Foto: ddp/Katja Lenz
Berlin – Moderne Familienverhältnisse erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. In der Komödie «Schief gewickelt» schickt eine alleinerziehende Mutter dem Vater ihres Kindes regelmäßig prall gefüllte Windeln, um auf sich aufmerksam zu machen. Um sehr viel mehr geht es in dem ZDF-Fernsehfilm nicht, der am Donnerstag (27. September) um 20.15 Uhr ausgestrahlt wird. Die Geschichte ist aber aufgrund ihrer Hauptdarsteller Cosma Shiva Hagen und Ken Duken sowie der namhaften Gäste erfrischend.
Mona Müller ist genervt. Aus einer unverbindlichen Affäre ist ein Kind entsprungen. Doch der Vater, der erfolgreiche Musikmanager Eddy Brennfleck, hat sich aus dem Staub gemacht und will eine andere heiraten. Mona schmiedet daher einen geheimen Plan, um ihrem ehemaligen Liebhaber eines auszuwischen. Tag für Tag schickt sie ihm anonym eine gebrauchte Windel. Für sie ist dieser Racheakt eine gewisse Genugtuung für all ihre Alltagsmühen. Eddy hingegen weiß noch nicht einmal etwas von seinem Kind. Die täglichen Postsendungen treffen ihn daher vollkommen überraschend und unvorbereitet. Er ahnt allerdings schnell, dass sich hier eine Verflossene bei ihm rächen will. Der Musikmanager beginnt daher, die Absenderin der Briefe ausfindig zu machen. Dabei muss der Hallodri äußerst geschickt vorgehen, denn seine Verlobte darf von den schmutzigen Windelanschlägen nichts erfahren.
Moderne Familienkomödie mit Musik
In «Schief gewickelt» konzentriert sich Regisseur Lars Becker vornehmlich auf die Suche des von Ken Duken gespielten Managers nach der genervten Mutter. Auf der Gegenseite erlebt der Zuschauer Cosma Shiva Hagen, die in ihrer Rolle jeden Cent umdrehen muss, um über die Runden zu kommen. Beim Kindergarten steht sie schon lange in der Kreide, ihrem Aushilfsjob in einem Café kann sie nichts abgewinnen und insgeheim träumt sie von einer eigenen Existenz. Ihren gesamten Frust verpackt die alleinerziehende Frau in die täglichen Briefe. Das ist eigentümlich, aber auch irgendwie nachvollziehbar.
Becker vertraut in seiner Komödie allerdings nicht allein der bizarren Familiengeschichte. Eine weitere Hauptrolle spielt die Musik. Zahlreiche bekannte Stücke und Remixe werden angespielt. Viele Szenen spielen im Tonstudio. Und irgendwie ist jede Figur, die in diesem Streifen auftaucht, ein heimlicher Popstar. Dazu zählt sogar ein von Bjarne Mädel gespielter Postbeamter, der einst als Saxofonist mit Howard Carpendale auf Tournee gewesen sein will.
Illustre Gäste von Gisela Schneeberger bis H.P. Baxxter
Mädel ist einer von vielen Gaststars, die in diesem Film auftauchen. Darüber hinaus ergänzen Uwe Ochsenknecht, Gisela Schneeberger, Nova Meierhenrich, Alexander Scheer und viele andere Darsteller die illustre Besetzung. Mit Das Bo und H.P. Baxxter gesellen sich auch ein paar norddeutsche Musikgrößen hinzu.
Die Zusammenführung von Vater, Mutter, Kind gerät da schnell zur Nebensache. Die gleichnamige Romanvorlage aus der Feder von Regula Venske verliert der Film fast vollständig aus den Augen.
Doch wirklich tragisch ist das nicht. Durch die leichte Erzählweise, die schmissige Musikuntermalung und durchweg sympathische Darsteller weiß «Schief gewickelt» auch so zu unterhalten.
dapd
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