Die heutige Lage der Wissenschaft: Eine objektive Forschung ist nahezu unmöglich

An vielen westlichen Universitäten herrscht ein Klima, das für selbständig denkende Menschen nur schwer zu ertragen ist und das in vielen Fachgebieten eine objektive Forschung nahezu unmöglich macht. Woher stammt es? Ein Gastbeitrag von Torsten Mann.

Dem Physiker Werner Heisenberg wird unterstellt, er habe gesagt, „der erste Trunk aus dem Becher der Naturwissenschaft“ mache atheistisch, „aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott.“

Ob Heisenberg diesen Satz tatsächlich gesagt hat, ist umstritten, aber ein Zitat des Physikers Carl Friedrich von Weizsäcker, der ein Schüler Heisenbergs war, spricht denselben Gedanken in ganz ähnlichen Worten aus:

„Aus dem Denken gibt es keinen ehrlichen Rückweg in einen naiven Glauben. Nach einem alten Satz trennt uns der erste Schluck aus dem Becher der Erkenntnis von Gott, aber auf dem Grunde des Bechers wartet Gott auf den, der ihn sucht. Wenn es so ist, dann gibt es einen Weg des Denkens, der vorwärts zu religiösen Wahrheiten führt, und nur diesen Weg zu suchen, ist lohnend.“ (Carl Friedrich von Weizsäcker – Die Geschichte der Natur S.152)

Ein Forscher kann nur echtes Wissen schaffen, wenn er objektiv die Gesetze der Natur ergründet

Man kann den Sinn echter Naturwissenschaft wohl kaum treffender formulieren, denn der Forscher kann nur dadurch echtes Wissen schaffen, dass er objektiv und wahrhaftig versucht, die Gesetze der Natur zu ergründen.

Und wenn er sich redlich darum bemüht, dann wird er nicht umhinkommen, eine ordnende Intelligenz in der Natur vorzufinden, die grösser ist als der menschliche Geist, was schon Johann Wolfgang von Goethe zu der Feststellung veranlasst hat „das schönste Glück des denkenden Menschen ist, das Erforschliche erforscht zu haben und das Unerforschte ruhig zu verehren.“ (Johann Wolfgang von Goethe – Maximen und Reflexionen S.138)

Diese Erkenntnis setzt eine persönliche Reifung voraus, die Goethe unzweifelhaft erreicht hat, wie zum Beispiel aus dem Gegensatz seiner Gedichte „Prometheus“ und „Grenzen der Menschheit“ hervorgeht.

Der Archetyp des Prometheus war auch den Physikern Heisenberg und von Weizsäcker nicht fremd und vielleicht war es gerade die Auseinandersetzung mit diesem Archetyp, die sie reifgemacht hat für die Erkenntnis einer Ordnung, die über die materielle Welt hinausreicht.

Der Mensch als Herr der Schöpfung?

Karl Marx, ein Zeitgenosse Goethes, hat eine solche Reife niemals erlangt. Ähnlich wie Goethe schrieb zwar auch Marx über Prometheus, jedoch fehlte Marx zeitlebens jegliche Einsicht in die Grenzen der Menschheit.

Marx hinterliess ein Lebenswerk, das nie über das Reifeniveau seiner Dissertation hinauskam, in der er schrieb: „Die Philosophie verheimlicht es nicht. Das Bekenntnis des Prometheus ‚mit einem Wort, ich hasse alle Götter‘, ist ihr eigenes Bekenntnis, ihr eigener Spruch gegen alle himmlischen und irdischen Götter, die das menschliche Selbstbewusstsein nicht als die oberste Gottheit anerkennen. Es soll keiner neben ihm sein.“ (Karl Marx – Doktordissertation; Vorrede)

Während redliche Naturwissenschaftler im Laufe ihres Forscherdaseins also irgendwann zu der Einsicht gelangen, dass der Mensch nicht Herr der Schöpfung ist, sondern lediglich Teil einer grösseren Ordnung, hinterliess Marx der Menschheit mit seinem „Dialektischen Materialismus“ eine Ideologie, welche die Wirklichkeit des Lebens auf eine chaotische Welt der Materie reduziert, über die der Mensch allein durch eigene schöpferische Leistung und eigene Produktivkraft die Herrschaft erlangen könne.

