Aktuelle Nachrichten – China - Menschenrechte
12.10.2007
Peking – Bis zu vier Millionen weitere Anwohner des Drei-Schluchten-Staudamms in China sollen in den kommenden Jahren zwangsumgesiedelt werden. Sie kämen zu den 1,4 Millionen Menschen hinzu, die für das ehrgeizige Großprojekt bislang ihre Wohnungen verloren haben, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Freitag berichtete. Einem Zeitungsbericht zufolge werden bis zum Jahr 2020 rund 2,3 Millionen Menschen in Städte umgesiedelt.
Darunter seien Familien, die dem Staudamm schon einmal hätten weichen müssen, schrieb die Zeitung „21 Shiji Jingji Baodao“. Die Stadtverwaltung von Chongqing veröffentlichte auf ihrer Website Grundzüge des Umsiedlungsplans. Demnach werde die städtische Bevölkerung in der Region zwischen 2010 und 2020 um vier Millionen anwachsen. Von der Umsiedlung betroffen seien Menschen in Gebieten um den Staudamm, die ökologisch besonders sensibel seien. Zahlen wurden nicht genannt. Der Bürodirektor der Entwicklungs- und Reformkommission in Chongqing, Hu Jihong, sagte, einige Berichte über das Projekt seien falsch. Nähere Angaben machte er nicht.
Grund für die Umsiedlung sind den Angaben aus Chongqing zufolge ökologische Bedenken. Ein Grüngürtel am Rand des Stausees solle Verschmutzung und weitere Erosion verhindern. Die Regierung in Peking hatte im September eingestanden, dass Umweltprobleme wie Erosion und Überflutungen zu einer Katastrophe führen könnten.
Der Drei-Schluchten-Staudamm, der seit 2005 teilweise und ab 2009 vollständig betrieben wird, ist das weltweit größte Wasserkraftwerk und Aushängeschild der chinesischen Regierung. 1,4 Millionen Menschen wurden für das 23,6 Milliarden Dollar (16,7 Milliarden Euro) teure Projekt bereits zwangsweise umgesiedelt. Die Bauarbeiten begannen 1993 trotz Protesten gegen die Zwangsumsiedlung und die Zerstörung der Umwelt im Yangtze-Tal. Von der Umsiedlung Betroffene klagten zum Teil über Fälle von Korruption und darüber, dass es in den neuen Wohngebieten kaum Möglichkeiten gebe, den Lebensunterhalt zu verdienen. (AP)
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