China News - Politik – Wer ist wer im chinesischen Politskandal? – DAPD
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Kurzporträts Wer ist wer im chinesischen Politskandal?

DAPD

19.08.2012

Peking – Der Skandal um den chinesischen Politiker Bo Xilai, dessen Frau der Mord an einem Briten zur Last gelegt wird, trifft die Kommunistische Partei Chinas zur Unzeit. Just vor dem mit Spannung erwarteten Generationswechsel an der Parteispitze auf einem Parteitag im Herbst legt die Affäre Spannungen offen. Am (morgigen) Montag wird der Urteilsspruch gegen Bos Frau Gu Kailai erwartet. Dies sind die wichtigsten Akteure in dem Skandal und im Mordprozess:

- Bo Xilai: Der Parteisekretär der Millionenstadt Chongqing war einer der bekanntesten Politiker Chinas. Der frühere Handelsminister und Sohn eines der Mitbegründer der Volksrepublik zählte zu den 25 Mitgliedern des Politbüros und galt vor dem Skandal als Kandidat für das höchste Leitungsgremium, den neun Mitglieder zählenden Ständigen Ausschuss des Politbüros. An Bos schillernder Persönlichkeit schieden sich in der Führungsschicht die Geister. Auch das Vermögen der Familie und die Mätzchen seines Sohnes waren von Gerüchten umwabert. Ein parteiinterner Disziplinarausschuss ermittelt gegen den 63-Jährigen wegen nicht näher bezeichneten Fehlverhaltens.

- Gu Kailai: Bos Frau hat den staatlichen chinesischen Medien zufolge den Mord an dem britischen Geschäftsmann Neil Heywood gestanden. Vorangegangen sein soll ein Streit um Geld und ihre Sorge, dass er ihrem Sohn gefährlich werden könne. Die 53-Jährige ist wie Bo das Kind eines prominenten chinesischen Politikers und soll in unruhigen Zeiten eine schwere Kindheit durchlebt haben, bevor sie eine bekannte Anwältin und die Ehefrau des aufstrebenden Politikers wurde. Sie pflegte sich charmant zu geben, wurde aber schnell schroff, wenn etwas nicht in ihrem Sinne lief.

- Bo Guagua: Der 24 Jahre alte Sohn der beiden studierte in England und den USA, zuletzt an der Harvard University. Auf Partyfotos im Internet ist er ohne Hemd zu sehen. Als Student in Oxford nahm er an gesellschaftlichen Veranstaltungen teil, um, wie er sagte, seinen Horizont zu erweitern. Vorwürfe, dass er eine Vorzugsbehandlung genossen habe, ein schlechter Student gewesen sei und einen teuren Sportwagen gefahren habe, wies er zurück. Es wird angenommen, dass er seit Auffliegen des Skandals nicht nach China zurückgekehrt ist. Wo er sich zur Zeit aufhält, ist nicht bekannt.

- Wang Lijun: Der Polizeichef von Chongquing wurde im Februar abgesetzt und verbrachte, offenbar um sein Leben fürchtend, eine Nacht im US-Konsulat in der nahen Stadt Chengdu. Er widersetzte sich Bos Forderung, nach Chongquing zurückzukehren, und wurde stattdessen von Ermittlern des Staatssicherheitsministeriums in Peking in Gewahrsam genommen. Bei seinem Aufenthalt im Konsulat soll Wang angegeben haben, dass Gu hinter dem Tod Heywoods stecke. Großbritannien forderte China daraufhin auf, den Fall neu aufzurollen. Nach Angaben von Prozessteilnehmern hieß es vor Gericht überraschenderweise, dass Gu Wang von ihrem Vorhaben unterrichtet und er zeitweilig ebenfalls an der Planung des Mordes mitgewirkt habe.

- Neil Heywood: Der britische Unternehmensberater war ein Freund der Familie Bo. Seine Leiche wurde vergangenen November in einem abgeschiedenen Hotel in Chongquing gefunden. Die chinesischen Behörden führten seinen Tod zunächst auf übermäßigen Alkoholkonsum oder einen Herzanfall zurück, und sein Leichnam wurde ohne Autopsie eingeäschert. Später hieß es offiziell, er habe seit langem geschäftliche Beziehungen zu Gu und ihrem Sohn Guagua unterhalten, die sich aber im Streit um Geld verschlechtert hätten. Bo soll versucht haben, polizeiliche Ermittlungen zu unterbinden, als Wang mit seinem Verdacht zu ihm kam.

- Zhang Xiaojun: Die staatlichen chinesischen Medien bezeichneten Zhang als Mitarbeiter der Familie Bo und früheren städtischen Angestellten von Chongquing. Er soll Gu Beihilfe zum Mord an Heywood geleistet haben: Auf ihre Anweisung hin begleitete er den Briten angeblich von Peking nach Chongqing und brachte das Gift mit, das Gu ihm verabreicht haben soll.

- Patrick Devillers: Der französische Architekt wurde in Zusammenhang mit dem Skandal in Kambodscha festgenommen, aber nicht ausgeliefert. Stattdessen flog er von sich aus nach China, offenbar um in dem Fall auszusagen. Devillers hatte Bo beim Wiederaufbau der Stadt Dalian geholfen, als der dort in den 90er Jahren Bürgermeister war, wie die "New York Times" im April berichtete. Der britische Geschäftsmann Peter Giles Hall, der mit Gu zu tun hatte, gibt an, Devillers und Gu hätten anscheinend eine Liebelei gehabt. Er habe sie händchenhaltend gesehen.

(dapd)

 

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