Der Marxismus leugnet also die Existenz einer über die materielle Welt hinausreichenden Ordnung und fordert den Menschen auf, dass er in einer angeblich vom Zufall bestimmten ungeordneten Welt auf dem Weg von Evolution und Revolution nach Belieben seine eigene Ordnung schaffen solle.

„Dieser neue materialistische Mythos, der unter dem Banner der ‚Wissenschaft‘ entstand“, schrieb der US-Politologe Jeff Nyquist, „begründete eine säkulare Religion mit einer fanatischen Gefolgschaft“, die nicht nach der Wahrheit, sondern einzig nach der Macht strebt. (Jeff Nyquist – Der Tor und sein Widersacher S.48f)

Wissenschaft gegen die Natur

Vielleicht wäre Marx noch zur Vernunft gekommen, wenn er erlebt hätte, welche verheerenden Folgen die von ihm geschaffene „säkulare Religion“ haben sollte.

Aber es dauerte nach seinem Tod noch mehr als drei Jahrzehnte, bis die Anhänger seiner Ideologie erstmals an die Macht gelangten. Erst durch die russische Oktoberrevolution im Jahr 1917 wurde der Marxismus zu einer Staatsdoktrin erhoben, womit die Kommunisten den „Dialektischen Materialismus“ zur verbindlichen Grundlage der sowjetischen Wissenschaften erklärten – während gleichzeitig die unvoreingenommene Erforschung der Natur, die der Erkenntnis der Wahrheit und dem Verständnis der Welt dient, als sogenannte „bürgerliche Abweichung“ politisch verboten und sogar verfolgt wurde.

Der tschechoslowakische General Cenek Hruska sprach später offen aus, mit welchem Fanatismus die Kommunisten dabei vorgingen.

Er sagte, es sei „notwendig, dass der Marxismus-Leninismus jeden Zweig der Wissenschaft durchdringt. […] Unser Kampf gilt auch der bewusst irreführenden reaktionären These vom ‚apolitischen‘ Charakter der Wissenschaft und ihrer ‚überparteilichen‘ Stellung […]“ (US-Informationsdienst Bad Godesberg – Das Netz der kommunistischen Frontorganisationen S.24f). Und ebenda:

mit dem wissenschaftlichen Objektivismus ist endgültig Schluss zu machen.“

Anstatt die Natur redlich zu erforschen, was zur Erkenntnis ideologisch unangenehmer Wahrheiten führen könnte, galten im sowjetischen Einflussbereich also die Dogmen des „Dialektischen Materialismus“ als Maxime jeder wissenschaftlichen Arbeit.

Das bedeutet, dass die Wissenschaften nicht mehr die Aufgabe hatten, unvoreingenommen Wissen über die Ordnung der Natur zu schaffen und daraus die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen, sondern ihre Aufgabe bestand fortan darin, dem Regime wissenschaftlich anmutende und propagandistisch verwertbare Rechtfertigungen dafür zu liefern, dass die Ausweitung seiner Macht eine natürliche und notwendige Entwicklung sei.

Unter dem Diktat des Marxismus spielt es folglich nur eine untergeordnete Rolle, ob eine wissenschaftliche Theorie objektiv richtig oder falsch ist, vielmehr kommt es in erster Linie darauf an, dass sie die revolutionäre Umgestaltung der Gesellschaftsordnung befördert und den Übergang von der nationalstaatlichen, bürgerlichen Marktwirtschaft über einen regionalen Sozialismus in den globalen Kommunismus vorantreibt. In anderen Worten, es kommt darauf an, dass die Wissenschaft „gesellschaftsrelevant“ ist.

Die Frankfurter Schule

Das bekannteste Beispiel einer solchen „gesellschaftsrelevanten Wissenschaft“ dürfte zweifellos die sogenannte „Kritische Theorie“ der Frankfurter Schule sein, die im Jahr 1923 als Ableger des Moskauer Marx-Engels-Instituts gegründet wurde, zu dessen Aufgaben die konzeptionelle Weiterentwicklung der marxistisch-leninistischen Ideologie gehörte.

