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Halbgötter in Weiß Was Ärzte tragen - Berufsbekleidung im Lauf der Zeit

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26.10.2012

Arztbekleidung unterliegt sowohl der Notwendigkeit als auch der Mode. Foto: AP Photo/Jens Meyer
Arztbekleidung unterliegt sowohl der Notwendigkeit als auch der Mode.

Foto: AP Photo/Jens Meyer

Die Berufsbekleidung ändert sich im Wandel der Zeit - sie geht mit der Mode und mit den veränderten Anforderungen an den Beruf. So auch bei den Medizinern. Dabei war die Berufsbekleidung der medizinischen Berufe nicht immer weiss und makellos und gut möglich, dass sie in einigen medizinischen Bereichen zu ihren Ursprüngen - der Alltagskleidung - zurückkehrt.

Behandlung im Hörsaal

Die Geschichte der Institution Krankenhaus begann erst im frühen Mittelalter, als Mönche und Nonnen ihren Klöstern erste Hospize angliederten. Die Kleidung im Kloster war traditionell durch den Orden sowie die örtlichen Gegebenheiten und Witterungsbedingungen bestimmt. Erst Anfang des 15. Jahrhunderts wurden in größeren europäischen Städten die ersten Krankenhäuser errichtet, in denen Ärzte fest angestellt wurden.

 

Trugen sie weiß? - Nein. Ein Holzschnitt des Jahres 1500 zeigt einen venezianischen Arzt mit Alltagskleidung, einer Tunika und einer runden Kappe - schlichte Alltagskleidung. Die Operationssäle der Zeit waren eher Vorlesungssäle, in denen Schüler und Studenten das Geschehen in der Mitte des Raumes das Geschehen beobachteten. In der Alltagskleidung wurde über viele Jahrhunderte hinweg behandelt und operiert - mit einigen überraschenden Ausnahmen - und erst Mitte des 20. Jahrhunderts zog die heute bekannte weiße Berufskleidung in die Medizin ein.

Schlachterschürzen im OP

Lange bevor Hygiene und Sterilität in der Medizin an Bedeutung gewannen, wurden bereits Vorsichtsmaßnahmen getroffen - allerdings nur zum Schutze der Mediziner. Im OP wurden Schlachterschürzen getragen, um die Straßenkleidung vor Blutflecken zu schützen. Handschuhe wurden nicht verwendet und sterile Instrumente waren unbekannt. Anfang des 17. Jahrhunderts wurde der Pestanzug zur Berufskleidung vieler Mediziner.

 

Das weite und aus weichem Leder gefertigte Gewand, das vom Hals bis zu den Füßen reichte, wurde durch eine Maske ergänzt, in deren 15 cm langen Schnabel Riechstoffe zur Reinigung der Atemluft eingefüllt wurden. Eine Brille mit Kristallgläsern rundete das Bild ab - denn seinerseits vermutete man den Blickkontakt zum Pesterkrankten als eine der möglichen Ansteckungsquelle.

"Halbgötter in Weiß"

Erst mit den Erkenntnissen der Forscher Lister (Antisepsis) und von Trendelenburg (Sterilisation) und dem Ausbruch der spanischen Grippe in 1918, wurde die Farbe weiß zum Statussymbol einer Ära der keimfreien Chirurgie. Weiße Baumwolle und weißes oder ungefärbtes Leinen waren die Wahl der Krankenpflege und der Mediziner - auch im Operationssaal. Flecke und Schmutz waren einfach zu erkennen, die Kleidung war pflegeleicht und ohne hohe Kosten austauschbar.

 

Der Visitenkittel, ein Klassiker seiner Zeit, wurde nicht nur bei jedem Kontakt mit dem Patienten oder seinen Angehörigen getragen, sondern auch im OP. Auch heute noch ist der klassische Arztkittel im Einsatz - allerdings nur noch in der Psychiatrie oder bei Allgemeinmedizinern. Ein Großteil der Ärzteschaft ist inzwischen auf zeitgemäßere, bequemere und lässigere Kleidung, aber auch auf funktionalere Stücke umgestiegen - so wie die Chirurgen.

Schneeblind im OP

Während heute die Mediziner in Krankenhäusern ein weißes Poloshirt oder Hemd, weiße Hosen und nur noch selten einen Arztkittel tragen, sind die Chirurgen in weiße nicht mehr anzutreffen. Denn in der gleißenden Beleuchtung des OPs und mit seinen zahlreichen medizinischen Helfern, alle in Weiß gekleidet, tritt eine Art Blendeffekt auf - wie bei einer Schneeblindheit. Daher wurde in der Chirurgie auf andere Farben ausgewichen - zunächst grün, der Komplementärfarbe zum roten Blut. Inzwischen werden die chirurgischen Kasacks in vielen Farben hergestellt und ihre Farbgebung von der Krankenhausverwaltung bestimmten Abteilungen zugeordnet.

 

Die dreiviertellangen Hemden sind weit geschnitten und werden mit ihrem überschnittenen V-Ausschnitt über den Kopf angezogen. Meist mit Brusttasche und zwei Seitentaschen sind sie dem Kittel ähnlich und wie alle Stoffe der medizinischen Berufsbekleidung sind auch sie aus Hygienegründen bei 95 Grad waschbar. Zusammen mit Einweghandschuhen, Einwegmundschutz und Kopfbedeckung werden sie direkt vor der OP angezogen und sofort nach dem Verlassen des Operationssaals in die Wäsche gegeben.

Für andere Zweige der Medizin, wie der Psychiatrie, der Kinderärzte, der allgemeinen oder auch niedergelassenen Ärzte werden die Stimmen lauter, den Arztkittel ganz abzuschaffen. Ohne Funktion - außer dem Anheften des Namensschildes - vermittelt er jedoch noch immer die Kompetenz, die der Patient erwartet.(sfr/sq)

 

Weitere Informationen: WD-Praxis.de, der Online-Shop für medizinische Berufsmode

 

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