Aktuelle Nachrichten – Städtereisen & Kulturreisen
02.06.2012
Foto: Bernd Kregel
Licht ins Dunkel der Künstlerpersönlichkeit
Erstaunlich nur, wie wenige Informationen Klimt, der sich doch bis ins kleinste Detail mit seinen Modellen auseinandersetzte, von sich selbst in seinem Werk preisgibt. Sicherlich eine Folge der zahlreichen Anfeindungen, die er über sich ergehen lassen musste. Doch wer war er wirklich? Und ist es wahr, was man hinter vorgehaltener Hand über ihm erzählt? In seiner aktuellen Ausstellung „Klimt persönlich. Bilder – Briefe – Einblicke“ versucht das Leopold Museum im Museums Quartier Licht in das Privatleben der Künstlerpersönlichkeit zu bringen.
Dabei spielen die zu Hunderten erhaltenen Ansichtskarten und Briefe an seine Lebensgefährtin Emilie Flöge eine wichtige Rolle, die Klimt während seiner Reisen ins Ausland oder an den heimischen Attersee verfasste. Erstmals fällt damit ein umfassender Blick auf die private Seite des Künstlers und räumt gründlich auf mit mancherlei Klischees und Mythen, die ihm trotz aller Wertschätzung bis in die Gegenwart hinein anhaften. Darüber hinaus gibt die Ausstellung mit zahlreichen Fotos sowie zwanzig für den Künstler charakteristischen Originalzitaten einen Einblick in Klimts eigenes Kunstverständnis. Eine wahre Fundgrube, in der sich der interessierte Besucher für Stunden verlieren kann.
Schlüsselwerke des Jugendstils
Wie jedoch der heute als Genie gefeierte Künstler zu seinem eigenen Stil fand, verdeutlicht eine weitere Station auf dem Wiener Klimt-Spaziergang. Es ist das riesige Kunsthistorische Museum am Maria-Theresia-Platz, mit dem sich die Kunst beflissenen Habsburger eine repräsentative Bleibe für den größten Teil der von ihnen über die Jahrhunderte gesammelten Kunstschätze schufen. Aber noch bestand unbemalter Freiraum im oberen Teil des Treppenhauses zwischen Säulenkapitellen und Rundbögen. So erging – nach Fertigstellung der Deckenbilder im Burgtheater – der Auftrag an Gustav Klimt und zwei seiner Künstlerkollegen, die vorhandenen Lücken mit Gemälden zur Geschichte der Kunst zu füllen.
Dabei gelangen Klimt, wie jeder Besucher gegenwärtig von einem Gerüst aus auf Augenhöhe bewundern kann, nicht nur dreizehn Meisterwerke wie zum Beispiel das „Mädchen aus Tanagra“. Sie verdeutlichen zugleich, unterstützt durch die parallel ausgestellten Entwürfe, wie Klimt mit diesen Schlüsselwerken seinen persönlichen Zugang fand zum Symbolismus des Jugendstils, der sein weiteres Schaffen um und nach 1900 prägte.
Kunstszene in Wien
Und Wien wäre nicht Wien, wenn es nicht um das Klimt-Jubiläum eine Fülle weiterer Attraktionen zu bieten hätte: auf den Bühnen der Stadt wie der Staatsoper, dem Ronacher und der Volksoper. Oder in den vielen anderen Museen wie dem Naturhistorischen Museum, dem Dritte Mann Museum sowie dem Museum für Volkskunde, in dem sich auch die Textilmustersammlung der Modeschöpferin Emilie Flöge befindet, die wir als Geliebte Gustav Klimts an anderer Stelle bereits kennengelernt haben.
Selbst einige Hotels der Wiener Szene legen Zeugnis ab von der allgegenwärtigen Kunstbegeisterung der Stadt. Allen voran „Das Tyrol“ an der Mariahilfer Straße, in dessen über das ganze Haus verteilter Kollektion sich der Genius Loci des angrenzenden Museums Quartiers deutlich wiederfindet und den Gast bereits bei Tagesbeginn für die zu erwartenden täglichen Entdeckungen in der Kunstmetropole an der schönen blauen Donau sensibilisiert. Glückliches Österreich!
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