Aktuelle Nachrichten – China - Menschenrechte
04.08.2012
Foto: Tongji Hospital
Von außen betrachtet gibt es mit dem Tongji Krankenhaus in Wuhan keine Probleme. Tatsächlich handelt es sich um eine von Chinas bekanntesten medizinischen Hochschulen. Aber 2006 antwortete ein Mitglied der Abteilung für Nierentransplantationen auf die Frage, ob das Krankenhaus Organentnahmen am lebendigen Leib von Falun Gong-Praktizierenden durchführen könne: „Klar, das ist kein Problem.”
„Wenn Sie bereit sind, können Sie zu uns kommen und die Details mit uns besprechen” sagte die Stimme weiter. Dieser Anruf war einer von denen, die im März 2006 mit Krankenhäusern in ganz China von der WOIPFG (World Organization to Investigate the Persecution of Falun Gong) durchgeführt wurden. Dies geschah im Zuge einer Untersuchung zu den Anschuldigungen der Organentnahme an lebenden Falun Gong-Praktizierenden in China.
Aber der Nachweis, den dieser Anruf bietet, dass das Wuhan Tongji Krankenhaus Organentnahmen an lebendigen politischen Gefangenen durchführte, und die Rolle die ein leitender Chirurg an den Operationen gespielt haben könnte, werden von den prominenten Mitgliedern der internationalen Transplantationsgemeinschaft nicht gerne thematisiert.
Dr. Chen Zhonghua, ein leitender chinesischer Chirurg für Transplantationen, war Direktor des Instituts für Organtransplantationen am Tongji Krankenhaus, als der Anruf getätigt wurde. Momentan ist er am gleichen Institut Professor für Chirurgie.
Chen war Mitautor eines Beitrags für den Transplantation Society's (TTS) Congress in Berlin, an dem er auch persönlich teilnahm. Die TTS ist die größte Gesellschaft für Fachleute für Transplantationen und übt eine „weltweit führende Rolle” in diesem Bereich aus.
Neben seiner Arbeit als Mitautor dieser Abhandlung, war Chen Mitglied des Gremiums „Scientific Program Comitee” des Kongresses. Er ist auch ein Berater für Asia 2013 der International Society for Organ Donation and Procurement. Hierbei handelt es sich um eine Abteilung der TTS.
Chen hat diese Ämter bei der TTS ausgefüllt, obwohl Anschuldigungen gegen ihn wegen seiner Teilnahme an erzwungenen Organentnahmen am lebendigen Leib öffentlich bekannt sind.
Die Mitschrift dieses belastenden Telefonanrufs mit dem Tongji Krankenhaus, dessen Abteilung für Organtransplantation Chen zu dieser Zeit unterstand, ist auf der Webseite der WOIPFG veröffentlicht und ist Teil eines bahnbrechenden Berichts über den Organraub an Falun Gong-Praktizierenden mit dem Titel „Blutige Ernte”. Die Kanadier David Matas, ein internationaler Menschenrechtsanwalt und David Kilgour, ein ehemaliger Staatsanwalt und Parlamentarier, sind Koautoren dieses Berichts.Zusätzlich wurde gegen Chen im Juli 2006 eine Strafanzeige beim U.S. Attorney’s Office in Boston eingereicht, als er in der Stadt war, um am World Transplantation Congress teilzunehmen. Die Anzeige beschuldigt Chen der „Teilnahme an einem Programm zur erzwungenen Organentnahme”, dessen Ziel Falun Gong war.
Die offizielle Position der TTS zur Verwendung von Organen, die exekutierten Gefangenen entnommen wurden ist laut einer E-Mail von Dr. Francis Delmonico, dem designierten Präsidenten der Gesellschaft, „eindeutige Ablehnung.”
Der eigene Ethiker der TTS hat speziell für die China-Frage ein Fragen und Antworten-Papier entworfen und die Gesellschaft hat einige Maßnahmen ergriffen, um sicherzustellen, dass die Konferenz keine Plattform zur Diskussion über die neusten Entwicklungen bei der Entfernung von Organen kürzlich exekutierter Gefangener wird.
Aber Anwälte und Wissenschaftler sagen, dass die TTS besonders im Fall von Chen Zhonghua zu wenig getan hat. „Chen ist kein gewöhnlicher Chirurg für Transplantationen. Er ist ein hochrangiger Beamter im unethischen chinesischen Transplantationssystem” schrieb Arne Schwarz, ein Forschungsethiker im Bereich Organtransplantation, in einer E-Mail.Chen war Leiter einer Abteilung für Transplantationen die laut Schwarz 4000 Organe entnommen hat, die „zumeist von Gefangenen stammen.”
Schwarz sagt, dass die Zulassung „solch einer kompromittierten Person” in einer Position, die er bekleidet „die TTS als Gesellschaft, die sich mit Transplantationsethik beschäftigt, gefährdet.”
Die Regeln für eine Mitgliedschaft bei der TTS besagen: „Mitglieder der Transplantation Society dürfen nicht in die Organentnahme oder Organtransplantation von exekutierten Gefangenen oder anderen Spendern, bei denen das Risiko besteht, dass eine freiwillige Zustimmung für eine Spende nicht gegeben ist, involviert sein”. Laut Schwarz sollte Chen seines Amtes enthoben werden.
Als die Epoch Times Kontakt mit den Offiziellen der TTS aufnahm, um sie auf den offensichtlichen Widerspruch zwischen der Politik der Gesellschaft und Chens Bekleidung von zwei offiziellen Posten bei der TTS anzusprechen, gaben die Offiziellen keine direkte Antwort.
Dr. Gerhard Opelz, ein Mitglied des Executive Organizing Committees für den Berliner Kongress und Präsident des TTS, verwies bei den Fragen zu Chen an Delmonico weiter. Der verwies dann wieder zurück auf Opelz. Auf eine zweite Anfrage für einen Kommentar am 30. Juli antwortete Opelz, dass er „bis zum 20. August in Urlaub” sei.
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