Berlin – Warum friert der Eisbär nicht? Die Besucher auf der „Woche der Umwelt“ bei Bundespräsident Horst Köhler können es erfahren. Das Fell von Knut und Kollegen ist nämlich nicht eigentlich weiß, sondern durchsichtig auf einer dunklen Haut. Die Haare lassen das Sonnenlicht durch, und dieses wärmt die Haut des Bären rasch und wohlig.
Moderne Umwelttechnik macht sich solche „Erfindungen der Natur“ zum Teil zu Nutze. Bionik heißt das Zauberwort, das eine eigene Zelt-Ausstellung im Park von Schloss Bellevue beleuchtet. Bei der „Woche der Umwelt“, die Köhler am Dienstag eröffnete, ist sie allerdings nur eine von vielen Facetten der deutschen Umweltbranche, die inzwischen 1,5 Millionen Menschen Arbeit bietet.
Unter den 187 Ausstellern, die wegen besonders pfiffiger Ideen oder herausragender Marktchancen in den Schlosspark geladen wurden, zog es den Präsidenten bei seinem Rundgang zuerst zu einer Schülerinitiative. Seit 1992 unterstützt das Hümmling Gymnasium in Sögel die Wiederaufforstung des Regenwaldes in Madagaskar. Ob sie denn im Unterricht besprochen hätten, dass 95 Prozent des tropischen Regenwalds auf Madagaskar abgeholzt worden seien? wollte Köhler wissen.
Klar, antworteten Lehrer und Schüler. Immerhin besteht eine Daten-Hotline zwischen Sögel und Brickaville, und die deutschen Schüler steuern seit mehr als zehn Jahren Spenden bei, mit denen das Schulgeld für ihre Altersgenossen am dortigen Lycée mitfinanziert wird. Die Schüler dort pflanzen und pflegen Bäume auf einem Brachland in der Nähe des Lycée. „Werden Sie denn nun darauf achten, was die Politik macht in punkto Regenwald?“ prüfte der Präsident die Schüler. Und fügte lachend an: „Dazu kann ich Sie nur ermuntern.“
Von der wassersparenden Spülmaschine beim Lufthansa-Catering bis zum Caritas-Energiesparservice für Hartz-IV-Empfänger, vom Smile-Klimaschutz-Auto von Greenpeace bis zur solargestützten Feldbewässerung in Nicaragua, vom „Bodenschutztraktor“ mit automatisch angepasstem Reifendruck bis zur „Loki-Schmidt-Genbank für Wildpflanzen“ – Köhler hatte die Qual der Wahl unter den Ausstellern, die aus Sicht des Naturschützers Hubert Weinzierl zu den „innovativsten Einrichtungen in Sachen Nachhaltigkeit“ gehören. Weinzierl hatte sie als Kuratoriumschef der Deutschen Bundesstiftung Umwelt mit einer Jury aus mehr als 400 eingereichten Präsentationen ausgewählt.
Köhler hielt es mit den großen Themen: Die Sanierung des Altbaubestands in Deutschland, bei dem die Handwerkskammer Osnabrück mit der Bundesstiftung Umwelt zusammenarbeitet; innovative Heiztechnik wie die mit Holzpellets befeuerten Öfen der Firma Wodtke; oder die Entwicklung neuartiger Solarzellen am Berliner Hahn-Meitner-Institut.
Köhler ist angesichts der Vielfalt der Ideen und des wachsenden Stellenwerts von Umwelt- und Klimaschutz um die deutsche Wirtschaft nicht bange, das machte er bereits in seiner Eröffnungsrede deutlich. Bei Klima-Technologien „ist Deutschland bereits heute Weltmarktführer“, freute sich das Staatsoberhaupt. Die nun anstehende neue industrielle Revolution biete der Branche „riesige Chancen“. Die nötigen Investitionen würden sich auszahlen.
Nur als Wettlauf um die besten Märkte sieht Köhler den Kampf gegen die globale Erwärmung aber nicht. Es gehe um eine Prüfung der eigenen Einstellungen und Verhaltensweisen und vielleicht auch um die Erkenntnis, „dass unser Leben einen Sinn hat, der über die Mehrung materiellen Wohlstands hinausgeht“. Es gehe um globale Fairness und Verantwortung.
Im Kleinen nahmen sich die Macher der „Woche der Umwelt“ die Mahnung zur Ressourcenschonung und zu klimafreundlichem Verhalten schon einmal zum Ansporn. Die Verpflegung für die Besucher im Schlosspark kam zum Großteil ohne lange Transportwege aus der Region Berlin-Brandenburg. Und die Messetafeln der Stände, üblicherweise aus nicht sehr umweltfreundlichem Styropor oder Kunststoff, wurden einheitlich aus Buchbinderpappe gefertigt, wie Markus Große Ophoff von der Bundesstiftung Umwelt sagte. Recyclingquote: 100 Prozent.
http://www.dbu.de/
http://www.bundespraesident.de/ (AP)
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