Aktuelle Nachrichten Europa – Wind als Unfallursache im Vordergrund – DAPD
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Aktuelle Nachrichten – Europa

Wind als Unfallursache im Vordergrund

DAPD

04.01.2008

Interlaken/Bern – Eine Windböe dürfte das schwerste Sesselbahnunglück in der Schweiz seit Jahren ausgelöst haben. Technische Mängel an der Anlage „Fallboden“ auf der Kleinen Scheidegg wurden keine entdeckt, wie die Untersuchungsbehörden mitteilten. Beim Getöteten handelt es um einen 29-jährigen Mann aus Deutschland.

Die Untersuchungen am Sessellift „Fallboden“ auf der Kleinen Scheidegg konnten am Freitagnachmittag grösstenteils abgeschlossen werden. Die Spezialisten haben dabei keinen technischen Schaden an der Bahn festgestellt, der zum Unfall geführt hat, wie der Untersuchungsleiter Joseph Zeder von der Unfalluntersuchungsstelle Bahnen und Schiffe (UUS) des Bundes erklärte.

„Für uns steht eine Windböe als Ursache im Vordergrund“, sagte Zeder. Diese hat laut Zeder gegen 12.50 Uhr dazu geführt, dass das Seil beim Masten elf von den Rollen entgleist ist. Es blieb aber in einer Höhe von rund zwölf Metern in der Aufhängevorrichtung hängen. „Gleichzeitig wurde ein Nothalt ausgelöst“, sagte Zeder. In diesem Moment müsse wahrscheinlich eine Hebelwirkung verursacht haben, dass das Seil zu Boden fiel. Zeder: „Wir wollen nun herausfinden, was die Hebelwirkung ausgelöst hat.“ Zur genauen Abklärung der Unfallursache werden noch mehrere Befragungen sowie technische und rechtsmedizinische Abklärungen vorgenommen. Untersuchungsrichterin Barbara Baumgartner rechnete damit, dass die Ermittlungen Wochen bis Monate dauern werden.

Insgesamt sind bei dem Unglück drei Sessel am Boden aufgeschlagen. Auf einem sassen der getötete 29-jährige Mann aus dem deutschen Bundesland Baden-Württemberg und eine Frau, die schwer verletzte wurde. Sie befindet sich nach wie vor im Spital und konnte von der Polizei noch nicht befragt werden. Die beiden anderen Verletzten konnten das Spital bereits wieder verlassen.

Der Skibetrieb auf der Kleinen Scheidegg blieb am Freitag eingestellt – wegen des Winds. Die Massnahme habe nichts mit dem Vorfall zu tun, die Strecken müssten ab- und zu wegen dem Wind geschlossen werden, hiess es bei den Jungfraubahnen auf Anfrage.

Vor Ort befanden sich auch zwei Vertreter des Seilbahnherstellers Garaventa. Verkaufschef Peter Baumann erklärte vom Gelände her handle es sich nicht um eine extreme Anlage. Diese sei ursprünglich von der Firma Kipfer gebaut worden, welche später von Garaventa übernommen wurde. Die Anlage sei in einem sehr guten Zustand, sagte Baumann.

Zur Unglückszeit wurden in der Region Böenspitzen von 90 Kilometern pro Stunde gemessen. Das Bundesamt für Verkehr macht nach Angaben von Sprecher Gregor Saladin selber keine Vorgaben, bis zu welchen Windgeschwindigkeiten eine Sesselbahn betrieben werden kann. Jede Sesselbahn müsse aber mit einer Windmessanlage ausgerüstet sein und in den Betriebsvorschriften zwei Grenzwerte für die Windwarnung und für den Windalarm verankert haben.

Die Jungfraubahnen hatten bekannt gegeben, dass diese Grenzwerte für die „Fallboden“-Bahn bei 40 beziehungsweise 60 Kilometern pro Stunde liegen. Die Verantwortlichen hatten die Bahn zum Unfallzeitpunkt bereits geschlossen, wollten aber noch die Passagiere, welche sich darauf befanden, zur Bergstation bringen. Der Betrieb des Sessellifts „Fallboden“ bleibt vorerst eingestellt. Für die Wiederaufnahme des Betriebs ist das Bundesamt für Verkehr (BAV) zuständig. (AP)

 

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