Tatsächlich stellt die „Kritische Theorie“ eine Neuinterpretation des klassischen Marxismus dar, die nach wie vor auf die Empörung des Menschen und die revolutionäre Umgestaltung der Gesellschaft abzielt. Doch im Gegensatz zur klassisch-marxistischen Herangehensweise versucht die „Kritische Theorie“ nicht mehr, die Arbeiterklasse zur Revolution zu agitieren, sondern sie setzt in erster Linie auf die akademische Jugend und in weiterer Folge auf soziale Randgruppen, die in der bürgerlichen Gesellschaftsordnung angeblich isoliert und unterdrückt werden.

Obwohl sich die „Kritische Theorie“ mit einer akademischen Tarnung umgibt, strebt sie ausdrücklich nicht nach positivistischem Erkenntnisgewinn und objektiver Wahrheitsfindung, sondern sie betreibt unter dem Deckmantel der Wissenschaft die subversive Agitation eines neu definierten Proletariats und die Zersetzung der gegebenen Gesellschaftsordnung im Namen der individuellen „Emanzipation“, ohne dabei selbst ein positives soziales Modell vorzugeben, das sich in der Praxis bewähren müsste.

Das Streben nach Leistung und Wahrheit wurde abgeschafft

Als die Einflussagenten Moskaus im Rahmen der sowjetischen Langzeitstrategie zu Beginn der 1960er Jahre mit der Aufhetzung der westlichen Studentenbewegung begannen, wurde die „Kritische Theorie“ zur ideologischen Grundlage der entstehenden 68er-Revolte.

Ihre Anhänger machten sich anschliessend zum „Marsch durch die Institutionen“ auf, um erst den akademischen Betrieb und anschliessend die Führungshöhen der bürgerlichen Staaten unter ihre Kontrolle zu bringen.

Dabei wurde die „Kritische Theorie“ den meisten akademischen Fachgebieten aufgezwungen, um sie von der Erkenntnis- und Wahrheitssuche sukzessive abzukoppeln und auf die Rechtfertigung eines sozialistischen Gesellschaftswandels umzulenken.

Das Streben nach Höherem, nach Leistung und Wahrheit wurde vorsätzlich und bewusst abgeschafft und durch die Rechtfertigung des Niedrigen und der Triebbefriedigung im Namen der ‚Befreiung‘ ersetzt.

Studenten seien danach zu bewerten, wie sie Dogmen unreflektiert wiedergeben können

Die Wissenschaft sollte in einer Weise „antiautoritär“ umgestaltet werden, dass sogenannte „kollektive Lernprozesse“ das angeblich „bürgerliche“ Leistungs- und Wahrheitsstreben ersetzen würden, woraufhin die Studenten nicht mehr danach zu bewerten seien, ob sie sich individuell und durch eigene intellektuelle Leistung auszeichnen, sondern ihre Sozialkonformität mit dem akademischen Kollektiv und ihre Fähigkeit zur unreflektierten Wiedergabe vorgegebener Dogmen wurde zum erstrebenswerten Ideal erklärt.

Damit wird deutlich, dass es der sogenannten „antiautoritären“ Wissenschaft der 68er-Bewegung in direkter marxistischer Tradition nicht um Erkenntnisgewinn, sondern um ideologisch motivierte, kollektivistische Umerziehung geht.

Und diese Umerziehung sollte ausdrücklich nicht auf die Studenten und den akademischen Betrieb beschränkt bleiben, vielmehr war ausdrücklich die Rede von einer „Vergesellschaftung“ der „antiautoritären“ Wissenschaft, bei der die vom Erkenntnisgewinn abgekoppelten Universitäten zukünftig die angeblich „wissenschaftlich“ gesteuerte Organisation einer sozialistischen Gesellschaft übernehmen würden.

