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07.09.2009
Frankfurt/Main – Das Warenhaussterben in Deutschland könnte dramatisch an Geschwindigkeit gewinnen. Zwei Dritteln der rund 200 Karstadt- und Kaufhof-Warenhäusern droht nach einer Studie des Handelsexperten Jörg Funder in den nächsten fünf Jahren die Schließung. „60 bis maximal 70 Warenhäuser in 45 Städten werden überleben“, sagte der frühere Manager der „Wirtschaftswoche“.
Bei den betroffenen Unternehmen stieß die Prognose des Professors am Institut für Handelsmanagement der Fachhochschule Worms allerdings auf Widerspruch. Eine Kaufhof-Sprecherin sagte: „Galeria Kaufhof und die Metro AG sind absolut davon überzeugt, dass ein gut gemanagtes Warenhaus, das sein Konzept kontinuierlich weiterentwickelt, in Deutschland langfristig eine Zukunft hat.“ Die von der „Wirtschaftswoche“ zitierte Arbeit habe „keinerlei Grundlage und rein akademischen Charakter“.
Der Sprecher des Arcandor-Insolvenzverwalters, Thomas Schulz, kommentierte die Untersuchung mit dem Satz: „Grau ist alle Theorie.“ Er bekräftigte die Entschlossenheit der Arcandor-Sanierer, die Mehrheit der Karstadt-Filialen fortzuführen. Nur 19 der bislang 126 Karstadt Sport- und Warenhäuser stünden derzeit auf der Prüfliste und damit möglicherweise vor der Schließung. Auch hier hoffe der Insolvenzverwalter durch Zugeständnisse der Beteiligten noch auf eine Fortführung.
Die Studie der Fachhochschule Worms kommt zu dem Ergebnis, dass die meisten Warenhäuser in Städten mit weniger als 200.000 Einwohnern auf der Kippe stehen. Lediglich in größeren Städten sieht Funder Chancen, dass sich Warenhäuser gegen Spezialisten und Billiganbieter behaupten können. Vor allem Standorte mit sowohl Kaufhof- als auch Karstadt-Filialen in kleineren Städten wie Hanau oder Gießen hätten auf Dauer keine Chance.
Zudem sieht Funder mittelfristig kaum Perspektiven für die Karstadt-Häuser in Städten wie Flensburg, Neumünster, Wismar, Norderstedt, Lüneburg, Celle, Iserlohn, Gütersloh, Goslar, Dessau, Bamberg, Bayreuth, Landshut, Rosenheim, Memmingen, Offenburg und Leonberg. Betroffen sind zudem viele hessische Filialen mit Marburg, Gießen, Fulda, Limburg, Bad Homburg und Sulzbach.
Auch bei Kaufhof, der zum Handelskonzern Metro gehört, erwartet der Handelsexperte ein Filialsterben in kleineren Städten. Langfristig stark gefährdet sind demnach Kleve, Wesel, Witten, Düren, Brühl, Euskirchen und Siegburg in Nordrhein-Westfalen, Aschaffenburg, Schweinfurt, Coburg, Hof und Kempten in Bayern, Worms, Landau, Speyer und Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz, Neunkirchen im Saarland sowie Neubrandenburg in Mecklenburg-Vorpommern.
Funder steht mit seiner Prognose eines weiteren Warenhaussterbens nicht allein. Bereits vor einigen Monaten hatte der Wirtschaftswissenschaftler Joachim Zentes von der Universität Saarbrücken erklärt: „Warenhäuser haben sich überlebt.“ Der Experte betonte, in den vergangenen Jahrzehnten habe sich ihr Anteil am Einzelhandelsumsatz halbiert. Derzeit liege er gerade noch bei 3,2 Prozent und alles spreche dafür, dass er bis 2015 noch einmal um 50 Prozent sinken werde. (AP)
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