Sport News - Aktuelle Sport Nachrichten – Werden Sie sich die Olympischen Spiele anschauen? – Maria Zheng und Alexander Hamrle
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Aktuelle Nachrichten – Sport

Umfrage Werden Sie sich die Olympischen Spiele anschauen?

Maria Zheng und Alexander Hamrle

05.08.2008

Darstellung der Foltermethoden chinesischer Beamter. (Alexander Hamrle/ETD)
Darstellung der Foltermethoden chinesischer Beamter. (Alexander Hamrle/ETD)
Viele Menschen haben eine kritische Einstellung zu den Olympischen Spielen und ziehen in Erwägung, sich die TV-Übertragungen nicht anzuschauen.

Es werden die wohl umstrittensten Olympischen Spiele in der Geschichte sein, die am Ende dieser Woche in China beginnen werden. Denn nicht nur, dass viele Politiker der Eröffnungsfeier am 8. August fernbleiben wollen, viele Deutsche möchten sich die Spiele auch nicht im Fernsehen anschauen. Das war Konsens unter vielen Zuschauern einer Kundgebung zur Menschenrechtssituation in China, die am Samstag in Stuttgart stattfand.

Zusammen mit der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) hatte der deutsche Falun Dafa Verein die Kundgebung am Schlossplatz organisiert. Man wolle damit erreichen, „dass die Menschen vor den Olympischen Spielen die Menschenrechte nicht vergessen“, so der Vorsitzende des deutschen Falun Dafa Vereins, Manyan Ng. Seit Beginn des Jahres 2008 habe das kommunistische Regime in Peking die Verfolgung von Falun Gong verschärft. Laut Falun Gong wurden in diesem Zeitraum mindestens 8.037 Praktizierende festgenommen. Nach den muslimischen Uiguren, die von dem chinesischen Regime pauschal als Terroristen abgestempelt werden, wird Falun Gong von Peking als zweit gefährlichste Gruppe in der Zeit der Olympischen Spiele eingestuft. Die Glaubensgemeinschaft wird seit 1999 in China verfolgt. Bisher gibt es jedoch keinerlei Vorfälle weltweit, die ein Verbot rechtfertigen könnten.

„Steter Tropfen höhlt den Stein“, beschreibt das Vorstandsmitglied der IGFM und Leiter des Arbeitskreises China, Hubert Körper, die Wirkung der Ausstellung „Games of Shame“, die zusammen mit der Falun Dafa Kundgebung gezeigt wurde. Die Olympischen Spiele würden zwar von sportlicher Seite zum Erfolg, von Seiten der Menschenrechte aber zum Desaster, da die Freiheit vor und nach den Spielen noch stärker eingeschränkt sei als bisher. Mit „Games of Shame“ wolle die IGFM Bilder von der Verfolgung der derzeit in China bedrängten Gruppen wie Falun Gong, der Tibeter und der Uiguren zeigen.

„Ich werde mir die Spiele nicht ansehen“

Bei vielen Zuschauern der Kundgebung stehen die Olympischen Spiele momentan nicht hoch im Kurs: „Ich werde mir die Spiele nicht ansehen, denn das würde bedeuten, die Propaganda des kommunistischen Regimes in Peking zu unterstützen“, sagt Birgit Grauer, Lehrerin der bildenden Kunst. Durch die Spiele werde sich in China bei den Menschenrechten sowieso nichts ändern. Sie schätze zwar das Land und die dortige Kultur, aber das Regime in Peking möchte sie nicht tolerieren.

