Chengdu – Die Bewohner im chinesischen Katastrophengebiet kommen nicht zur Ruhe: Ein heftiges Nachbeben erschütterte am Sonntag die Region und zerstörte abermals zehntausende Häuser. Ein Mensch kam ums Leben, weitere 400 wurden verletzt, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Der Erdstoß hatte nach Angaben der US-Erdbebenwarte die Stärke 5,8 und war bis in die Hauptstadt Peking zu spüren, wo Gebäude ins Wanken gerieten.
Etwa 71.000 Häuser, die das erste Erdbeben vor zwei Wochen überstanden, fielen in sich zusammen, weitere 200.000 waren einsturzgefährdet. Und ein Ende der Katastrophen war nicht abzusehen: In der Region wurden heftige Regenfälle erwartet, Dutzende Dämme drohten zu bersten. Es kam zu zahlreichen Erdrutschen. Soldaten im Bezirk Beichuan waren mit Sprengstoff auf dem Weg in die Berge, wo ein Erdrutsch einen Fluss gefährlich aufgestaut hatte. Insgesamt entstanden 35 neue Seen, die 700.000 Menschen gefährdeten, wie die Behörden in Peking mitteilten.
Die Regierung befürchtet, dass das verheerende Beben vom 12. Mai der Stärke 7,9 insgesamt 80.000 Menschen oder mehr das Leben gekostet hat. Bis Sonntag wurden 62.664 Tote geborgen, knapp 24.000 Menschen werden noch vermisst.
Dennoch gab es Hoffnungsschimmer: Gut elf Tage nach dem ersten Erdstoß wurde ein Überlebender aus den Trümmern seines Hauses gerettet. Der 80-Jährige habe überlebt, weil seine Frau ihn mit Nahrungsmitteln versorgen konnte, berichtete das staatliche Fernsehen. Der Mann wurde am Freitag von Rettungskräften in Mianzhu nördlich der Provinzhauptstadt Chengdu geborgen.
Die Regierung konzentriert sich mittlerweile auf den Wiederaufbau. Bisher sei es um die Rettung von Menschen gegangen, sagte Ministerpräsident Wen Jiabao bei einem Besuch der Region mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon am Samstag. Dieser Fokus habe sich jedoch verschoben. „Jetzt besteht unsere Priorität darin, die Betroffenen umzusiedeln und Pläne für den Wiederaufbau nach dem Beben zu machen.“
Mehr als 15 Millionen Häuser wurden Wen zufolge zerstört. Die Regierung habe mit dem Bau von Notunterkünften und Schulen begonnen. 10.000 Sanitäter seien im Erdbebengebiet unterwegs, um den Ausbruch von Infektionskrankheiten zu verhindern. Ban sicherte Peking Hilfe der Vereinten Nationen beim Wiederaufbau zu: „Wenn wir hart arbeiten, können wir das überwinden.“
Trotz der Naturkatastrophe im eigenen Land stellt China zehn Millionen Dollar (6,35 Millionen Euro) für die Zyklon-Opfer in Birma zur Verfügung. Das kündigte Wen am Samstag an, einen Tag vor einer internationalen Geberkonferenz in Rangun. Der Zyklon „Nargis“ riss Anfang Mai in Birma mindestens 78.000 Menschen in den Tod, weitere 56.000 gelten als vermisst.
In der Provinzhauptstadt von Sichuan, Chengdu, trafen am Sonntag acht russische Militärmaschinen mit Hilfsgütern ein. An Bord waren nach Angaben der Nachrichtenagentur ITAR-Tass Zelte, Medikamente und Lebensmittel. Weitere Flüge wurden am Montag erwartet. Auch aus Sri Lanka traf laut Xinhua Unterstützung ein.
Nach Angaben des Umweltministeriums werden in der Erdbebenregion noch 15 radioaktive Strahlungsquellen gesucht, die bei dem Beben verschüttet wurden. Radioaktivität sei nicht freigesetzt worden, hieß es. Insgesamt seien rund 50 mögliche Strahlungsquellen verschüttet worden, von denen aber 35 sichergestellt worden seien, erklärte der stellvertretende Umweltminister Wu Xiaoqing. (AP)
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