Düsseldorf – Die WestLB steht am Scheideweg. Bis zum kommenden Dienstag müssen die Eigentümer des angeschlagenen Geldinstituts der EU-Kommission ein Sanierungskonzept für die Bank präsentieren. Doch welche Auswege gibt es für die Bank überhaupt noch?
Lange Zeit galt eine Fusion der WestLB mit anderen Landesbanken in der nordrhein-westfälischen Landesregierung als Königsweg zur Rettung der kriselnden Düsseldorfer Bank. Nachgedacht wurde über eine Zweckehe mit der Landesbank Baden-Württemberg. Verhandelt wurde über eine Fusion mit der BayernLB. Und zwischenzeitlich waren auch Verschmelzungen mit der Landesbank Berlin, dem Sparkassenfondsdienstleister Deka oder der Helaba im Gespräch. Doch aus alldem wurde nichts. Derzeit scheint keine der Landesbanken gewillt, sich mit dem krisengeschüttelten Düsseldorfer Institut einzulassen.
Zumindest etwas besser stehen die Aussichten derzeit, was die Möglichkeit eines Komplettverkaufs der WestLB angeht. Vier Bieter haben bislang bei dem Verkaufsbeauftragten für die WestLB, Friedrich Merz, unverbindliche Angebote für die WestLB eingereicht. Sie haben bis zum morgigen Freitag 12.00 Uhr Zeit, diese Angebote zu konkretisieren. Um wen es sich bei den Bietern handelt, ist Geheimsache. Doch ist zu hören, dass sie ihre jeweiligen Konzepte schon in getrennten Treffen bei der EU-Kommission vorgestellt haben. Es habe positive Reaktionen der EU gegeben. Einen Pferdefuß hat die Sache allerdings: Bislang sind alle Angebote unverbindlich. Die Bieter können jederzeit davon zurücktreten, und daran wird sich auch bei der Konkretisierung der Konzepte erst einmal nichts ändern.
Immer breiteren Raum nimmt deshalb in den Überlegungen der Verantwortlichen auch die Möglichkeit einer Zerschlagung der WestLB ein. Dabei würde die WestLB zu einer reinen Verbundbank für die Sparkassen schrumpfen und sich künftig auf das Firmenkundengeschäft sowie die Funktion als Zentralbank der nordrhein-westfälischen Sparkassen konzentrieren. Das internationale Geschäft und die Projektfinanzierung der WestLB würden verkauft. Der verbleibende Rest könnte in die bereits bestehende "Bad Bank" verschoben werden, in die die WestLB bereits toxische Wertpapiere und andere nichtstrategische Aktivitäten im Volumen von über 77 Milliarden Euro ausgelagert hat. Allerdings gibt es auch hier noch Probleme: Denn weder über die künftige Eigentümerstruktur einer Verbundbank noch die Aufteilung der mit dieser Lösung verbundenen Milliardenkosten gibt es bisher eine Einigung.
Das schlimmste Schreckensszenario für die Beschäftigten der WestLB wäre die Abwicklung des Geldinstitutes. Denn damit bliebe am Ende praktisch nichts von der einst mächtigen Düsseldorfer Bank und von den Arbeitsplätzen dort übrig. Medienberichten zufolge plädierte eine von der Bundesregierung eingesetzte Expertenkommission dennoch dafür, diesen Schritt ernsthaft zu prüfen. Denn die WestLB erbringe "keine volkswirtschaftlich unentbehrliche Leistung".
(dapd)
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