Aktuelle Nachrichten – Sport
20.11.2009
Foto: AP Photo/Martin Meissner
Bochum – Die Fußball-Welt wird von einem Wettskandal ungeahndeten Ausmaßes erschüttert. Nach Angaben der Ermittler stehen europaweit rund 200 Partien unter Manipulationsverdacht. In Deutschland gibt es mit 32 Spielen von der Zweiten Bundesliga abwärts die meisten Verdachtsfälle, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitag in Bochum mitteilten. DFB und Ligaverband kündigte eine konsequente Ahndung an und sagten ihre Hilfe bei der Aufklärung zu.
Insgesamt 17 Haftbefehle wurden vollstreckt, davon 2 in der Schweiz und 15 in Deutschland. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Täter ihre Aktivitäten vom Ruhrgebiet aus gesteuert haben. Der Schaden wird derzeit auf etwa zehn Millionen Euro beziffert. „Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs“, sagte Polizeidirektor Friedhelm Althans.
Der Skandal hat ein weit größeres Ausmaß als die Manipulationsaffäre um den Referee Hoyzer und die Brüder Sapina, die vor knapp fünf Jahren den deutschen Fußball erschütterte. Unter den jetzt Festgenommenen sollen übereinstimmenden Medienberichten zufolge erneut die Brüder Ante und Milan Sapina sein, die wegen ihrer Beteiligung am Hoyzer-Skandal verurteilt worden waren.
Der UEFA-Experte für die Bekämpfung von Spielmanipulationen, Peter Limacher, erklärte in Bochum, er sei „zutiefst betroffen von dem Ausmaß der Spielmanipulationen durch diese internationale Bande“. Für ihn persönlich handele es sich zweifelsohne um den größten Skandal, den es je im europäischen Fußball gegeben habe.
Bei den Partien, die die Ermittler in Deutschland ins Visier genommen haben, handelt es sich nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft um 4 Spiele der zweiten Bundesliga, 3 Spiele der dritten Liga, 18 Partien in der Regionalliga, sowie 5 Oberliga- und 2 U19-Spiele. Über Manipulationen in der ersten Bundesliga ist derzeit nichts bekannt.
Auch soll es bei 3 Champions-League-Spielen sowie 12 Spielen der neuen UEFA Europa League Unregelmäßigkeiten gegeben haben, ebenso bei einem Länderspiel zur Qualifikation für die U21-Europameisterschaft.
Betroffen sind außerdem die Länder Belgien, Bosnien, Schweiz, Kroatien, Slowenien, der Türkei, Ungarn und Österreich. In diesen Ländern soll es teilweise auch in den ersten Ligen Manipulationen gegeben haben. Alle Fälle haben sich nach Aussage der Ermittler im Jahr 2009 ereignet.
Es gebe derzeit 200 Tatverdächtige. 50 Objekte in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Großbritannien seien durchsucht worden. Die Mitglieder der international agierenden Bande sollen Spieler, Trainer, Schiedsrichter und Offizielle bestochen haben, um den Ausgang von Spielen zu manipulieren. Der Hauptvorwurf lautet auf gewerbsmäßigen Bandenbetrug.
Zu Identität dieser Personen machten die Ermittler ebenso wie die UEFA keine Angaben. Auch über die verwickelten Vereine wurde mit Rücksicht auf die Ermittlungen nichts gesagt. Medienberichten zufolge gibt es jedoch Verdachtsmomente im Zusammenhang mit Partien der deutschen Vereine VfL Osnabrück und SSV Ulm 1846.
Führende Fußballfunktionäre kündigten ein rigoroses Durchgreifen im Wettskandal an. Sollten Trainer, Schiedsrichter oder Spieler der Manipulation überführt werden, werde man mit Konsequenz „alle Mittel der Sportgerichtsbarkeit ausschöpfen“, erklärte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Theo Zwanziger am Freitag. Liga-Präsident Reinhard Rauball sagte: „Wir können nicht dulden, dass auch nur ein einziges Spiel manipuliert ist.“
Nach Angaben von Erwin Horak, dem Verantwortlichen im Deutschen Lotto- und Totoblock für die staatliche Sportwette Oddset gibt es „keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass Oddset von den aktuellen Manipulationsfällen betroffen ist“. (AP)
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