Aktuelle Nachrichten – Kultur
03.09.2012
Foto: ddp images / dapd/dapd
Berlin – Schriftsteller Martin Walser ist der Ansicht, dass die Deutschen nach dem Ende der Nazi-Zeit nicht mehr für einen verbrecherischen Rassenwahn anfällig sind. "Ich glaube nicht, dass man, was man einmal begangen hat, ein zweites Mal tun kann", sagte der 85-Jährige der "Berliner Zeitung" (Montagausgabe).
"Dass sich Auschwitz wiederholen könnte, war mir immer unvorstellbar." Dass in einem Land wie Deutschland Derartiges geschehen konnte, sei "wie eine Immunität", fügte Walser hinzu. "Wir waren nach 1945 keine Sekunde lang in Gefahr, ernsthaft zurückzufallen", zeigte sich der Schriftsteller überzeugt.
Walsers neuer Roman "Das dreizehnte Kapitel" erscheint am Freitag (7. September). Darin gehen eine Theologin und ein Schriftsteller eine abenteuerliche Brieffreundschaft ein. Walser selbst schätzt das Briefe schreiben, weil es keine andere Schreibform gebe, "die so viel Gelegenheit zur Gefühlsgenauigkeit bietet", wie Walser der "Hamburger Morgenpost" sagte. Auch mit E-Mails sei das möglich - mit dem Vorteil, dass man automatisch auch eine Kopie behalte.
Trotz seines stolzen Alters will Walser weiter produktiv bleiben. Er denke derzeit über eine weitere Novelle nach, die "Die Inszenierung" heißen solle. Auch "zwei weitere Dinge" seien in Planung, sagte Walser, ohne Details nennen zu wollen. Darüber hinaus gebe es noch "einen konkreten Plan, den ich aber jetzt nicht ausführen kann". Der 85-Jährige sprudelt offenbar vor Ideen, da auch noch seit Jahren Pläne in seiner Schublade liegen. Doch angesichts seines Alters habe er dafür wohl "keine Chance mehr".
dapd
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