Düsseldorf – Ein üppiger Strauß Rosen, eine Schachtel edler Pralinen oder doch lieber der romantische Wochenend-Trip nach Paris: Ist der Geldbeutel so groß wie die Liebe, sind Geschenkideen am Valentinstag keine Grenzen gesetzt. Allgegenwärtig sind Werbeslogans, mit welch raffinierter und zumeist teurer Aufmerksamkeit man seine Gefühle für den geliebten Partner unter Beweis stellen kann. „Valentinstag ist ein Tag der Verliebten, aber wohl noch mehr ein Tag des Kommerzes und der Floristen“, sagt Ragnar Beer.
Für den Leiter der Online-Partnerberatung „theratalk“ am psychologischen Institut der Universität Göttingen macht der in den 50er Jahren aus den USA importierte Liebesritus trotzdem Sinn: „Jede Gelegenheit, sich mit der Partnerschaft auseinanderzusetzen ist erst einmal eine gute.“ Denn gleich ob die Liebe oder das Auto in der Garage: „Was nicht regelmäßig gepflegt wird, wird mit der Zeit nicht unbedingt besser.“
„Gewusst wie“ heißt allerdings das Motto, das Psychologen und Eheberater dem Kommerz am Tag des heiligen Valentin von Terni entgegensetzen. Ginge es nach Donata Pohlmann sollte der 14. Februar ein Tag der Reflexion, der Rückschau und des Vorausblicks sein. „Der Mensch braucht Worte, ein Strauß Blumen allein reicht nicht“, sagt die Pastoralreferentin für Ehe und Familie aus Leverkusen. „Gut ist, den Valentinstag als eine Art jährlichen TÜV der Partnerschaft zu betrachten, an dem man sich zusammensetzt und Bilanz zieht“, rät auch Eheberater und Autor Rudolf Sanders aus Iserlohn. Wichtig sei dabei, sich vor allem die positiven Dinge einer Beziehung in Erinnerung zu rufen. „Gerade diese Aspekte gehen im Alltag, der oft mit vielen Streitigkeiten verbunden ist, viel zu schnell unter“, sagt er.
Joachim Lask, Psychologe und Leiter eines Work-Family-Instituts“ in Südhessen, ist ebenfalls überzeugt: „Wenn sich Paare öfter einfach mal fragen, wie es ihnen in der Beziehung geht und was sie gemeinsam erreichen wollen, könnte die Scheidungsrate wohl um zehn Prozent sinken.“ Verbinde man dies am Valentinstag mit einer kleinen Aufmerksamkeit, und sei es auch nur eine einzelne Rose, sei es umso besser, meint der Psychologe.
Das größte Geschenk zum Valentinstag – wie auch an den übrigen 364 Tagen im Jahr – sei allerdings das Verbringen gemeinsamer Zeit, meint die Wuppertaler Eheberaterin und Ratgeberautorin Eva-Maria Zurhorst. „Und das muss nicht der Konzertbesuch oder sonst ein anderes großartiges Event sein, von solchen Terminen gibt es in heutigen Beziehungen in der Regel ohnehin schon zu viel.“ Ratsam sei vielmehr ein schöner Spaziergang oder ein ausgedehntes Frühstück, „irgendetwas, bei dem man einfach zu zweit innehalten und sich bewusst daran erinnern kann, was man aneinander hat“.
Unter diesem Gesichtspunkt hat auch die Kirche den Valentinstag für sich entdeckt. In Städten wie Düsseldorf, Bonn oder Wuppertal bietet das Erzbistum Köln am 14. Februar so genannte „Segnungsfeiern für Liebende“. Verliebte, Verheiratete oder solche, die es werden wollen, können hier in einem Gottesdienst ihre Liebe bekunden, auf Wunsch auch mit einem eigenen Segensspruch, wie Pastoralreferent und Organisator Werner Kleine aus Wuppertal erklärt. Der überraschend große Andrang im letzten Jahr habe ihm gezeigt: „Das Bedürfnis, sich in einem rituellem Rahmen zu sagen, wie sehr man sich liebt, ist da.“
Da sind jedoch auch jene Unglücksseligen, für die der Tag der Verliebten ein Graus ist, weil der Richtige noch immer nicht in Sicht ist oder bitterer Liebeskummer das Herz martert. „Decke über den Kopf ziehen hilft nicht, Augen zu und durch“, empfiehlt der Göttinger Psychologe Beer. Oder aber man setzt zumindest als Frau all seine Hoffnung in eine der mittelalterlichen Legenden, die sich um den Valentinstag ranken: Demnach ist der erste Mann, den ein Mädchen am Valentinstag vor dem Haus erblickt, auch der zukünftige Ehemann.
(AP)
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