Aktuelle Nachrichten – Konjunktur
13.11.2009
Berlin – Nach dem Konjunktureinbruch in diesem Jahr erwarten die fünf Wirtschaftsweisen für 2010 ein Wachstum von 1,6 Prozent. Das geht aus dem Jahresgutachten hervor, das der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung am Freitag Bundeskanzlerin Angela Merkel überreichen wollte. Die Experten geben darin eine optimistischere Prognose ab als die Bundesregierung, die für das kommende Jahr einen Anstieg des Bruttoinlandprodukts um 1,2 Prozent erwartet.
Wie die Regierung gehen auch die Sachverständigen davon aus, dass sich die Situation am Arbeitsmarkt noch für einige Zeit verschlechtert. „Die im Prognosezeitraum erwartete Erholung der gesamtwirtschaftlichen Produktion wird wohl nicht ausreichen, um die Kapazitätsauslastung derart anzuheben, dass Entlassungen in erheblichem Umfang zu vermeiden wären“, heißt es in dem Gutachten. Die Zahl der Arbeitslosen werde daher voraussichtlich im Jahresdurchschnitt von 3,4 Millionen im Jahr 2009 auf etwa 4,0 Millionen im Jahr 2010 ansteigen. Die Bundesregierung rechnet mit 4,1 Millionen.
Der Rat der Sachverständigen unterstellt in seinem Gutachten, dass eine Kreditklemme auf breiter Front vermieden werden kann. Er erwartet aber Probleme „aus den noch verbleibenden Aufräumarbeiten im Finanzsektor“, die sich bei der Kreditvergabe besonders dann auswirken dürften, wenn die Unternehmen wieder verstärkt investieren wollen.
„Nach wie vor überwiegen die Abwärtsrisiken, wenn auch in geringerem Maße als im Vorjahr“, schreiben die Wirtschaftsweisen in ihrem mehr als 400-seitigen Gutachten. Die Situation an den Finanzmärkten könnte sich wieder verschärfen, was die Kreditprobleme der Unternehmen verstärken würde. „Weitere zentrale Risiken gehen vom noch fragilen außenwirtschaftlichen Umfeld sowie von der Wechselkursentwicklung aus.“ Auch prognostizieren die Experten, dass verstärkte Anstrengungen der Unternehmen, die Produktivität zu erhöhen, zu größeren Entlassungen führen könnten.
Der Sachverständigenrat legt seinem Jahresgutachten einen Rohölpreis von 75 Dollar pro Barrel zugrunde. Den Euro rechnen die Experten mit 1,50 US-Dollar. Weitere Annahmen sind: Der Hauptrefinanzierungssatz der Europäischen Zentralbank wird im Prognosezeitraum 1,0 Prozent betragen. Eine allgemeine Kreditklemme bleibt aus. Der Anstieg der tariflichen Stundenlöhne liegt im kommenden Jahr bei 1,7 Prozent.
Geplante Gesetze der neuen Regierung wie das Gesetz zur Wachstumsbeschleunigung sind in dem Gutachten noch nicht berücksichtigt.
Dem Sachverständigenrat gehören die Wirtschaftsprofessoren Wolfgang Franz (Vorsitzender), Peter Bofinger, Christoph Schmidt, Beatrice Weder di Mauro und Wolfgang Wiegard an. Mit Mitglieder werden von der Bundesregierung berufen. Ihr Gutachten dient ebenso wie das Gemeinschaftsgutachten der Wirtschaftsforschungsinstitute als Grundlage für die Wirtschafts- und Finanzpolitik der Bundesregierung.
http://www.sachverstaendigenrat.org/ (AP)
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