Aktuelle Nachrichten – Umwelt
01.09.2009
Frankfurt/Main – Wo die scheue Wildkatze lebt, ist die Natur in Ordnung. Deswegen hilft der Schutz dieser Tiere auch anderen wie Fledermäusen oder Dachsen, wie der Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen, Burkhard Vogel, am Montag in Frankfurt am Main erläuterte. Umweltschützer stellten hier einen deutschlandweiten Aktionsplan für den Schutz von Wildkatzen vor. Dieser sieht unter anderem die Einrichtung von Schleichpfaden für Katzen quer durch Deutschland vor.
Die Tiere seien derzeit in Waldgebieten wie auf Inseln eingeschlossen, erklärte Eckhard Jedicke von Rhön Natur. Verbindungswege vergrößerten ihren Lebensraum. Zugleich sollten bestehende Lebensräume stärker geschützt und eine Vermischung von Wild- und Hauskatzen verhindert werden. Länderübergreifende Schutzmaßnahmen seien gerade für großräumig agierende Arten wie die Wildkatze wichtig, betonte Jedicke.
Per Computer-Simulation arbeiteten die Naturschützer die kürzesten und günstigsten Schleichpfade aus – laut Vogel immerhin 20.000 Kilometer deutschlandweit. Hilfe bei diesem Großprojekt sei dabei von unerwarteter Seite gekommen: Im Rahmen des Konkunkturpakets II habe die Bundesregierung Geld für Unterführungen oder Überbrückungen von Bundesstraßen zur Verfügung gestellt. Der BUND plane nun zwei Übergänge an der Autobahn 7 und einen an der A4. Unterführungen nutzen nach seinen Angaben selbst fliegende Waldtiere wie die scheue Fledermaus.
Wegen vieler Schnellstraßen, großen Agrarflächen, Nutzwäldern und nur relativ kleinen Schutzgebieten mache Deutschland Wildtieren das Leben schwer, kritisierte Volker Wachendörfer von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Wolfgang Fremuth – Vorstand der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF) – sagte, es gebe bundesweit nur zwei große Wildkatzengebiete. Das erste liege mit geschätzten 1.100 bis 3.000 Wildkatzen in der Rhön. Das zweite befinde sich in Mitteldeutschland zwischen Harz und dem Naturpark Hainich.
Fremuth bezeichnete die Entwicklung der sogenannten Holzpflock-Methode als einen vielversprechenden Erfolg des Aktionsplans. Der BUND habe diese Methode erstellt, bei der Tierhaare von rauen, mit Baldrian bestrichenen Holzpflöcken gesammelt werden. Mit Genanalysen könne dann festgestellt werden, ob es in einem Wald Wildkatzen gebe. Mit bloßem Auge ließen sich Wildkatzen nämlich nur schwer von wildfarbenen Hauskatzen unterscheiden, erklärte Fremuth.
Mit der Genanalyse können nun auch erstmals Bewegungsmuster von bestimmten Katzen erstellt werden. Neben der Holzpflock-Methode hat der BUND laut Vogel seit 2004 zum Wildkatzenschutz beigetragen, indem er mehr als die Hälfte der bestehenden Lücken in einem 20 Kilometer langen Korridor zwischen dem Nationalpark Hainich und dem Naturpark Thüringer Wald geschlossen habe.
Den konkreten Anstoß zur Erstellung des Aktionsplans hatte 2008 das erste internationale Symposium zum Wildkatzenschutz gegeben. Vorher hatte es keine Vernetzung der verschiedenen Umweltschutzgruppen gegeben. (AP)
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