Menschen & Meinungen – Wer erschoss Martin Luther King? – Wolfgang Künzel
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Wer erschoss Martin Luther King?

Wolfgang Künzel

02.04.2008

Frankfurt/Main – Wer hat Martin Luther King erschossen? Diese Frage ist auch 40 Jahre nach dem Attentat auf den schwarzen US-Bürgerrechtler und Friedensnobelpreisträger nicht vollständig beantwortet. Vieles spricht dafür, dass King am 4. April 1968 in Memphis/Tennessee entgegen der offiziellen Version einer Verschwörung zum Opfer fiel.

Der Baptistenpfarrer war die Symbolfigur des gewaltlosen Widerstands gegen die Rassentrennung in den USA. Mit seinem gewaltsamen Tod setzte sich für die Amerikaner ein Trauma fort, das viereinhalb Jahre zuvor mit dem Attentat auf Präsident John F. Kennedy begonnen hatte und nur zwei Monate später mit der Ermordung des Präsidentenbruders Robert Kennedy weitergehen sollte. Alle drei standen für die Hoffnung auf ein besseres Amerika.

Kings Weggefährte und Nachfolger an der Spitze der Bürgerrechtsbewegung SCLC, Ralph Abernathy, sprach damals von einer der dunkelsten Stunden in der Geschichte der Schwarzen in den USA. Nach dem Mordanschlag kam es vor allem in den Ghettos der großen Städte zu den schwersten Rassenunruhen, die das Land je erlebt hat. Es gab Tote und Verletzte.

Tote bei Rassenunruhen nach Attentat

Der 39-jährige King wurde an jenem 4. April in Memphis auf dem Balkon des Lorraine-Motels von der Gewehrkugel des Attentäters niedergestreckt. Der Todesschütze feuerte von einer gegenüberliegenden Pension aus. Als mutmaßlicher Mörder wurde zwei Monate später auf dem Londoner Flughafen Heathrow der im April 1967 aus einem Gefängnis in Missouri geflohene James Earl Ray festgenommen. Er gestand zunächst, auf King geschossen zu haben. Nach der Verurteilung zu 99 Jahren Haft widerrief Ray sein Geständnis und bemühte sich bis zu seinem Tod 1998 vergeblich um ein Wiederaufnahmeverfahren.

Die Hintergründe des Attentats liegen bis heute im Dunkeln. An der offiziellen Version einer Alleintäterschaft Rays gab es aber von Anfang Zweifel. Seine aufwendige Flucht nach dem Mord über Kanada und Portugal nach Großbritannien verstärkten den Eindruck, dass er Hintermänner hatte. Ein Kongressausschuss äußerte Ende der 70er Jahre die Ansicht, dass King Opfer einer Verschwörung wurde.

Eine Jury kam 1999 in einem Zivilprozess in Memphis zu demselben Schluss. Der Prozess war von Kings Familie angestrengt worden, nachdem ein ehemaliger Geschäftsmann in einer Fernsehsendung erklärte, er habe im Auftrag der Mafia den Mörder Kings gedungen, es sei aber nicht Ray gewesen. An der Vertuschungsaktion nach dem Mord seien unter anderem die Bundespolizei FBI, der Geheimdienst CIA sowie Beamte auf Staats- und Kommunalebene beteiligt gewesen, sagte der Anwalt der Familie King, William Pepper, in dem Verfahren. King sei ermordet worden, weil er gegen den Vietnamkrieg gewesen sei und 1968 einen großen Marsch nach Washington gegen die Armut geplant habe.

„Ich habe einen Traum“

Tatsächlich zog sich King mit seinem Eintreten gegen den Vietnamkrieg den Unmut des damaligen Präsidenten Lyndon Johnson zu. Nach den Erfolgen im Kampf gegen die Rassentrennung stellte er Mitte der 60er Jahre außerdem zunehmend die Frage nach der sozialen Gerechtigkeit. Dabei rückte verstärkt das wirtschaftliche Elend der Schwarzen in den Städten in den Mittelpunkt von Kings Engagement. In Memphis hielt er sich damals zur Unterstützung eines Streiks der schwarzen Müllarbeiter auf.

King, der 1964 den Friedensnobelpreis erhielt, war mehr als ein Jahrzehnt lang der Wortführer des gewaltlosen Kampfes für die Gleichberechtigung der Schwarzen in den Vereinigten Staaten. In seiner wohl berühmtesten Rede beschwor er im August 1963 vor dem Lincoln-Denkmal in Washington unter dem Motto „Ich habe einen Traum“ seine Vision von einem Amerika, in dem Schwarze und Weiße gleichberechtigt miteinander leben. (AP)

 

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