Frankfurt/Main – Spektakuläre Fälle von Kindstötungen durch die eigenen Eltern haben in letzter Zeit immer wieder Schlagzeilen gemacht. Doch handelt es sich nicht um ein neues Phänomen. Ob es eine gezielte Tötung war oder die Kinder durch unterlassene Hilfeleistung, Verdursten und Verhungern starben: Immer wieder haben Polizei und Justiz mit derartigen Fällen zu tun. Hier eine Chronik:
Juni 1999: In der Tiefkühltruhe einer Familie im sächsischen Mühltroff werden die Leichen von zwei Jungen und einem Mädchen gefunden, die zwischen 1993 und 1999 jeweils kurz nach der Geburt von der Mutter erstickt wurden. Das Landgericht Chemnitz verurteilt die geständige Frau wegen Totschlags zu 13 Jahren und sechs Monaten Haft.
28. Februar 2001: Eine 26-jährige Frau aus dem thüringischen Sömmerda gesteht, zwischen 1994 und 1999 ihre zwei Jungen und ein Mädchen kurz nach der Geburt erstickt, erwürgt beziehungsweise ertränkt zu haben. Die Leichen der Neugeborenen versteckte sie in Plastiktüten auf einem Feld. Das Landgericht Erfurt verurteilt die Frau zu elf Jahren und sechs Monaten Gefängnis.
5. Januar 2004:: Die dreijährige Karolina wird schwer misshandelt auf einer Krankenhaustoilette in Weißenhorn im bayerischen Landkreis Neu-Ulm gefunden. Sie erliegt ihren Verletzungen. Ihre Mutter und deren Lebensgefährte gestehen die Tat. Sie werden im Mai 2006 zu lebenslanger Haft verurteilt.
18. Juli 2004: Die Polizei nimmt eine 23-jährige Frau fest, in deren Wohnung in Leverkusen-Küppersteg ein Säugling tot im Eisschrank gefunden wurde. Der kleine Junge weist Verletzungen am Hals auf. Sie gesteht, das Kind erdrosselt zu haben.
3. März 2005: Die völlig abgemagerte und entkräftete siebenjährige Jessica erstickt in der Wohnung ihrer Eltern in Hamburg an Erbrochenem. Die Eltern werden später zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht befindet sie des grausamen Mordes durch Unterlassen und der Misshandlung von Schutzbefohlenen für schuldig. Sie hatten das Mädchen in einem verdunkelten Zimmer völlig verwahrlost sich selbst überlassen.
31. Juli 2005: In der brandenburgischen Ortschaft Brieskow-Finkenheerd werden die Leichen von neun Babys in mit Blumenerde gefüllten Gefäßen entdeckt. Die Mutter der Kinder hatte ihrem Ehemann die Schwangerschaften zwischen 1988 und 1998 verheimlicht und die Neugeborenen unversorgt sterben lassen. Das Landgericht Frankfurt verurteilt sie im Juni 2006 wegen achtfachen Totschlags durch Unterlassen zu 15 Jahren Haft. Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hebt das Strafmaß im April 2007 auf. Eine andere Strafkammer muss nun die Frage einer verminderten Schuldfähigkeit neu prüfen.
31. Dezember 2005: Ein 48-jähriger Mann aus Altenburg in Thüringen gesteht, die Leichen zweier leiblicher Kinder direkt nach der Geburt 1992 und 1994 im Keller seines Hauses einbetoniert zu haben. Das Landgericht Gera verurteilt die Mutter, eine 44-jährige Kindergärtnerin, zu neun Jahren Haft wegen zweifachen Totschlags.
26. Februar 2006: Ein Mann findet im Tiefkühlschrank des Kellers seiner Wohnung im fränkischen Baiersdorf die Leiche eines neugeborenen Mädchens. Das Baby wurde nach der Geburt im Juli 2005 von der Mutter erstickt. Das Landgericht Nürnberg verurteilt die 39-Jährige im März 2007 wegen Totschlags zu zehn Jahren Haft.
Februar 2006: Eine junge Frau in Neustrelitz erstickt ihre neugeborene Tochter mit einer Decke und versteckt die Leiche in einer Kühltruhe in ihrer Wohnung. Im Juni entdeckt ihre Schwester die in Tücher und Plastikfolie verpackte Leiche. Die Mutter gesteht und gibt Angst vor Verlust ihres Arbeitsplatzes als Motiv an. Die 22-Jährige wird wegen Totschlags zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt.
11. März 2006: Drei stark verweste Säuglingsleichen werden in einem Einfamilienhaus in Neuendorf am Damm in Sachsen-Anhalt gefunden. Die Mutter gesteht die Tat. Wegen Hinweisen auf eine erhebliche psychische Störung wird sie in der Psychiatrie untergebracht. Im Oktober 2007 wird sie zu sieben Jahren Haft verurteilt.
