Fernreisen - Die Welt entdecken – Vietnam - Land im Aufbruch – Bernd Kregel / Gastautor
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Nord- und Zentralvietnam Vietnam - Land im Aufbruch

Bernd Kregel / Gastautor

21.09.2008

Drachenboot auf dem Parfümfluss in Hué. (Bernd Kregel)
Drachenboot auf dem Parfümfluss in Hué. (Bernd Kregel)
Steinerner Wächter am Eingang der Kaiserpagode in Hué. (Bernd Kregel)
Steinerner Wächter am Eingang der Kaiserpagode in Hué. (Bernd Kregel)
Flusslandschaft vor dem Aufstieg zum „Wolkenpass“. (Bernd Kregel)
Flusslandschaft vor dem Aufstieg zum „Wolkenpass“. (Bernd Kregel)
Gartenanlage im „Furama Resort“ bei Da Nang. (Bernd Kregel)
Gartenanlage im „Furama Resort“ bei Da Nang. (Bernd Kregel)
Gemüseangebot auf dem Markt in Hoi An. (Bernd Kregel)
Gemüseangebot auf dem Markt in Hoi An. (Bernd Kregel)
Fischfang in Hoi An. (Bernd Kregel)
Fischfang in Hoi An. (Bernd Kregel)
Die Kaiserpagode in Hué. (Bernd Kregel)
Die Kaiserpagode in Hué. (Bernd Kregel)

Nach langen Jahren des Krieges präsentiert sich Vietnam heute in einer Aufbruchstimmung, die an die Wirtschaftswunderjahre der deutschen Nachkriegszeit erinnert. Überall wird repariert, gebaut, modernisiert. Alte Perlen der französischen Kolonialarchitektur werden nach langem Dornröschenschlaf wieder wach geküsst. Allen voran das „Sofitel Metropole Hanoi“ aus dem frühen 20. Jahrhundert, einst gefeiert als „das berühmteste Hotel östlich von Suez“. Im Gästebuch jener Zeit finden sich so wohlklingende Namen wie Somerset Maugham, Charly Chaplin und Graham Greene.

Auch heute, nach gründlicher Renovierung, sind sie wieder da, die Oliver Stones und Mick Jaggers, die sich im neuen Glanz einstiger Kolonialherrlichkeit zuhause fühlen. Und nicht nur sie. Für eine oder zwei Nächte gehört auch das „Sofitel“ zu den durchaus erschwinglichen Möglichkeiten eines Besuches in „der schönsten Hauptstadt Südostasiens“. Von hier aus ist es nicht weit zur Altstadt, die sich, bunt und quirlig, am besten mit einer Fahrradrikscha entdecken lässt.

Eine ihrer Kostbarkeiten ist das legendäre Wasserpuppentheater. Vor ländlicher Kulisse glitzert ein kleiner Teich, auf dem plötzlich muntere Figuren – befestigt an unsichtbaren Stangen – ihr ausgelassenes Spiel miteinander treiben: Drachen tanzen auf bewegtem Wasser, Reisbauern feiern ausgelassen ihr Erntefest, ein Bootsrennen erhitzt die Gemüter. Insgesamt ist es die Würdigung der vietnamesischen Kultur, die in diesem bunten Landleben ihren Ursprung hat.

Der Weg aus der Großstadt hinaus aufs Land ist damit vorprogrammiert. Er führt hinauf zu den Bergvölkern mit ihrer traditionellen Lebensform. Und natürlich ans Meer zur berühmten Halong-Bucht, wo dreitausend Inselchen und Felskuppen die Küstenlinie in ein unübersichtliches und doch zugleich romantisches Labyrinth verwandeln.

Ganz anders die Landschaft entlang dem vietnamesischen Gebirgsrücken. Als „Langer Berg“ erstreckt er sich über mehr als tausend Kilometer in südlicher Richtung, als wolle er, gleich einer Wirbelsäule, dem extrem lang gestreckten Land einen festen Halt verleihen. Hué, die Hauptstadt Zentralvietnams an beiden Seiten des „Parfümflusses“, erscheint wie eine Stadt aus dem Bilderbuch.