In diesem Sinne sei es die vordringliche Aufgabe der Studentenrevolte, wie Rudi Dutschke – der aus der „DDR“ stammende „Lenin des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes“ – im Februar 1968 sagte, „schnellstens die Gesellschaft zu integrieren, und zwar so, dass aus der Gesellschaft eine lernende Gesellschaft wird, dass das elitäre Verhältnis von Universität und Gesellschaft beseitigt wird und die gesamte Gesellschaft eine lernende, schöpferische Gesamtheit von Menschen wird.“ (Simon Kiessling – Die antiautoritäre Revolte der 68er S.79ff)

Unnötig zu erwähnen, dass dieses Vorhaben in Wirklichkeit nichts anderes bedeutet,

als die Instrumentalisierung der Wissenschaft zur unterschwelligen Indoktrination der Öffentlichkeit mit marxistischen Dogmen, die in krassem Gegensatz sowohl zur objektiven Wirklichkeit als auch zum gesunden Menschenverstand stehen.

Die Gleichschaltung der Forschung

Als Folge der 68er-Revolte und ihres „Marschs durch die Institutionen“ herrscht an vielen Universitäten der westlichen Welt inzwischen ein ideologisches Klima, das für selbständig denkende Menschen nur schwer zu ertragen ist und das in vielen Fachgebieten eine objektive Forschung nahezu unmöglich macht.

Dies hat zur Folge, dass redlich arbeitende Wissenschaftler, die sich der objektiven Wahrheitsfindung statt der sozialen Revolution verschrieben haben, inzwischen befürchten müssen, ihre Finanzierung zu verlieren oder sogar ihre Karriere aufs Spiel zu setzen, wenn sie sich den vorgegebenen „gesellschaftsrelevanten“ Dogmen zum Beispiel auf dem Gebiet der Medizin, der „Klimatologie“ oder der sogenannten „Genderforschung“ widersetzen.

Sogar von Politologen wird inzwischen ganz selbstverständlich erwartet, dass sie über ein „soziales Gewissen“ verfügen sollen, was nichts anderes bedeutet, als dass ihre Arbeit der ideologisch verordneten Zielsetzung einer globalsozialistischen Gesellschaftsordnung zu entsprechen habe.

Vor dem Hintergrund der „gesellschaftsrelevanten Wissenschaft“ gewinnt eine Aussage von KPdSU-Generalsekretär Michail Gorbatschow vom Juli 1986 eine ganz neue Bedeutung, denn er sagte:

„Es ist erforderlich, dass Politik und Wissenschaft heute wie nie zuvor zusammenarbeiten. Heutzutage darf es keine Wissenschaft geben, die nicht begreift, welche politischen Folgen diese oder jene ihrer Entdeckungen und Erkenntnisse haben können. Es darf auch keine Politik geben, die sich nicht auf die Errungenschaften der Wissenschaft, auf ihre strenge Analyse, objektiven Einschätzungen und Prognosen stützt.“ (Michail Gorbatschow – Meine Vision, erste Auflage S.123)

Genau in diesem Sinne hatte auch schon der sowjetische Physiker Andrei Sacharow argumentiert, als er im Jahr 1968 forderte, dass die „internationale Politik“ mit „wissenschaftlicher Methodik“ erfüllt werden müsse,

was zweckbestimmt zur Errichtung einer globalen sozialistischen Gesellschaftsordnung und zur „Schaffung einer Weltregierung“ führen solle.

(Andrei Sacharow – Wie ich mir die Zukunft vorstelle S.25 / S.82ff)

Wissenschaft gibt sich heute damit zufrieden, „politisch korrekt“ zu sein

Auch Sacharows Forderung, zu diesem Zweck „wissenschaftliche Methoden und Prinzipien einer internationalen Politik“ zu erarbeiten, „die auf der wissenschaftlichen Voraussicht weitliegender und allernächster Folgen“ basieren, hat unter dem Begriff der „postnormalen Wissenschaft“ längst Einzug in den akademischen Betrieb gehalten. (Andrei Sacharow – Wie ich mir die Zukunft vorstelle S.88f)

Bei dieser wohl konsequentesten Ausprägung von „gesellschaftsrelevanter Wissenschaft“ wird eine Hypothese von vorn herein so konstruiert, dass die Fakten unsicher und die Werte fraglich sind, bei der aber theoretisch viel auf dem Spiel stehen könnte, weshalb man mit ihr schnelle politische Entscheidungen rechtfertigen kann, ohne echte Beweise für deren Notwendigkeit erbringen zu müssen.

