Nachrichten - Verbraucherschutz, Testberichte – Warnung vor krebserregenden Chemikalien in Kinderspielzeug – DAPD
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Krebserregende Weichmacher Warnung vor krebserregenden Chemikalien in Kinderspielzeug

DAPD

07.12.2009

"Es besteht dringender Handlungsbedarf", zitieren die Zeitungen der WAZ-Mediengruppe aus einem BfR-Bericht üer die Bundesregierung.  Demnach übersteigen die im Spielzeug gemessenen gefährlichen Substanzen den Wert, der noch als unbedenklich gilt, zum Teil um das Hundertfache. AP Photo/Dieter Endlicher,File
"Es besteht dringender Handlungsbedarf", zitieren die Zeitungen der WAZ-Mediengruppe aus einem BfR-Bericht üer die Bundesregierung. Demnach übersteigen die im Spielzeug gemessenen gefährlichen Substanzen den Wert, der noch als unbedenklich gilt, zum Teil um das Hundertfache. AP Photo/Dieter Endlicher,File

Berlin – Mitten in der Haupteinkaufszeit für Weihnachtsgeschenke haben die Behörden vor krebserregenden Weichmachern in Kinderspielzeug gewarnt. Die derzeit in der EU gültigen Regelungen schützten die Gesundheit der Kinder nicht ausreichend, erklärte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Es bestehe dringender Handlungsbedarf. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner forderte am Montag von Brüssel rasche Nachbesserungen.

Das BfR mahnte: „Vor dem Hintergrund einer steigenden Zahl von Krebserkrankungen bei Kindern ist es dringend geboten, die Exposition gegenüber CMR-Stoffen soweit wie möglich zu minimieren.“ CMR bedeutet, dass der Stoff krebserregend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend ist. Dazu gehören die sogenannten polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe, die als Weichmacher in Spielzeug eingesetzt werden.

Untersuchungen hätten gezeigt, dass die technisch machbaren Werte deutlich unter den zulässigen Höchstwerten der EU-Spielzeugrichtlinie lägen, erklärte das BfR. „Hohe PAK-Expositionen der Kinder über Spielzeug sind also technisch vermeidbar und deshalb nicht akzeptabel.“

„Mehr Gift als im Rauch von 40 Zigaretten“

Die EU-Richtlinie erlaube einen Wert von bis zu 100 Milligramm pro Kilo der PAK-Leitverbindung BaP. Bei dieser Konzentration könnten Kinder binnen einer Stunde über die Haut „ein Vielfaches dessen an krebserzeugendem BaP (...) aufnehmen, was im Rauch von 40 Zigaretten am Tag enthalten ist“, kritisiert das Bundesinstitut.

Die Fachleute forderten, die Regelung der von Lebensmittelkontaktmaterialien anzugleichen. Dort muss die freigesetzte Menge von CMR-Stoffen unter der Nachweisgrenze liegen. Das gilt den Angaben zufolge derzeit nur für Spielzeug für Kinder bis drei Jahren.

Kinder könnten auf Chemikalien wesentlich empfindlicher reagieren als Erwachsene, warnte das Bundesinstitut in seinem Bericht für das Bundesverbraucherministerium. Kinder bis sechs Jahre hätten durchschnittlich 15.000 Stunden gespielt. Diese Zahl verdeutliche das Ausmaß des Problems.

„Bei Autoreifen schärfere Grenzwerte“

Eine Sprecherin des Verbraucherschutzministeriums sagte, für Ministerin Aigner (CSU) habe das Thema krebserregende Weichmacher in Kinderspielzeug höchste Priorität. Es seien dringend Nachbesserungen nötig. Man habe sich mehrfach an die EU-Kommission gewendet, um die Richtwerte zu ändern und sei dabei, „unsere Forderungen“ durchzusetzen. Wer sicher gehen wolle, solle bei Spielzeug auf das GS-Zeichen achten.

Auch der Koalitionspartner FDP forderte die EU zum Handeln auf. „Es kann nicht angehen, dass für Autoreifen schärfere Vorschriften gelten als für Kinderspielzeug“, kritisierte der verbraucherschutzpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Erik Schweickert. „Es ist ein Unding, dass die Spielzeugrichtlinie der Europäischen Union in Spielwaren eine 1.000 Mal höhere Weichmacher-Konzentration als in Autoreifen zulässt.“

70 Prozent der Proben in Ordnung

Das BfR untersuchte nach eigenen Angaben den PAK-Gehalt in Spielzeugen, die von einem Handelsunternehmen zur Verfügung gestellt wurden. Dabei wurden dass in etwa 70 Prozent der 104 untersuchten Spielzeugproben keine PAK nachgewiesen oder der PAK-Gehalt war kleiner als ein Milligramm pro Kilo. In 19 Prozent ermittelten das Bundesinstitut Wert zwischen einem und zehn Milligramm, bei sieben Prozent lag die Belastung zwischen zehn und 100 Milligramm. „Zudem wurden in 3 Prozent der Proben Spitzenwerte zwischen 100 und 1.000 mg/kg PAK gefunden“, erklärte das Institut.

http://www.bfr.bund.de/ (AP)

 

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