Intervention in Syrien ausgeschlossen, unterstützen aber einen Plan der Arabischen Liga, der Assad auffordert, die Macht an seinen Stellvertreter zu übergeben.
Die Vetomacht Russland hatte am Freitag auch einen neuen UN-Resolutionsentwurf zum Thema Syrien aus Marokko abgelehnt. Der Text sei nicht akzeptabel, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur RIA Nowosti den stellvertretenden russischen Außenminister Gennadi Gatilow.
(dapd)
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