Auf der „postnormalen Wissenschaft“ baut inzwischen die sogenannte „postfaktische Politik“ auf, die sich weit über Parteigrenzen hinweg längst nicht mehr um Wahrhaftigkeit kümmert, sondern sich stattdessen allein damit zufriedengibt, dass ihre Entscheidungen im gesellschaftsrelevanten Sinn „politisch korrekt“ sind.

Wie der US-Politologe Jeff Nyquist in seinem Buch „Der Tor und sein Widersacher“ zusammenfasst, glauben die Gefolgsleute der von Marx begründeten „säkularen Religion“, dass der Mensch losgelöst aus der göttlichen Ordnung existieren könne:

„Natürlich ist es die Wissenschaft, auf die sich diese Idee stützt. Nachdem sie eine neue materialistische Welt erfunden hatten, begannen die Menschen zu glauben, sie könnten ohne einen heiligen Sinn leben, der den Dingen zugrunde liegt. […]

Da war es nur folgerichtig, dass die Menschen […] begannen, die Existenz eines Schöpfers zu leugnen, und sich eher vorstellten, dass alle Geschöpfe dieser Welt durch einen spontanen Prozess namens ‚Evolution‘ entstanden seien – einen Prozess, den keiner der Evolutionisten je angemessen erläutert hat.

Dies lässt sich leicht an dem Umstand erkennen, dass kein Wissenschaftler glaubhaft zeigen kann, wie ein einzelliger Organismus aus anorganischer Materie entstanden sein soll. Während man früher nichts über die Komplexität solcher Organismen wusste, so hat man inzwischen keinerlei Illusionen mehr. Dieser Organismus muss das Produkt irgendeiner höheren Intelligenz gewesen sein. Er kann nicht spontan auf der Erde erschienen sein.

Die Behauptungen der Materialisten haben deshalb keine wissenschaftliche Grundlage. Die neue Religion hat keine Füsse, auf denen sie stehen könnte. Man betrachtet die Technik, den Fortschritt und die Wissenschaft als rundherum ausreichend, um alles zu erklären; aber je mehr wir wissen, desto weniger vermögen wir zu erklären.

Doch dies hat die neue Religion nicht aufgehalten; sie breitet sich immer weiter aus. Sie ist, schlicht und einfach, zur Krankheit der gebildeten Klassen und der Administratoren der Menschheit geworden – die sozusagen das Amt Gottes an sich reissen, unwissentlich oder im vollen Anfall von Wahnsinn. Ihr Säkularismus verachtet Gott. Natürlich ist diese Verachtung bereits an sich Wahnsinn.

Doch sie bringt weiteren Wahnsinn hervor. Wenn man sich einmal auf den Weg der Respektlosigkeit begeben hat, dann gibt es keine Rückkehr. […] Einmal durchtrennt, ist die Verbindung mit dem wahren Geist verloren.“ (Jeff Nyquist – Der Tor und sein Widersacher S.60f)

Ausgangspunkt des Marxismus: Der Wahn, sich gegen die natürliche Ordnung zu stellen

Wie eingangs schon Carl Friedrich von Weizsäcker bemerkt hat, gibt es „aus dem Denken keinen ehrlichen Rückweg in einen naiven Glauben“, aber es gibt einen „Weg des Denkens, der vorwärts zu religiösen Wahrheiten führt“. Und wenn man sich konsequent genug mit dem Archetyp des Prometheus aus der griechischen Tragödie auseinandergesetzt hat, dann weiss man auch, wie dieser Weg verläuft und wo er endet.

