Wirtschaftsnachrichten - Aktuelle Nachrichten Wirtschaft – Weltelite streitet auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos über Wege aus der Krise – Pan Pylas und Edith Lederer / AP
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Schweiz Weltelite streitet auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos über Wege aus der Krise

Pan Pylas und Edith Lederer / AP

29.01.2012

Weltwirtschafts­forum: Davos in der Schweiz hat wieder die Weltelite zu Gast. Foto: AP Photo/Anja Niedringhaus
Weltwirtschafts­forum: Davos in der Schweiz hat wieder die Weltelite zu Gast.

Foto: AP Photo/Anja Niedringhaus

Davos – Kreative Aktivisten auf der einen Seite, mächtige Konzern- und Staatenlenker auf der anderen: Der Schweizer Luxusskiort Davos hat sich erneut als tonangebendes Forum für Diskussionen über die Zukunft der globalen Wirtschaft präsentiert. Der Internationale Währungsfonds (IWF) warb auf der fünftägigen Konferenz bis zum Sonntag um eine Aufstockung seiner Mittel, während die Vertreter der Eurostaaten vor allem das Sorgenkind Griechenland beschäftigte. Die in einem Iglu-Dorf campierenden Aktivisten blieben meist Zaungäste und trugen ihre Anliegen daher auf eigene Weise vor - nicht zuletzt mit nackter Haut bei klirrender Kälte.

Sie sei zum Weltwirtschaftsforum nach Davos gekommen, um "etwas Geld zu sammeln", sagte IWF-Chefin Christine Lagarde am Samstag. Dies sei nötig, um angesichts der europäischen Schuldenkrise und deren Auswirkungen auf die Weltwirtschaft das Vertrauen in das globale Finanzsystem zu stärken. Wenn genügend Mittel im Fonds wären, würden die Märkte beruhigt – und sei das Vertrauen erst wiederhergestellt, dann müsse das Geld gar nicht verwendet werden.

Weiter sagte Lagarde, sie sehe bei einigen Euroländern durchaus noch Möglichkeiten für ein größeres Wirtschaftswachstum. Die Staaten der Eurozone sollten dabei nicht im gleichen Tempo oder Ausmaß dramatische Ausgabenkürzungen vornehmen, um gegen die Staatsverschuldung anzukämpfen. Die IWF-Direktorin rief die 17 Länder der Währungsunion auf, eine klare und einfache Schutzmauer aufzubauen, um die derzeitige Schuldenkrise zu begrenzen. Zudem sollten die Euroländer in den nächsten Monaten und Jahren ihre Wirtschaft enger verzahnen.

Forderung nach Budget-Beauftragten für Athen

Die Unsicherheit bezüglich der europäischen Schuldenkrise war in Davos deutlich zu spüren. Mit Blick auf Griechenland forderte ein Delegierter aus Deutschland, Athen sollte vorübergehend seine Steuerhoheit abgeben und Entscheidungen über Ausgaben einem Budget-Beauftragten aus der Eurozone überlassen, um weitere Rettungspakete zu erhalten. Der britische Schatzkanzler George Osborne betonte die Dringlichkeit eines baldigen Endes der Verhandlungen über einen Schuldenschnitt für die Hellenen.

Das Durchwursteln müsse ein Ende haben, mahnte auch Weltbank-Chef Robert Zoellick. Zunehmend ungeduldig zeigten sich zudem die Asiaten. "Vertrauen entsteht nur durch entschiedenes und schnelles Handeln der Politiker", sagte Hongkongs Regierungschef Donald Tsang.

US-Ökonom Roubini warnt vor harten Zeiten

Unterdessen warnte der bekannte US-Ökonom Nouriel Roubini vor einem Anhalten der aktuellen Krise bis zum Ende des Jahrzehnts. Wenn Europa sich nicht selbst radikal reformiere und die USA nicht effektiv gegen ihren Schuldenberg angingen, stünden der globalen Wirtschaft auch weiter harte Zeiten bevor. Ohne wesentliche Veränderungen in der Politik könnten die Dinge sogar noch deutlich schlimmer werden. Der Ökonom sprach sich zudem für eine Reduzierung der weltweiten Ungleichheit aus. Statt in den Finanzsektor und in Immobilien zu investieren, müssten sich die Regierungen auf das "menschliche Kapital" konzentrieren, sagte Roubini.

Am Rande des Weltwirtschaftsforums wurden am Samstag drei barbusige Demonstrantinnen aus der Ukraine festgenommen. Die Frauen hatten versucht, ein Treffen internationaler Firmenchefs und Politiker zu stören. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt zogen die Frauen vor dem Kongresszentrum ihre Oberteile aus und kletterten über einen Zaun. Die Aktivistinnen wollten mit ihrer Protestaktion am Weltwirtschaftsforum nach eigenen Angaben auf Bedürftige in der Welt aufmerksam machen. (dapd)

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