Direkt ans Flussufer grenzt die mächtige Befestigungsanlage der kaiserlichen Zitadelle, bis heute der überzeugendste Beweis für die einstige Prachtentfaltung der vietnamesischen Nguyen-Kaiserdynastie im 19. Jahrhundert. Längst stehen die Festung, ihre Paläste und das kunstvoll gestaltete Eingangstor unter dem Schutz der Unesco.

Hier residierte einst Kaiser Minh Mang. Bei einem Harem von dreihundert Konkubinen, so wird erzählt, war es für die Hofbeamten nicht immer leicht, täglich die richtige Wahl für ihren Herrscher zu treffen. So legten sie abends vor jeder der Damen ein Grasbüschel aus, und führten zur Futtersuche einen Ziegenbock in den Haremssaal. Dieser traf dann nach dem Zufallsprinzip eine klare Entscheidung. Ob wohl der Kaiser von dieser Vorgehensweise unterrichtet war?

Die prachtvolle Palastkulisse ist auch Schauplatz für die feierliche Eröffnungsveranstaltung des Hué-Festivals. Eine Woche lang, zuletzt im Juni 2008, zeigen Künstler aus aller Welt ihr Können und verbreiten mit ihren Auftritten alle zwei Jahre in der ganzen Stadt ein unerwartetes internationales Flair.

In diesem festlichen Rahmen formiert sich auch ein Konvoi von Drachenbooten, die in langer Prozession auf dem Parfümfluss entlang gleiten zur Kaiserpagode, einem der berühmtesten religiösen Bauwerke des Landes. Hier präsentiert sich in dem angeschlossenen Kloster mit seinen stilvoll zurückhaltenden Mönchen eine selbstbewusste buddhistische Tradition.

Kaisergräber und Hotels, Märkte und Museen – Hué weiß seine Besucher zu verzaubern. Doch Zentralvietnam hat mehr zu bieten als seine Hauptstadt. Zum Beispiel die landschaftlich reizvolle „Straße der Kulturdenkmäler“. Sie führt über den legendären „Wolkenpass“ nach Da Nang, wo in der Ebene schon von weitem die Konturen der „Marmorberge“ mit ihren zerklüfteten Höhlen erkennbar werden. Und natürlich weckt My Son, die Hauptstadt des alten Cham-Reiches, das Interesse. Von ihrem einstigen Tempelreichtum haben einige standhafte Ruinen der Zerstörung des „amerikanischen Krieges“ getrotzt und verbreiten nun eine eigenartig morbide Atmosphäre.

Unbestrittener kultureller Höhepunkt dieser Gegend jedoch ist die kleine Stadt Hoi An. Malerisch gelegen an den Ufern des Thu Bon-Flusses, entwickelt sich ihre Altstadt immer mehr zu einem vietnamesischen Rothenburg. Ehemals ein florierender Warenumschlagplatz, haben die geschäftigen Bewohner längst die Chance ergriffen, ihr Unesco-Weltkulturerbe zu einem malerischen Freilichtmuseum auszubauen.

Der Obst-, Gemüse- und Fischmarkt ist einer der schönsten in ganz Vietnam. Von hier aus bietet sich die einmalige Gelegenheit, an einem Kochkurs für vietnamesische Spezialitäten teilzunehmen. Chefkoch Thanh vom Red Bridge-Restaurant führt persönlich ein in die Geheimnisse der vietnamesischen Küche. Eine Offenbarung für alle, die sich begeistern können für den virtuosen Umgang mit exotischen Kräutern und Gewürzen.

Der im „Sofitel Metropole Hanoi“ begonnene Kreis schließt sich in „The Nam Hai“ bei Hoi An, einem vielfach preisgekrönten, supermodernen Resort am Meer. Die Mittelachse der Anlage besteht aus spiegelglatten Wasserflächen, die, eingerahmt von langen Palmenreihen, in der Ferne mit der Meeresbrandung zu verschmelzen scheinen.

In grünem Buschwerk verstecken sich die Bungalows. Drinnen, in ihrem geräumigen Wohnbereich, thront im Zentrum das Schlafmobiliar wie eine Insel im Meer Eine ungewöhnliche und ungewohnte Zimmeraufteilung bei völlig neuem Raumgefühl.

Tradition und Moderne im Wechselspiel. Nach Jahren des Krieges und der gesellschaftlichen Auseinandersetzung ist das „Land im Aufbruch“ auf gutem Wege, den internationalen Anschluss zu finden.

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