August 2006: Eine 18-Jährige tötet in der elterlichen Wohnung im mecklenburgischen Teldau ihren neugeborenen Jungen mit Schnitten in den Hals. Die Polizei findet die Babyleiche im Zimmer der Frau in einer Sporttasche unter dem Bett. Im März 2007 verurteilt sie das Landgericht Schwerin wegen Totschlags zu drei Jahren Jugendstrafe.
4. Oktober 2006: Eine 38-Jährige schlägt in Hessigheim bei Ludwigsburg ihre neun und elf Jahre alten Söhne nieder und erdrosselt sie. Anschließend begeht sie einen Selbstmordversuch. Das Landgericht Heilbronn verurteilt die Mutter am 20. Mai 2007 zu zehneinhalb Jahren Gefängnis.
17. Oktober 2006: Der sechsjährige Marvin wird von seiner Mutter absichtlich in den Gederner See gefahren. Offenbar hatte sie den Jungen schon vorher umgebracht. Seine Leiche wird erst nach einer aufwendigen Suchaktion gefunden. Die Mutter wird im August 2007 zu fünf Jahren Haft wegen Totschlags im Zustand verminderter Schuldfähigkeit verurteilt.
17. Januar 2007: Im thüringischen Thörey werden bei Abrissarbeiten die Überreste von drei Babyleichen in der Zwischendecke einer Garage entdeckt. Eine 21-jährige Frau aus Erfurt gesteht, mit 16 Jahren einen Jungen und später zwei weitere Kinder kurz nach der Geburt dort versteckt zu haben.
17. März 2007: Ein neugeborenes Mädchen wird in einer Plastiktüte aus dem zehnten Stockwerk eines Hochhauses in Hamburg geworfen. Tage später ermittelt die Polizei die 26-jährige Mutter als Täterin. Sie gibt zu, zunächst ihren Freund zu Unrecht der Tat beschuldigt zu haben. Am 18. September wird sie zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.
15. März 2007: Eine 32-jährige Frau aus dem Raum Hof in Bayern gesteht, im vergangenen Jahr ihr Baby kurz nach der Geburt mit einer Decke erstickt zu haben. Die Polizei birgt die Leiche des Jungen aus einem Teich.
14. April 2007: Ein 15-Jähriger entdeckt im Tiefkühlschrank der Wohnung seiner Mutter in Erfurt zwei Babyleichen. Die 35-Jährige gesteht, die Kinder nach der Geburt in Müllsäcke verpackt in die Tiefkühltruhe gelegt zu haben. Das Landgericht Erfurt verurteilt sie wegen zweifachen Totschlags zu zwölf Jahren Haft.
22. Juni 2007: Im Alter von nur drei Monaten stirbt der kleine André aus Iserlohn. Der Junge hat nach Polizeiangaben schon äußerlich deutliche Anzeichen von Unterernährung aufgewiesen und ein greisenhaftes Gesicht gehabt.
21. November 2007: Die von ihren Eltern vernachlässigte Lea-Sophie aus Schwerin wird in äußerst kritischem Zustand von einem Notarzt in das Klinikum Schwerin gebracht, wo sie trotz aller Rettungsversuche stirbt. Die Obduktion ergibt, dass das Kind verhungert und verdurstet ist. Mutter und Vater kommen in Untersuchungshaft.
27. November 2007: Beamte entdecken nach Hinweisen des örtlichen Gesundheitsamtes die Leiche eines 2002 geborenen Säuglings in einem Koffer, den die 28-jährige Mutter aus dem sächsischen Plauen bei Verwandten versteckt hat. Am 5. Dezember werden in Plauen zwei weitere tote Babys entdeckt.
3. Dezember 2007: Ein neun Wochen alter Säugling wird mit schweren Kopfverletzungen in ein Oldenburger Krankenhaus eingeliefert. Nach Angaben des Klinikums war das Kind wegen eines Blutergusses im Hirn nach einem Schütteltrauma operiert worden und liegt nun auf der Kinder-Intensivstation. Ob Schäden zurückblieben, lasse sich noch nicht sagen. Der Verdacht der Körperverletzung richtet sich gegen den 20 Jahre alten Vater.
5. Dezember 2007: Die Leichen von fünf Jungen im Alter zwischen drei und neun Jahren werden in einem Einfamilienhaus in dem kleinen Ort Darry im schleswig-holsteinischen Kreis Plön entdeckt. Die psychisch kranke Mutter wird verdächtigt, die Kinder erstickt zu haben. (AP)