Goethe kannte diesen Weg, Marx kannte ihn nicht. Marx nahm zwar Bezug auf den archetypischen Prometheus und erklärte ihn sogar zum „vornehmsten Heiligen und Märtyrer“ seiner Philosophie, aber er übersah dabei das entscheidende Detail, nämlich dass alle tragischen Helden der griechischen Mythologie, die sich gegen die natürliche Ordnung der Welt empören, dazu verdammt sind, ihren Wahnsinn so lange fortzusetzen, bis sie am Ende erst durch ihr Scheitern Erlösung finden.

Friedrich Nietzsche sprach in seiner Auseinandersetzung mit der griechischen Tragödie von den „Müttern des Seins“, deren Namen lauten: „Wahn, Wille, Wehe.“ (Vgl. Friedrich Nietzsche – Die Geburt der Tragödie)

Dementsprechend war der Wahn, sich gegen die natürliche Ordnung zu erheben, Ausgangspunkt der marxistischen Ideologie.

Der Wille, Macht über die Welt zu erlangen, ist bis heute die Motivation ihrer Gefolgsleute, die noch immer danach streben, eine sozialistische neue Weltordnung zu errichten.

Allein das Wehe, also das unentrinnbare katastrophale Scheitern dieses Grössenwahns, steht in seiner letzten Konsequenz noch aus. Aber genau dieses Scheitern wird der Menschheit die erlösende Erkenntnis bringen, dass die materielle Welt nicht aus sich selbst heraus besteht, sondern auf der Grundlage einer transzendenten, endgültigen und immerwährenden Wirklichkeit beruht, gegen die man nicht folgenlos verstossen kann. Erst auf der Grundlage dieser Erkenntnis wird dann wieder wahrhaftige Wissenschaft beginnen können.

Zum Autor: Thorsten Mann, Jahrgang 1976, ist politischer Publizist („Weltoktober“, „Rote Lügen in grünem Gewand“, „Am Vorabend der Weltrevolution“). Er vertritt die These, dass der Kommunismus zu Beginn der 1990er Jahre nicht untergegangen ist, sondern unter Beibehaltung seiner Ziele lediglich eine planmässige Umgestaltung seiner Methoden vorgenommen hat.

Der Artikel erschien zuerst in der Express-Zeitung Ausgabe 11, Oktober 2017.

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Hintergrundwissen: Prometheus

Vor dem Rockefeller Center, wo jedes Jahr zur Adventszeit der weltberühmte New Yorker Weihnachtsbaum erstrahlt, thront eine kolossale goldene Statue einer griechischen Sagenfigur: Es handelt sich um Prometheus (Wikipedia), der das Feuer von den Göttern stahl.

Laut der Sage wurde der Mensch durch Prometheus aus seinem Dämmerschlaf geweckt und entwickelte ein Bewusstsein – eine Eigenschaft, die zuvor nur den Göttern vorbehalten war. Der Mensch erlernte durch Prometheus den Lauf der Gestirne, das Rechnen mit Zahlen, die Kunst des Sprechens und des Alphabets.

Da Prometheus das Feuer von den Göttern gestohlen hatte, bekamen die Menschen alle Voraussetzungen, um selbst zu Göttern zu werden.

Während redliche Forscher und Philosophen im Laufe ihrer Arbeit zu der Einsicht kamen, dass der Mensch in der Realität von natürlichen Grenzen beschränkt ist und Prometheus‘ Feuer nicht dazu genutzt werden kann, sich zum endgültigen Herrn über die Schöpfung zu erheben, interpretierte Karl Marx in seinem Grössenwahn die Prometheus-Sage als Aufforderung zur Gottwerdung des Menschen.

Marx schien nicht bemerkt zu haben, was in der Prometheus-Sage als Folge der Rebellion gegen die natürliche Ordnung geschah: Durch die Büchse der Pandora kamen alle Plagen und Krankheiten über die Welt. Prometheus wurde bestraft, indem Zeus ihn verdammte und in den Kaukasus schickte, wo er auf einem hohen Berg festgekettet wurde. Ein Adler stattete ihm jeden Tag einen Besuch ab, um seine Leber herauszureissen.

Das zeigt allegorisch: Der Drang des Menschen zu möglichst schrankenloser, gottähnlicher Macht wird immer bestraft.

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