Aktuelle Nachrichten – Panorama
12.01.2010
Hamburg (apn) Ein rauschendes Fest, eine weiße Villa mit Pool, Champagner und Kaviar: Das ist die Welt von Dieter Glanz, der Hauptfigur im ARD-Zweiteiler „Gier“. Erfolgsregisseur Dieter Wedel beleuchtet darin die Machenschaften eines Finanzbetrügers im großen Stil. Zunächst ist die Geschichte in einem Stück auf Arte und nächste Woche in zwei Teilen im Ersten zu sehen. In einer Mischung aus Komödie und Thriller zeigt Wedel, wie die Gier nach Geld, gesellschaftlicher Anerkennung und Zugehörigkeit die Menschen antreibt, sie korrumpiert und immer tiefer abstürzen lässt.
Schon vor vier Jahren begann Wedel mit der Recherche zum Film, der angesichts der weltweiten Krise auf dem Finanzmarkt von frappierender Aktualität ist. Er sprach mit dem verurteilten Millionenbetrüger Jürgen Harksen ebenso wie mit Opfern von Hochstaplern und ließ auch eigene Erfahrungen als Betrogener ins Drehbuch einfließen. Bis in die Nebenrollen mit namhaften Schauspielern wie Heinz Hoenig, Uwe Ochsenknecht und Katharina Wackernagel besetzt, entfaltet „Gier“ eindrucksvoll die Geschichte einer Verführung.
Ulrich Tukur überzeugt in der Hauptrolle des charismatischen Finanzjongleurs und Hochstaplers Dieter Glanz. Nonchalant spielt er den Menschenfänger, dem seine reichen Anhänger das Geld geradezu hinterherwerfen, besessen von der Aussicht auf utopische Gewinne. Wie Groupies scharen sie sich um ihn, buhlen um seine Gunst und investieren immer weiter – jedem Zweifel und dem gesunden Menschenverstand zum Trotz. Doch Glanz nimmt keineswegs nur von den Reichen. Auch der junge Immobilienmakler Andy Schroth (Devid Striesow) gerät in seinen Bann.
Der „kleine Mann“ Schroth lässt sich von der Profitgier anstecken und blenden von der Glamourwelt des Finanzzauberers, der ihn unter seine Fittiche nimmt. Er überredet Familie, Freunde und Kollegen, ihm Geld zu leihen, um es bei Glanz zu investieren. Glücklich zum Kreis der Auserwählten zu gehören, merkt er zu spät, dass er nicht nur die eigene Existenz, sondern auch die seines gesamten Umfelds aufs Spiel setzt. „Für diese Hochstapler-Typen ist Mitleid ein Fremdwort“, sagte Ulrich Tukur der Nachrichtenagentur DAPD.
Dass es Betrügern wie Glanz immer wieder gelingt, aufkeimende Zweifel zu ersticken, wundert den Schauspieler nicht: „Diese Leute haben ein Hirn voller Detailwissen, das sie mit einer unglaublichen Geschwindigkeit abrufen können.“ So hat auch Dieter Glanz stets die richtige Antwort parat, lügt, betrügt und manipuliert seine Umgebung. Manchmal scheint er selbst überrascht, dass die Menschen ihm glauben. Aber anderenfalls müssten diese sich ja eingestehen, auf einen Betrüger hereingefallen zu sein.
Die Bilder der stets sonnigen Jetset-Welt in „Gier“ mögen überzeichnet wirken: „Die Wirklichkeit ist ja noch viel grotesker“, sagte der 52-jährige Tukur und fügte hinzu: „Die ist so abgedreht, wenn man die eins zu eins zeigen würde, würde jeder sagen: Das ist doch an den Haaren herbeigezogen.“ Für den Glanz und damit für die Wirkung des Hochstaplers sei gerade das Klischee von der weißen Villa mit Pool, dem Champagner und dem Kaviar wichtig.
Als sich dennoch Zweifel an Glanz mehren, setzt er sich nach Südafrika ab. Es gelingt ihm nochmals, die Bedenken seiner Anhänger zu zerstreuen. Vor exotischer Kulisse fiebern sie dem Tag der Gewinn-Ausschüttung entgegen, den Glanz immer wieder verschiebt: Der Druck auf den Betrüger steigt. Der hoch verschuldete Schroth verliert derweil Job, Frau und Haus. In der paradiesischen Kaplandschaft kommt es zum großen Showdown. Zurück bleiben unzählige Menschen, deren Leben nicht zuletzt durch die eigene Gier zerstört sind. Der notorische Hochstapler dagegen erfindet sich noch im Gefängnis neu.
Der Zweiteiler „Gier“ läuft am 20. und 21. Januar jeweils um 20.15 Uhr in der ARD. Vorab zeigt Arte am 15. Januar beide Teile aufeinanderfolgend um 20.15 Uhr bzw. 21.45 Uhr. (AP)
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