Berlin – Die Deutschen sorgen sich offenbar zu sehr um Mobilfunkstrahlung und zu wenig um die Risiken beim Röntgen und Sonnenbaden. Die Forschung zu Mobilfunkstrahlen habe bislang keine Gefahren ermittelt, sagte Umweltminister Sigmar Gabriel am Donnerstag zum neuen Strahlenschutzbericht. Hingegen stehe fest, dass in Deutschland zu viel geröntgt werde. Ärzte bestreiten das allerdings.
Gabriel warnte vor allem vor Computertomografien (CT) zur Vorsorge, wie sie bei „Manager-Check-ups“ angeboten würden. Die Zahl der sehr strahlenintensiven CT-Untersuchungen hat nach Erkenntnissen des Bundesamts für Strahlenschutz zwischen 1996 und 2004 um 65 Prozent zugenommen. Computertomografien machten rund sieben Prozent der insgesamt 135 Millionen Röntgenuntersuchungen 2004 aus, waren aber für mehr als 50 Prozent der gesamten Röntgen-Strahlenbelastung verantwortlich. Ein CT nur zur Vorsorge und ohne konkrete ärztliche Indikation sei unsinnig, sagte Gabriel.
Dafür gebe es aber auch keine Anhaltspunkte, entgegnete die Kassenärztliche Bundesvereinigung. „Wir gehen von einem verantwortungsvollen Umgang mit radiologischen Untersuchungen aus“, sagte KBV-Sprecher Roland Stahl der AP. Zumindest bei den Kassenpatienten lasse sich keine Zunahme von CT-Untersuchungen erkennen. Im Gegenteil: Seit 2002 hätten sie ausweislich der Abrechnungen abgenommen, sagte Stahl. Für privatärztliche Untersuchungen habe er allerdings keine Daten.
Der Chef des Bundesamts für Strahlenschutz, Wolfram König, empfahl allen Patienten einen Röntgenpass, um unnötige Untersuchungen zu vermeiden. Dieser könne als Hinweis für Ärzte dienen, sich bereits vorhandene Aufnahmen zu beschaffen.
König warnte auch davor, die Gefahren des Sonnenlichts zu unterschätzen, vor allem bei Kindern. An den Folgen von UV-Strahlung erkrankten jährlich 120.000 Menschen neu; 3.000 Fälle endeten tödlich. Kinder seien besonders gefährdet, weil sie mehr draußen seien. Durchschnittlich 80 Prozent der Lebensdosis an Sonnenstrahlung nehme man bis zum 18. Lebensjahr auf.
Die Regierung arbeitet in dem Zusammenhang immer noch an einem Verbot von Solariumbesuchen für Jugendliche unter 18, wie König weiter sagte. Versuche einer freiwilligen Lösung mit den Solariumsbetreibern hätten nicht gefruchtet.
Zu den Gefahren von Mobilfunkmasten und -telefonen sagten Gabriel und König, hier gebe es eine große Verunsicherung der Bevölkerung und eine Bewegung von Bürgerinitiativen, aber keine wissenschaftlichen Belege. Das Bundesumweltministerium habe 2002 ein 17 Millionen Euro teures Forschungsprogramm angestoßen, das bis Ende 2008 abgeschlossen werde. „Nach allem, was uns bislang vorliegt, gibt es keine zusätzlichen Risiken“, sagte Gabriel.
König nannte als wichtiges Projekt seiner Behörde auch die Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Abfall aus Atomkraftwerken. „Aus wissenschaftlichen technischen Gründen ist eine Standortsuche dringend notwendig“, sagte König. Auch Gabriel forderte ein Suchverfahren, das Alternativen zum bisher erkundeten Standort Gorleben prüfen würde. Bereits seit rund einem Jahr liege ein Vorschlag seines Ministeriums beim Kanzleramt und bei den Koalitionsfraktionen. Aber es sei „sehr schwierig mit der Union“.
http://www.bfs.de/ (AP)
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