Unfassbares Leid: Organraub an Falun Gong-Praktizierenden. (Szene nachgestellt) (Alexander Hamrle/ETD)
Unfassbares Leid: Organraub an Falun Gong-Praktizierenden. (Szene nachgestellt) (Alexander Hamrle/ETD)

„Ich bin dafür, die Spiele in China abzusagen“ meint Keith Chiwors, gebürtiger Engländer, der seit 25 Jahren in Deutschland lebt. Wenn niemand nach China ginge, um sich die Spiele anzusehen, wäre dieser Gesichtsverlust für das chinesische Regime am schlimmsten. Auch die Präsenz westlicher Politiker bei den Olympischen Spielen hält er für nicht gut:

„Sie repräsentieren die anderen Völker, dabei repräsentieren sie nicht die Meinung aller Bürger, zu denen auch ich gehöre. Sie vertreten ihre eigene Meinung und es geht ihnen eher um Macht und Einfluss in China und das ist für den Großteil der Menschen nicht gut.“

Die Olympischen Spiele stünden zwar für Frieden, Freiheit und Menschenwürde, doch die anhaltenden Menschenrechtsverletzungen in China würden dem olympischen Gedanken zuwider laufen, sagt Richard Freier. Er finde es deshalb wichtig, sich die Spiele nicht anzuschauen, so der indonesischstämmige Deutsche mit chinesischer Mutter.

„Sport macht Spaß, aber nur in Freiheit“, sagt Florian Brand. Er und seine Kollegen seien gegen die Kommunistische Partei Chinas, so das 30-jährige Mitglied des Polizeisportvereins Stuttgart. Auch er möchte sich nicht die Olympischen Spiele im Fernsehen anschauen.

Den Bahnbeamten Wittek aus Dresden, der schon viele Jahre in Stuttgart lebt, fragten wir:

Haben Sie schon von den Menschenrechtsverletzungen in China gehört, wie dem Organraub an Falun Gong-Praktizierenden?

Bahnbeamter Wittek (Alexander Hamrle/ETD)
Bahnbeamter Wittek (Alexander Hamrle/ETD)

„Man kann es gar nicht fassen, dass es so etwas gibt. Dazu finde ich einfach keine Worte. Wenn hier nicht darauf hingewiesen würde, würde man gar nichts davon erfahren. Das ist ein absolutes Unrecht.“

Was sagen Sie dazu, dass in fünf Tagen in China die Olympischen Spiele anfangen?

„Die dürften in China gar nicht stattfinden. Wenn ein Land so mit Menschen umgeht, darf es die Spiele nicht bekommen. Die Olympischen Spiele stehen für Freiheit und Freundschaft und Fairness. Dass die Spiele jetzt in China stattfinden, kann ich einfach nicht begreifen.“

Wie beurteilen Sie, dass viele Oberhäupter der verschiedenen Länder zur Eröffnungsfeier nach China fahren?

„Davon halte ich nichts. Es gibt doch sehr viele Beweise, die die Menschenrechtsverletzungen in China belegen. Diejenigen, die so etwas unterstützen, können meiner Meinung nach kein Gewissen mehr haben.“

Wittek, der schon viele Jahre in Stuttgart lebt, ist selbst in der DDR aufgewachsen und kennt daher gut das Leben in einem Überwachungsstaat.

„Das ist doch keine Freiheit, wenn man im eigenen Land nicht frei reisen kann. Ich habe früher die Diktatur am eigenen Leib erfahren. Wir wurden festgenommen, wenn wir uns zu dicht an der Grenze aufhielten. Dann haben sie uns aufgegriffen und verhört. Anschließend wurden wir mit dem Zug zurückgeschickt. Am liebsten hätten sie mich eingesperrt, aber sie konnten mir nichts nachweisen und mussten mich gehen lassen. Meine Akte hatten sie schon durchgeschaut, ob sie mir etwas anhängen konnten. Aber was in China geschieht, ist nochmal schlimmer.“

Manfred Rolzer. (Alexander Hamrle/ETD)
Manfred Rolzer. (Alexander Hamrle/ETD)

Manfred Rolzer, Bäcker im Ruhestand fragten wir:

Was sagen Sie zu den Menschenrechtsverletzungen in China?

„Davon habe ich schon gehört, aber das Ausmaß war mir nicht bewusst.“

Werden Sie sich die Olympischen Spiele anschauen?

