In Tübingen kostet das Eis plötzlich auffallend mehr – Kartellamt prüft wegen Preisabsprachen

Einigen Besitzern von Eisdielen werden in Tübingen verbotene Preisabsprachen vorgeworfen - sie erhöhten dieses Jahr die Preise. Nun prüft die Landeskartellbehörde.
Titelbild
Eine italienische Eisdiele (Symbolbild aus Rom).Foto: ALBERTO PIZZOLI/AFP/Getty Images
Epoch Times28. März 2017

In der Auslage von Enzo Gorzas Eisdiele in Tübingen sind Berge von Eis in allen Farben aufgetürmt. Ein Mädchen bestellt eine Kugel in Rosa. Der Chef gibt ihr Erdbeere, die Mutter zahlt 1,50 Euro.

Im Vorjahr hat man bei Enzo Gorza noch 1,20 Euro für die Kugel gezahlt. Nun hat er 25 Prozent aufgeschlagen, gleichzeitig mit zwei anderen Eisdielen. Das „Schwäbische Tagblatt“ berichtet von Preisabsprachen – und die Landeskartellbehörde hat eine Prüfung eingeleitet.

Enzo Gorza beharrt darauf, er habe mit den Kollegen gesprochen, sich aber nicht abgesprochen. Sein Eis sei teurer, weil die Zutaten mehr kosteten und der Mindestlohn gestiegen sei. Und er legt eine Stromrechnung auf den Tisch: Für sein großes Eiscafé hat er demnach im vergangenen Juli Strom im Wert von gut 2.800 Euro verbraucht.

„Qualität kostet Geld“, sagt er. In seiner Heimat, den Dolomiten, liege der Eispreis schon lange bei 1,50 Euro, in Frankreich zahle man 2,40 Euro für die Kugel. Er ist sich keiner Schuld bewusst. Und die Kunden hätten sich bisher nicht beschwert.

30 Cent Erhöhung auf einen Schlag? Wie sich das begründen lassen soll, versteht der Betreiber einer italienischen Konditorei, Antonino Franchina, der auch Eis verkauft, nicht. Bei ihm im Laden merken seinen Angaben zufolge die Kunden scherzhaft an, das Eis für 1,30 Euro koste ja „nur“ 10 Cent mehr als im Vorjahr.

Gab es eine Absprache der Eisdielen?

Ob die drei Eisdielenbesitzer tatsächlich eine Preisabsprache getroffen haben, prüft nun die Landeskartellbehörde, wie zunächst der SWR berichtet hat. Erst einmal werde man die betroffenen Betreiber schriftlich anhören, hieß es vom zuständigen Wirtschaftsministerium. „Erst dann kann über weitere Maßnahmen entschieden werden; auch darüber, ob der Sachverhalt überhaupt bußgeldrelevant ist“, teilte ein Sprecher mit.

Die Preiserhöhung von mehreren Anbietern zusammen werfe berechtigte Fragen auf, sagt der Sprecher der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, Niklaas Haskamp. „Allgemein ist es für Verbraucher sehr ärgerlich, wenn Preise von Jahr zu Jahr so drastisch ansteigen, ohne dass nachvollziehbar ist, warum.“ Transparenz sei wünschenswert – denkbar sei ein Aushang oder eine Information über die Gründe. Es bleibe immer ein Stück Undurchschaubarkeit für den Kunden bestehen.

Beim Hotel- und Gaststättenverband Dehoga sind keine Kartellrechtsfälle aus dem Bereich der Gastronomie in Baden-Württemberg bekannt. Der Bundesverband äußerte sich am Dienstag nicht zur Thematik. Auch das Bundeskartellamt hielt sich zurück und verwies auf die Landesbehörde.

Dass sich nicht jeder die Kugel für 1,50 Euro leisten kann, betont Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) auf Facebook. Zwei Schulklassen hätten sich bei ihm über den Preis beschwert. „Liebe Eisdielenbesitzer, es ist unfair, die Kunden zu schröpfen durch Preisabsprachen“, schreibt Palmer.

Besorgt von den Medienberichten hat die Geschäftsführerin einer weiteren verdächtigten Eisdiele, Vaida Ciliberti, ihr Eis gewogen – 130 bis 135 Gramm bekomme man für 1,50 Euro. Vor dem Laden isst eine 41-Jährige mit ihren zwei Töchtern Eis. „Das ist eine Riesenportion und richtig gut“, sagt sie. Man bekomme sogar zwei Sorten in einer Kugel. „Ich bin absolut d’accord mit der Preiserhöhung.“ (dpa)



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