Unterhaltung – Wenn Zeit zur alleinigen Währung wird – Axel Schock
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Kinovorschau: Justin Timberlake in "In Time" Wenn Zeit zur alleinigen Währung wird

Axel Schock

27.11.2011

Justin Timberlake als Will und Amanda Seyfried als Sylvia in dem Science-Fiction-Film "In Time - Deine Zeit läuft ab" von Andrew Niccol. Der Film kommt am Donnerstag, den 1.12.2011 in die deutschen Kinos. Foto: Twentieth Century Fox/dapd
Justin Timberlake als Will und Amanda Seyfried als Sylvia in dem Science-Fiction-Film "In Time - Deine Zeit läuft ab" von Andrew Niccol. Der Film kommt am Donnerstag, den 1.12.2011 in die deutschen Kinos.

Foto: Twentieth Century Fox/dapd

Ab dem 25. Lebensjahr läuft auf der im Unterarm implantierten Digitaluhr der Countdown.
Ab dem 25. Lebensjahr läuft auf der im Unterarm implantierten Digitaluhr der Countdown.

Foto: Twentieth Century Fox/dapd

Berlin – Der Traum vieler Menschen, bis zum Lebensende so frisch und faltenfrei auszusehen wie in jungen Jahren, wird in Andrew Niccols Zukunftsvision "In Time" zur Realität. Der Preis dafür jedoch ist hoch: Ab dem 25. Lebensjahr läuft auf der im Unterarm implantierten Digitaluhr der Countdown. Ein weiteres Bonus-Jahr bleibt noch auf dem ganz persönlichen Zeitkonto, jede weitere Minute aber muss erarbeitet, gekauft oder auch auf illegalem Wege erworben werden. Zeit ist zudem die einzige Währung geworden. Für einen Becher Kaffee etwa werden drei Minuten vom Lebenszeitkonto abgebucht.

Ein solches Szenario der – zumindest optischen – Alterslosigkeit bringt für gewöhnliche Kinozuschauer irritierende Momente: Wenn nämlich Filmheld Will Salas (Justin Timberlake) kaum wesentlich jünger ausschaut als dessen Mutter in Gestalt von Olivia Wilde.

Auch wenn die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in dieser Science-Fiction-Welt für alle Menschen gelten, gibt es auch dort eine Zwei-Klassen-Gesellschaft: Jene wie Will, die mühsam für ein paar Stunden mehr Zeit auf ihrem Depot in Fabriken schuften, und die anderen, die mit dicken Zeitkonten in schicken Villen in eine endlose und sorgenfreie Zukunft blicken.

Regisseur und Drehbuchautor Niccol ("Gattaca", "Die Truman Show") lässt Will durch Zufall kurzzeitig zu einem dicken Polster an Extrajahren auf dem Display kommen, doch dieser kann das Glück nicht lange auskosten: Er wird des Mordes verdächtigt. Mit der Zeit-Millionärstochter Sylvia (Amanda Seyfried) an seiner Seite kämpft er nun nicht nur gegen die versickernde Zeit an, sondern will das ungerechte Zwei-Klassen-System mit dessen eigenen Waffen zu Fall bringen.

Komplexes Zukunftsszenario mit schlichter Kapitalismuskritik

Ob "In Time" nun als eine Parabel auf den Wunsch des Menschen nach Unsterblichkeit zu interpretieren ist? Oder vielleicht eher als fundamentale Kapitalismuskritik? Die da unten schuften ums Überleben, während die da oben in Saus und Braus in ihren Glaspalästen sitzen, die Preise hochtreiben und Jahrhunderte an Lebenszeit anhäufen? "Es gibt eigentlich genug Zeit für alle – aber damit ein Mann unsterblich wird, müssen Tausende andere sterben", sagt einer, dessen Lebensuhr ordentlich im Plus ist, und der sich deshalb aus Schuldgefühl in den Tod stürzt.

Wie man diese Parabel auch betrachten mag, so ganz bis ins Letzte Detail wasserdicht durchdacht ist Niccols Zukunftsvision nicht. Zudem reißt er die aufgeworfenen gesellschaftskritischen Fragen allenfalls an, aber denkt sie nicht tiefer gehend weiter. Doch die Ausgangsidee ist komplex und auch spannend genug, um sich mit diesem Denkspiel zwei Kinostunden lang gewinnbringend auseinanderzusetzen.

Der Illusion eines zumindest theoretisch unendlichen Lebens gibt man sich als Zuschauer gerne hin. Dass der revoltierende Arbeiterjunge Will Salas und die schnöselige Upper-Class-Diva Sylvia tatsächlich miteinander etwas anzufangen wissen, erscheint dann aber doch als allzu versponnene Leinwandfantasie.

"In Time – Deine Zeit läuft ab", Science-Fiction-Thriller, USA 2011, 109 Minuten, FSK: 12, Verleih: Fox Deutschland, Regie: Andrew Niccol, Darsteller: Justin Timberlake, Amanda Seyfried, Olivia Wilde u.a.

Kinostart: 1. Dezember 2011

(dapd)

 

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