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Eine Intellektuelle mit Witz und Charme Weggefährten trauern um Margarete Mitscherlich

dapd

13.06.2012

Hildegard Hamm-Brücher und Margarete Mitscherlich. Margarete Mitscherlich starb am Dienstag wenige Wochen vor ihrem 95. Geburtstag. Foto: Ronald Wittik/dapd Photo
Hildegard Hamm-Brücher und Margarete Mitscherlich. Margarete Mitscherlich starb am Dienstag wenige Wochen vor ihrem 95. Geburtstag.

Foto: Ronald Wittik/dapd Photo

Berlin/Frankfurt – Mit Trauer und Respekt haben Kollegen, Politiker und Verleger auf den Tod der Psychoanalytikerin und Autorin Margarete Mitscherlich reagiert. Als eine Frau von "imponierender intellektueller Wachheit" und mit "Witz und Charme" würdigte am Mittwoch das in Frankfurt am Main ansässige Sigmund-Freud-Institut, dem Mitscherlich seit dessen Gründung in den 1960er Jahren eng verbunden war, die Wissenschaftlerin. Der Fischer Verlag teilte mit, er trauere um eine seiner wichtigsten Autorinnen. Mitscherlich war am Dienstag wenige Wochen vor ihrem 95. Geburtstag gestorben.

Margarete Mitscherlich und ihr Ehemann Alexander hätten große Verdienste darin erworben, die während des Nationalsozialismus zum Exil gezwungenen Psychoanalytiker wieder in Deutschland zu beheimaten, schrieb das Institut auf seiner Internetseite des Sigmund-Freud-Instituts. Zudem habe das Paar den Demokratisierungsprozess im Nachkriegsdeutschland vorangebracht. "Das Buch 'Die Unfähigkeit zu trauern', gemeinsam geschrieben, war von großem Einfluss und gehört zu ihrem bleibenden Vermächtnis", hieß es weiter. Mit Mitscherlichs Tod verliere das Institut eine wichtige Identifikationsfigur.

Als eine der "wichtigsten kritischen, engagierten Intellektuellen der Bundesrepublik Deutschland" bezeichnete der Fischer Verlag Mitscherlich. Das Land und die Gesellschaft verdankten ihr viel, sagte Jörg Bong, Programmgeschäftsführer des Frankfurter Verlagshauses.

"Strenge Mahner und Moralisten"

Tilman Moser, Psychoanalytiker und Schüler Mitscherlichs, sagte im "Deutschlandradio Kultur", er könne ihr in der Rückschau eine "fast kriminalistische Begabung zusprechen, die Abgründe einzelner Patientenschicksale aufzuspüren". Sie sei zur "Pionierin der Anwendung der Psychoanalyse auf große Gruppen oder ganze Nationen" geworden. Sie und ihr Mann hätten in den Deutschen in der Nachkriegszeit deren Schuld und Scham vorgehalten. Sie seien in Bezug auf die NS-Zeit strenge Mahner und Moralisten gewesen, was ihnen auch Gegnerschaft eingebracht hätte.

Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier würdigte das Lebenswerk Mitscherlichs. Sie sei eine der bekanntesten Psychoanalytikerinnen der Bundesrepublik gewesen, "die immer das Wesen der Menschen verstehen wollte", sagte der CDU-Politiker am Mittwoch in Wiesbaden. "Gleichzeitig sprach sie Missstände offen an und nahm hierbei kein Blatt vor den Mund." Darüber hinaus sei sie eine starke Persönlichkeit für die Frauenbewegung gewesen.

Mitscherlich, Tochter eines dänischen Arztes und einer deutschen Lehrerin, galt als die als bedeutendste deutsche Psychoanalytikerin. Gemeinsam mit ihrem Mann thematisierte sie in dem Buch "Die Unfähigkeit zu trauern" die unzulängliche Aufarbeitung der NS-Zeit. Außerdem war sie eine der profiliertesten Vertreterinnen der Frauenbewegung in Deutschland.

(dapd)

 

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