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23.09.2009
Frankfurt/Main – Als George W. Bush 2003 seine Truppen in den Irak einmarschieren ließ, unterstützt von einer kleinen „Koalition der Willigen“, degradierte er die Vereinten Nationen zu einem ohnmächtigen Zuschauer. Mit dem Irakkrieg ohne Zustimmung des UN-Sicherheitsrates reklamierte der frühere Präsident für die USA die Rolle des Weltpolizisten, mit brachialer Gewalt. Sechs Jahre später hat sein Nachfolger Barack Obama die Kehrtwende vollzogen. In seiner ersten Rede vor der UN-Vollversammlung schloss er das Kapitel amerikanischer Alleingänge am Mittwoch ab.
Eine „neue Ära des internationalen Engagements“ forderte Obama. Washington wolle und könne nicht mehr alles alleine machen. Und deswegen müsse auch der „fast reflexartige Antiamerikanismus“ ein Ende haben.
Das Bekenntnis zum Multilateralismus gehörte schon zu Obamas Wahlkampfprogramm, damit punktete der Kandidat bei Auslandsreisen, unter anderem in Berlin. So deutlich wie am Dienstag vor den Delegationen aller UN-Mitglieder ist er indes bislang nicht geworden.
Nüchtern betrachtet hat der Präsident nichts anderes als die Erkenntnis formuliert, dass die USA in der globalisierten Welt angekommen sind. Und nicht der Versuch, in Berlin, Paris, Islamabad oder Jerusalem schöne Augen zu machen, hat ihn zu seinem Bekenntnis getrieben. Eher ist es die Einsicht der eigenen Ohnmacht. Ob Afghanistan, Nahost, Iran, ob Klimawandel oder Finanzmarktkrise: Ohne wirkliche Kooperation kommt die in den 90er Jahren als einzige verbliebene Supermacht beschriebene amerikanische Nation keinen Schritt weiter.
„Die Zeit ist gekommen, dass alle ihren Anteil an Verantwortung übernehmen“, erklärte Obama in New York. „Diejenigen, die die USA wegen ihrer Alleingänge gegeißelt haben, können sich jetzt nicht hinstellen und warten, dass die USA die Probleme der Welt alleine lösen.“
Damit hat der Mann, der seit acht Monaten im Weißen Haus regiert, ohne Zweifel recht. Afghanistan ist das herausragende Beispiel für die Tendenz befreundeter Staaten, im Zweifel doch auf den mächtigen Partner zu setzen. Die Bereitschaft, die US-Bemühungen für eine Stabilisierung am Hindukusch mit eigenen Truppen substanziell zu unterstützen, ist weder in Berlin, noch in Paris oder London besonders ausgeprägt.
Richtig ist auch, dass Obama die aggressive Außenpolitik seines Vorgängers an vielen Fronten umgekehrt hat. Das Aus für den Raketenabwehrschild in Osteuropa bringt Russland in Bringschuld, bei der Lösung des Irankonfliktes mitzuarbeiten.
Bei der vielleicht wichtigsten Herausforderung der Weltgemeinschaft muss Obama indes seinen vollmundigen Worten noch Taten folgen lassen. Der Kampf gegen den Klimawandel ist zwar ebenfalls nur gemeinsam zu gewinnen. Doch die Chance, auf der UN-Klimakonferenz am Dienstag das neue Verantwortungsbewusstsein der USA mit dem Bekenntnis zu verbindlichen Reduktionszielen zu untermauern, ließ Obama ungenutzt. Und so wird vorerst ein Restmisstrauen bleiben, wie ernst der neu beschworene Multilateralismus in Washington wirklich gemeint ist. (AP)
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