Aktuelle Nachrichten – Trends
15.06.2012
Foto: Winfried Rothermel/dapd
Berlin – Wasserstoff bahnt sich nach Expertenansicht seinen Weg vom Fahrzeugtank bis in die Heizung. "Es ist denkbar, dass ich als Heizungssystem im Haus eine Brennstoffzelle stehen habe", sagte der Vorsitzende des Deutschen Wasserstoff- und Brennstoffzellenverbandes, Johannes Töpler, im Vorfeld der Frankfurter Fachmesse Achema. Die Brennstoffzelle könnte Strom und Wärme für Ein- und Mehrfamilienhäuser erzeugen. Momentan sei zwar eher eine erdgasbetriebene Brennstoffzelle vorstellbar, doch es gebe bereits Produkte auf dem Markt, die auf Wasserstoff setzten.
Auch beim Ausbau der erneuerbaren Energien wird Wasserstoff laut Töpler eine wichtige Rolle spielen. Wenn in Deutschland im Winter über mehrere Tage zu wenig Sonne und Wind zur Verfügung stünden, dann müsste diese Lücke überbrückt werden. Das ginge am besten mit Wasserstoff, weil er hohe Energiedichten und einen vergleichsweise guten Umwandlungswirkungsgrad hätte. Doch dafür reichten die bisher verfügbaren Stromspeicher nicht aus. "Für eine kurze Stabilisierung des Netzes ist ein Pumpspeicherwerk das Richtige. Wenn es darum geht, eine Windflaute von mehreren Tagen zu überbrücken, dann werden das auch einige hundert Pumpwerke nicht schaffen", sagte Töpler. Die Speicherung von Wasserstoff werde Strom jedoch "mit Sicherheit nicht billiger machen". Denn auch das Speichern koste Geld. Dennoch werde das System wirtschaftlich, wenn die Folgekosten inklusive der verminderten CO2-Produktion mit berücksichtigt würden.
Doch Wasserstoff ist nicht für jeden Einsatz gleich gut geeignet. "Wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dass es nur einen Königsweg in der Energieversorgung gibt", sagte Töpler. Generell werde Wasserstoff an Bedeutung gewinnen, weil die Brennstoffzelle aufgrund ihres hohen Wirkungsgrades immer wichtiger werde, allen voran im Auto.
Der Vorteil von wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen gegenüber Elektroautos ist zum einen die größere Reichweite mit teilweise bis zu 500 Kilometern. E-Autos können mit einer Batterieladung meist nur 100 bis 150 Kilometer weit fahren können. Zudem dauert der Wasserstoff-Tankvorgang genau wie bei Benzin und Diesel nur wenige Minuten, während Batterien mehrere Stunden aufgeladen werden müssen. Ein großes Manko hat Wasserstoff als Treibstoff jedoch: die fehlende Infrastruktur. Laut der Initiative Clean Energy Partnership sind bundesweit nicht einmal 30 Stationen registriert. Allerdings rollen derzeit auch lediglich rund 65 Testfahrzeugen über deutsche Straßen.
(dapd)
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