Aktuelle Nachrichten Europa – Vom liberalen Mahner zum globalen Vermittler – Denis Düttmann
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Aktuelle Nachrichten – Europa

OECD Vom liberalen Mahner zum globalen Vermittler

Denis Düttmann

29.09.2011

Heute engagiert sich die Organisation verstärkt in der Bildungspolitik. Hierbei sind die Pisa-Studien das wohl bekannteste Produkt der OECD. Foto: Fritz Reiss/AP Photo
Heute engagiert sich die Organisation verstärkt in der Bildungspolitik. Hierbei sind die Pisa-Studien das wohl bekannteste Produkt der OECD.

Foto: Fritz Reiss/AP Photo

Frankfurt/Main – An ihrem 50. Gründungstag sieht sich die OECD (Organisation for Economic Cooperation and Development) zahlreichen Herausforderungen gegenüber. Die Zielsetzung der Organisation für Zusammenarbeit und Entwicklung hat sich im vergangenen halben Jahrhundert maßgeblich gewandelt. In ihrer Anfangsphase war die OECD für den wirtschaftlichen Wiederaufbau des vom Zweiten Weltkrieg zerstörten Europas verantwortlich. Heute versucht die OECD, die aufstrebenden Schwellenländer einzubinden und in einer globalisierten Wirtschaft für verbindliche Regeln zu sorgen.

"In den letzten fünf Dekaden hat die OECD global anerkannte Standards gesetzt und effektive Prozesse für ihre Umsetzung eingeführt", schreibt Generalsekretär Angel Gurría in einem Strategiepapier zum 50-jährigen Bestehen der OECD. Nun gelte es, sich den neuen Aufgaben zu stellen: Dazu gehöre die verstärkte Zusammenarbeit mit Schwellen- und Entwicklungsländern sowie mehr Engagement im Bereich des Umweltschutzes.

Während des Kalten Kriegs trat die OECD für die Werte des "westlichen Wirtschaftens" ein. Laut ihrer Konvention stand sie für freien Kapitalverkehr, Wachstum, offene Märkte, marktwirtschaftliche und demokratische Prinzipien. Freilich nahm es die Organisation angesichts geopolitischer Überlegungen mit den hehren Prinzipien lange Zeit nicht allzu genau. In Griechenland, Spanien und Portugal regierten anfangs noch die Militärs und der internationale Handel war damals zahlreichen Beschränkungen unterworfen.

Unterstützung des ehemaligen Ostblocks bei Transformation

Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der wirtschaftlichen Öffnung Chinas änderte sich der Fokus der OECD. Nun galt es, die Länder des ehemaligen Ostblocks in ihrem politischen und ökonomischen Transformationsprozess zu unterstützen. Nach der Aufnahme von Mexiko 1994 und Südkorea 1996 trat die Strukturpolitik immer weiter in den Vordergrund. Die OECD trieb maßgebliche die Liberalisierung der internationalen Märkte voran.

Heute engagiert sich die Organisation verstärkt in der Bildungspolitik. Hierbei sind die Pisa-Studien das wohl bekannteste Produkt der OECD. Durch ein ständiges Vergleichen sollen Standards und Beispiele für sogenannte Best Practices festgelegt werden. So wurden Grundsätze entwickelt, wie die Millenium-Ziele und das Polluter-Pays-Prinzip, nach dem Verursacher von Umweltverschmutzung für die entstandenen Schäden aufkommen müssen.

Nach einer ersten, europäischen, und einer zweiten, transatlantischen, Phase steht die OECD in ihren 50. Jahr nun vor dem Übergang zu einem globalen Netzwerk. Die Gruppe der größten Industrienationen, G-8, hat die Organisation zu ihrer Vermittlungsplattform mit den aufstrebenden Industrienationen gemacht. In dieser Funktion soll die OECD die Zusammenarbeit mit Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika verbessern.

Der wachsende Wohlstand in den Schwellenländern stellt den Vertretungsanspruch der OECD für die wichtigsten Wirtschaftsnationen der Welt infrage. Repräsentierten die OECD-Staaten 1995 noch 54 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung, wird ihr Anteil Schätzungen zufolge bis 2020 auf 35 bis 40 Prozent zurückgehen.

Fokus liegt nun auf Einbindung der Schwellenländer

Will die OECD auch angesichts der neuen globalen Machtverhältnisse eine relevante Organisation bleiben, muss sie die Schwellenländer einbinden. Allerdings sind sich die aufstrebenden Industrienationen ihrer Macht durchaus bewusst und treten der OECD selbstbewusst entgegen.

Gerade die jüngsten Wirtschafts- und Finanzkrisen in Europa und den USA haben am Nimbus des "Clubs der Reichen" gekratzt. Zum 50. Jahrestag des Inkrafttretens der Konvention hat sich die OECD ein straffes Programm verordnet. Die Regierungen müssten das Vertrauen in die Märkte und Institutionen wiederherstellen, die öffentlichen Haushalte ausgleichen, sogenanntes "grünes Wachstum" unterstützen und den Bildungssektor fördern, heißt es in einem Strategiepapier.

Da die OECD keine bindenden Regelungen erlassen oder größere Finanztransfers anordnen kann, ist sie auf die Überzeugungskraft ihrer Analysen angewiesen. Die Organisation muss sich den gewandelten Anforderungen anpassen und neue Konzepte für moderne Volkswirtschaften in einer globalen Marktordnung entwickeln. Dafür gilt es auch den Blickwinkel zu ändern, von einem rein ökonomischen Selbstverständnis hin zu einem ganzheitlicheren Ansatz. "Um die Wirtschaft wieder anzukurbeln, brauchen wir neue Quellen für Wachstum – innovative und umweltfreundliche Arten des Konsums und der Produktion", sagte kürzlich OECD-Generalsekretär Gurría. "Ein neues Wachstumsmodell für das 21. Jahrhundert erfordert eine starke soziale Dimension."

(dapd)

 

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