China Wirtschaft – Vom chinesischen Wunschdenken der „Großen Zwei“ – Günter Spahn / Gastautor
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China noch ein Schwellenland Vom chinesischen Wunschdenken der „Großen Zwei“

Günter Spahn / Gastautor

08.02.2011

Realistisch gesehen bleiben die USA die führende Volkswirtschaft der Welt. Ein Symbol dafür ist das derzeit im Bau befindliche „One World Trade Center“ in New York – „Big Apple“ setzt mal wieder die Maßstäbe. Foto: Chris Hondros/Getty Images
Realistisch gesehen bleiben die USA die führende Volkswirtschaft der Welt. Ein Symbol dafür ist das derzeit im Bau befindliche „One World Trade Center“ in New York – „Big Apple“ setzt mal wieder die Maßstäbe.

Foto: Chris Hondros/Getty Images

Im Umfeld des jüngsten Besuchs von Chinas Staatschef Hu Jintao in den Vereinigten Staaten haben sich vor allem die deutschen Medien mit der Lobhudelei gegenüber der angeblichen wirtschaftlichen Großmacht China hervorgetan. Hu Jintao, so einige Zeitungen und Magazine, sei inzwischen gar der mächtigste Mann der Welt. Diese Aussagen belegen fehlende Kompetenzen für volkswirtschaftliche Zusammenhänge. China habe geholfen, den Westen aus der Finanzkrise zu führen, sitze auf den größten Währungsreserven der Welt und sei die neue Supermacht.

Fakten sehen – nicht vor Ehrfurcht auf den Knien rutschen

Es ist angebracht, einige Fakten wieder zurechtzurücken. Gewiss ist China aufgrund des riesigen Menschenpotenzials und des enormen Nachholbedarfs seiner Bürger ein wichtiger Markt. Auch für deutsche Automobile. Und zweifelsfrei ist die chinesische Führung ehrgeizig, das überwiegend rückständige Riesenland auf eine höhere Stufe zu entwickeln; Chancen – neben der Automobilindustrie – für Firmen wie Siemens, Bosch, BASF und auch innovative Mittelständler. Aber muss man deshalb vor China und seinen Machthabern auf den Knien rutschen, muss man, wie die angesehene Tageszeitung „Die Presse“ (Wien) schrieb, „vor lauter Heißhunger auf ein Plätzchen im gigantischen chinesischen Hoffnungsmarkt“ sich die Bedingungen von China diktieren lassen? Keineswegs!

China ist nach wie vor ein Schwellenland

Zunächst darf daran erinnert werden, dass China nach wie vor ein Schwellenland ist. Dies sagte der Sprecher des Pekinger Handelsministeriums, Yao Jian, der darauf hinwies, dass Chinas Wirtschaftskraft auf dem Niveau eines Entwicklungslandes liege. Tatsächlich beträgt das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf laut IVW bescheidene 3.678 US-Dollar und befindet sich auf der IWF-Liste gerade einmal auf Platz 99.

Zum Vergleich: Das Pro-Kopf-BIP in den USA beträgt absolut 46.381 US-Dollar – zwischen der angeblichen neuen Wirtschaftsgroßmacht und der größten Volkswirtschaft der Erde, den USA, liegen Welten. Zwar stieg die Wirtschaftskraft Chinas im abgelaufenen Jahr 2010 um beeindruckende 10,2 Prozent auf 5.409.698 Millionen US-Dollar – aber im Vergleich zu den USA, mit einem BIP von 14.584.169 Millionen USDollar, ist der Abstand Chinas zu den USA auch in Totalsummen immer noch riesengroß. Die USA werden auf sehr lange Zeit weiterhin die größte Volkswirtschaft der Welt bleiben. Auch militärisch bleiben die USA unangefochten die Nummer eins. Während die Amerikaner im Berichtszeitraum

2009/2010 für Rüstung und Sicherheit 636 Milliarden US-Dollar ausgaben, betrug die entsprechende Ziffer für China – immerhin weltweit der zweitgrößte Rüstungsetat – gerade einmal 100,4 Milliarden US-Dollar (Quelle SIPRI). Unabhängig von diesen Zahlen kann China kein Vorbild sein. Das Land verbindet die kommunistische Unterdrückung mit den Vorteilen der Marktwirtschaft. Würden westliche Wertevorstellungen von der Freiheit der Bürger Gültigkeit haben, könnte man alle großen Infrastrukturprojekte der „Volksrepublik“ vergessen. China könne „Berge versetzen“, schrieb die FAZ und spielte auf den Bau des neuen Airports in der südchinesischen Millionenstadt Kunming an. Ohne Rücksicht wurden hier 50.000 Bauern zwangsumgesiedelt.

