Nachrichten Deutschland – Weiße Rosen für die ermordeten KZ-Häftlinge – Jochen Wiesigel
The Epoch Times - Deutschland

Aktuelle Nachrichten – Deutschland

Obama besucht KZ-Gedenkstätte Weiße Rosen für die ermordeten KZ-Häftlinge

Jochen Wiesigel

05.06.2009

Mit der Niederlegung einer weißen Rose gedenkt der US-Präsident Barack Obama den Opfern des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald. (AP Photo/Oliver Multhaup, POOL)
Mit der Niederlegung einer weißen Rose gedenkt der US-Präsident Barack Obama den Opfern des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald. (AP Photo/Oliver Multhaup, POOL)

Weimar – Über den Appellplatz des einstigen Nazi-Konzentrationslagers Buchenwald bläst auch an diesem Juninachmittag ein kalter Wind. Der amerikanische Präsident Barack Obama kommt mit einer langstieligen weißen Rose zu dem Denkmal für alle KZ-Häftlinge. Während er sich tief hinabbeugt, ist ihm die innere Bewegung anzumerken, die ihn am Freitag zu diesem Erinnerungsort geführt hat.

Das Denkmal besteht aus einer schlichten Stahlplatte, die in die Erde eingelassen wurde. Das Metall hat bei jedem Wetter, ob im Winter oder im Sommer, immer die Temperatur des menschlichen Körpers von 37 Grad. Es ist ein symbolischer Ort, zu dem man sich hinunterbeugen, den man mit Händen berühren muss, damit man nicht vergisst, dass jeder einzelne der 56.000 Menschen, die hier zu Tode kamen, unverwechselbar und einmalig war.

Auf die Stahlplatte sind die 51 Namen der Opfergruppen von „Albaner, Algerier“ über „Juden, Roma und Sinti“ bis zu „US-Amerikaner und Staatenlose“ eingefräst. Vielen ehemaligen Häftlingen hat sich gerade die Erfahrung der Kälte vom stundenlangen Stehen auf dem Appellplatz tief in die Erinnerung gegraben.

An die menschliche Wärme, das einzige, was der Kälte des Konzentrationslagers widerstand, soll das Denkmal erinnern, vor dem Obama in einer Gedenkminute verharrt. Mit ihm verbeugen sich Bundeskanzlerin Angela Merkel, der Holocaust-Überlebende und Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel und der Vorsitzende des internationalen Buchenwald-Komitees, Bertrand Herz.

Der Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers auf dem Ettersberg in der Nähe der Goethestadt Weimar war aus amerikanischer Sicht der wichtigste Programmpunkt der Deutschlandreise Obamas. Ein Großonkel von ihm war 1945 als Obergefreiter der US-Armee an der Befreiung eines Nebenlagers von Buchenwald in Ohrdruf bei Gotha in Thüringen beteiligt.

Elie Wiesel standen Tränen in den Augen

Die nächste Station war das sogenannte Kleine Lager, einer der schrecklichsten Orte in Buchenwald. Hierher war Elie Wiesel im Januar 1945 im Alter von 15 Jahren gekommen, hier verlor er seinen Vater. Die Erinnerung daran trieb dem 80-Jährigen Tränen in die Augen.

„Als ich heute hierher gekommen bin, war das so, als würde ich das Grab meines Vaters besuchen“, sagte Wiesel in einer zu Herzen gehenden Rede. „Aber er hat keines. Sein Grab ist im Himmel. Das ist der größte Friedhof des jüdischen Volkes.“ Wiesel beklagte, dass er nicht bei ihm gewesen sei, als sein Vater nach ihm gerufen habe.

Das 2002 errichtete Denkmal für das Kleine Lager vermittelt ein Gefühl der Einengung und des Eingezwängtwerdens. Das Lager war durch doppelten Stacheldraht vom übrigen (großen) Konzentrationslager abgegrenzt. Die Häftlinge, die hier in fensterlosen Pferdeställen interniert waren, galten als Seuchenträger. 1945 gingen hier in knapp 100 Tagen über 5.000 Menschen elend zu Grunde.

Augenzeugen berichteten, wie die Häftlinge während der Befreiung am 11. April 1945 noch lange nach dem Einmarsch der Amerikaner am Drahtzaun gestanden haben. Wiesel ließen die Augen der amerikanischen Soldaten, die dieses Grauen zuerst sahen, niemals los.

„Ungeheuerliche Taten sind hier geschehen“

Damals seien viele von ihnen überzeugt gewesen, dass es nie wieder Krieg und Hass geben würde. „Aber die Welt hat nicht gelernt“, sagte Wiesel. Sonst hätte es den Völkermord in Kambodscha, Ruanda, Darfur und Bosnien nicht gegeben. Buchenwald sei wichtig, weil es damals unter den Häftlingen so etwas wie eine internationale Gemeinschaft gegeben habe, „die erste Übung in Globalisierung“, sagte Wiesel.

Barack Obama umarmte den Holocaust-Überlebenden. Der Präsident rief eindringlich dazu auf, gegen jede Form der Intoleranz vorzugehen. Er werde nie vergessen, was er in Buchenwald gesehen habe, sagte Obama. Schon als Kind habe er von dem Lager gehört. Sein Großonkel sei in einen Schockzustand über das damals Erlebte geraten.

„Ungeheuerliche Taten sind hier geschehen“, sagte Obama. Buchenwald sei die endgültige Zurückweisung für all jene, die den Holocaust noch heute leugneten. Bis heute gebe es Rassismus, Homophobie, Hass und mehr, sagte Obama. „Dieser Ort lehrt uns, dass wir immer wachsam sein müssen.“ (AP)

 

 

Hier können Sie sich im Newsletter eintragen.

Folgen Sie uns auf Facebook , Twitter und Google+.

 
Anzeige
Anzeige