„Wenn ich das hier so höre, dann schaue ich mir sicher nicht die Olympischen Spiele an. Die Sportler sollten am besten auch nicht mitmachen.“

Die chinesische Regierung hat versprochen, dass sie die Menschenrechtslage verbessern würde, wenn sie die Olympischen Spiele bekommt. Bis jetzt hat sich die Lage nicht verbessert, im Gegenteil sie hat sich verschlechtert, sagen Menschenrechtsorganisationen und das IOC schweigt sich aus ...

„Es wundert mich nicht, dass das IOC jetzt schweigt. Sie interessieren sich vermutlich mehr für das Geld, das jetzt hereinkommt, sollten aber eigentlich jetzt stärker gegen China vorgehen.“

Jessica Martin mit ihrer Freundin Anja Zuschlag. (Alexander Hamrle/ETD)
Jessica Martin mit ihrer Freundin Anja Zuschlag. (Alexander Hamrle/ETD)

Jessica Martin, 23, Industriekauffrau mit ihrer Freundin Anja Zuschlag:

„Ich bin schockiert, ich sehe das hier zum ersten Mal. Verbrechen, wie Folter, Arbeitslager und Organraub sind gegen die menschliche Natur. Solche Dinge gehören in keine Gemeinschaft. Wenn ich mir diese Menschenrechtsverletzungen hier vor Augen halte, werde ich mir dir Olympischen Spiele garantiert nicht anschauen.“

Die 40jährige Ungarin Edina Korbay, Zahntechnikerin in einem Dentallabor wurde gefragt:

Haben Sie schon mal von dem Organraub, der aktuell in China stattfindet, gehört?

„Nein, aber ich glaube, dass es so etwas in China gibt.“

Wie finden Sie es, dass in fünf Tagen die Olympischen Spiele beginnen?

„Schrecklich. Alle Teilnehmer der Wettkämpfe müssten von den Spielen zurücktreten, aber da steckt natürlich jahrelange harte Arbeit dahinter.“

Edina Korbay aus Ungarn mit ihrer Tochter. (Alexander Hamrle/ETD)
Edina Korbay aus Ungarn mit ihrer Tochter. (Alexander Hamrle/ETD)

Werden Sie sich die Spiele ansehen?

„Jetzt im Moment würde ich dazu „nein“ sagen. Aber wenn die Spiele anfangen, dann haben sich meine Emotionen wieder beruhigt. Dann schaltet man vielleicht doch mal an und schaut sich das an.“

Fänden Sie es richtig, wenn man die Übertragung einstellt?

„Ja, dann kann man sie nicht gucken. Ich bin auch in einem kommunistischen Land groß geworden. Ich weiß, dass es ganz schwierig ist, sich gegen das Regime zu wehren. Die Kinder und jungen Menschen werden schon von klein auf verängstigt. Das kann man nur durchbrechen, wenn die jungen Menschen ins Ausland reisen, damit sie diese Angst verlieren. Ich glaube, damit könnte man gute Ergebnisse erreichen. Ich habe 22 Jahre in Ungarn gelebt und habe selbst nicht so viel von dem Druck mitbekommen, aber mein Vater hatte Angst.“

Der Übergang in Ungarn vom Kommunismus zur Demokratie verlief ganz schnell und friedlich, können Sie sich das in China auch vorstellen?

„Ja, ich denke ja.“

In China gibt es die Tendenz, dass immer mehr Menschen aus der kommunistischen Partei austreten. Was sagen Sie dazu?

„Ich finde das gut. Ich musste selbst auch in die Partei eintreten, damit ich zum Studium zugelassen wurde. Später, als herauskam, dass ich einen Mann aus dem Westen kennen gelernt hatte und vorhatte in den Westen zu heiraten, musste ich jedoch mein Studium abbrechen. Ich durfte es nicht mehr weiterführen.“

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