Ein Regime, das mit derartigen Methoden den Status einer führenden Wirtschaftsmacht beansprucht, kann auch nicht ansatzweise mit den USA oder Deutschland verglichen werden. China gilt als Land des Abkupferns, des Technologiediebstahls, der Industriespionage und der Schikane gegenüber ausländischen Investoren. Immer noch werden die meisten chinesischen Firmen direkt und indirekt vom Staat kontrolliert und an der Wertschöpfung über das Bruttoinlandsprodukt partizipiert die chinesische Bevölkerung völlig unbefriedigend.

Relativer Devisenbestand

Gleiches gilt für den angeblich größten Devisenbestand der Welt, den China mit 2,6 Billionen US-Dollar angibt. Niemand weiß, ob diese Zahl überhaupt realistisch ist. Wäre der Devisenbestand vorhanden, würde er sich schnell relativieren, wenn China die „faulen Kredite seiner Regionalbanken in Höhe von rund einer Billion US-Dollar bedienen“ (The Epoch Times) und endlich in das marode Gesundheitssystem investieren würde. Während die EU über den Zertifikatehandel durch übertriebene Vorgaben industrielle Strukturen in Deutschland etwa in der Stahlindustrie gefährdet, kräht in China kein Hahn, wenn in einer unvorstellbaren Art die Luft verschmutzt wird, wie westliche Geschäftsleute, die das Land auch außerhalb der „Glitzerwelt“ kennen, bestätigen. Die Anzahl der Menschen, die unter dem Existenzminimum leben, die Heere von Wanderarbeitern, der drohende Kollaps in der künstlich aufgeblähten Immobilienwirtschaft – all dies birgt die Gefahr sozialer Zündstoffe.

Immer noch ist das Land bei höherwertigen Produkten zu stark auf westliche Vorlieferungen angewiesen. Spielwaren, einfache Haushaltsprodukte wie Bestecke, Baumwolltextilien, Textilien ohne Baumwolle, inzwischen auch Möbel – all diese Güter haben einen zu hohen Anteil am chinesischen Export. Und wenn sie dann mal Stahlgerüste für ein Kraftwerk in Nordrhein-Westfalen liefern, stimmt prompt die Qualität nicht. Der Stahl wurde inzwischen ausgetauscht und nicht mehr von China bezogen.

Der Regional-Jet C919 kommt nicht aus den Startlöchern

Zwar verkündet die staatliche Propaganda immer wieder spektakuläre Durchbrüche in der Entwicklung höherwertiger Hightech-Produkte etwa beim Aufbau einer nationalen Flugzeugindustrie, aber die Passagiermaschine C919 – ein Kurz- und Mittelstreckenjet – kommt einfach nicht aus den Startlöchern. Jetzt soll die Maschine als neuer Hoffnungsträger 2014 ihren Erstflug absolvieren. „Exportweltmeister“ China exportiert zu wenige Produkte mit eigener Entwicklung und Wertschöpfung. Eigentlich produzieren die Chinesen Waren, deren Herstellung in klassischen Wirtschaftsnationen wie Deutschland und die Vereinigten Staaten zu teuer sind. China ist auf die USA angewiesen, nicht umgekehrt.

USA beanstanden Währungsmanipulation des Yuan

Die Vereinigten Staaten haben im abgelaufenen Geschäftsjahr 2010 Güter aus China im Werte von 314 Milliarden US-Dollar abgenommen, während die amerikanischen Exporte nach China lediglich ein Volumen von 82 Milliarden US-Dollar erreichten. Die Amerikaner werfen den Chinesen nach wie vor Währungsverzerrungen vor. Der künstlich niedrig gehaltene Wechselkurs des Yuan verbilligt chinesische Exporte. Einige Studien sehen den Yuan bis zu 30 Prozent bewusst unterbewertet. Der amerikanische Milliardär und Immobilienunternehmer Donald Trump rief jetzt neben weiteren einflussreichen Senatoren und Kongressmitgliedern zu einer harten Gangart über drastische Zölle gegenüber China auf, weil China seine Währung manipuliere. Trump: „Wenn wir nichts mehr aus China kaufen, wird deren Wirtschaft zusammenbrechen.“

Dies kann aber niemand wollen, denn das Schwellenland China könnte sich auch für die amerikanische Wirtschaft zum wichtigen Markt entwickeln. Für ein Hochjubeln einer Wirtschaftsgroßmacht China besteht absolut kein Grund – das Land hat immer noch zu viele Schwächen. Ein Vergleich mit den USA hinkt. Es ist an der Zeit, mit den Chinesen energischer zu reden. Sie brauchen die USA und deutsche Innovationen viel stärker als umgekehrt.

Günter Spahn ist Herausgeber und Chefredakteur von Der WirtschaftsReport.

 

 

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