Bildungsminister von Sachsen-Anhalt: Inklusion ist gescheitert – Förderschulen weiterführen

Der Bildungsminister von Sachsen-Anhalt spricht sich für die Weiterführung von Förderschulen aus und erklärt: "Inklusion ist gescheitert".

Die Diskussion um Inklusion gehe an der Alltagspraxis vorbei, erklärt Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner.

Der CDU-Politiker stehe voll und ganz zum Weiterbetrieb der Förderschulen und halte den bisherigen Weg der Inklusion für gescheitert, schreiben die „Zeit“ und „mdr“.

Tullner sagt: Inklusion bedeute, dem Kind die jeweils bestmögliche Bildung zu geben. Er wehre sich aber dagegen, dass das nur im gemeinsamen Unterricht möglich sei: „Es gibt genauso gute Gründe, Kinder auch an Förderschulen zu beschulen,“ so der Politiker.

So gäbe es Kinder mit Förderbedarf, die in Förderschulen besser betreut werden könnten als in einer normalen Schule. Sowohl die Schüler als auch die Lehrer seien beim gemeinsamen Unterricht in manchen Situationen überfordert, betont Tullner.

Er schlägt vor, die Förderschulen in den Städten fortzuführen. Dabei wäre eine Differenzierung und Spezialisierung der Schulen möglich. Es wäre auch möglich, an allgemeinbildenden Schulen spezielle Förderklassen einzurichten. Ob dies räumlich möglich sei, „ist eine andere Frage“, so der Minister weiter. Doch

… jetzt mit der Brechstange Inklusion in diesem Land zu verordnen – dieses Konzept halte ich für kräftig gescheitert. Deshalb gehe ich mit viel Augenmaß und Behutsamkeit daran.“

Marco Tullner sieht als Grund neben dem hohen Unterrichtsausfall auch den Mangel an speziellen Lehrern:

Wir haben den gemeinsamen Unterricht eingeführt, obwohl absehbar war, dass uns Lehrkräfte fehlen werden“.

Die Lehrer in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt sind skeptisch. Laut einer Umfrage von Forsa sind 49 Prozent der Lehrer für einen gemeinsamen Unterricht, 44 Prozent geben der Förderschule für Behinderte den Vorzug. Es fehlt vielerorts an Personal: 16 Prozent gaben in der Umfrage an, dass es an ihrer Schule weder Sozialpädagogen noch Sonderpädagogen, Psychologen oder medizinische Assistenten gäbe – deutschlandweit geben dies nur acht Prozent an.

Und deswegen plädiere ich da ganz klar für eine Verlangsamung unserer Inklusionsprozesse“, sagt der Bildungsminister.

Sachsen-Anhalt hat etwa 14.800 Kinder und Jugendliche mit Förderbedarf

In Sachsen-Anhalt stellte er für die rund 14.800 Schüler mit Förderbedarf Mitte Dezember ein Konzept vor. Danach sollten Eltern die Wahl haben. Wenn Förderschüler sich an den normalen Schulen wohl fühlten und erfolgreich seien, könnten sie dort bleiben. Tullner möchte aber, „dass Eltern die Wahl haben, das zu tun, was sie für ihre Kinder richtig finden.“

Zur Zeit entscheiden sich Eltern – wenn sie die Wahl haben – in zwei von drei Fällen dafür, ihr Kind lieber an eine Förderschule zu schicken.

Der Bildungsminister ist überzeugt, dass in Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention einseitig interpretiert werde. So sei im UN-Dokument von „Zugang zu Bildung“ und „Teilhabe an der Gesellschaft“ die Rede, schreibt die „Zeit“.

In Deutschland hat man daraus die Inklusion gemacht, bei der alle Kinder dieselbe Schule besuchen sollen. Das ist eine Überinterpretation.“

Wie der Grünen-Abgeordnete Wolfgang Aldag sagte: „Das Ziel der ‚Schule für alle‘ ist tatsächlich gemeinsamer Unterricht. Das wollen wir aufrechterhalten. Dazu müssn wir den Weg beschreiben, wie man dorthin kommt. Das ist wichtig, damit die Förderschulen eine entsprechende Perspektive und Sicherheit bekommen.“ (ks)