Deutschland bei Gesundheitsversorgung auf Platz 20

Wie steht es weltweit um die Gesundheitsversorgung? Forscher haben eine Methode gefunden, die eine Antwort möglich macht - wenn auch mit Einschränkungen. Die Ergebnisse ihrer Untersuchung sind ermutigend und ernüchternd zugleich.
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Kanzlerin Angela Merkel im Arztkittel.Foto: Andreas Rentz/Getty Images
Epoch Times19. Mai 2017

Die Gesundheitsversorgung hat sich in den allermeisten Ländern der Welt zwischen 1990 und 2015 verbessert. Deutschland liegt auf Platz 20, der Zwergstaat Andorra führt die Liste an.

Das ergibt sich aus einer internationalen Studie unter der Leitung von Christopher Murray von der University of Washington in Seattle (US-Bundesstaat Washington, USA).

Demnach ist in 167 Ländern der Zugang zur Gesundheitsversorgung und deren Qualität deutlich besser geworden. Insgesamt wurden 195 Länder untersucht.

Auf einer Skala von 0 bis 100 erreichte 2015 Andorra mit 94,6 den höchsten Wert, die Zentralafrikanische Republik mit 28,6 den niedrigsten. Das deutsche Gesundheitswesen landet mit 86,4 Punkten auf dem 20 Platz im weltweiten Vergleich, unter anderem hinter der Schweiz, aber auch hinter Griechenland und Slowenien.

Im globalen Durchschnitt verbesserte sich die Gesundheitsversorgung zwischen 1990 und 2015 von 40,7 auf 53,7 Punkte. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht.

Die Untersuchung nimmt nicht das Gesundheitswesen eines Landes als Ganzes unter die Lupe, sondern betrachtet die Todesraten bei ganz bestimmten Krankheiten. Die Forscher nutzten die umfangreiche Studienreihe „Global Burden of Disease“ (globale Krankheitslast).

Daraus wählten sie Daten zu 32 Krankheiten aus, die mit modernen Therapien gut behandelbar sind und nicht zum Tod führen müssen. Dazu gehören Tuberkulose, Durchfallerkrankungen, Tetanus, aber auch einige Krebsarten wie Gebärmutterhalskrebs oder Hodenkrebs.

Wie häufig diese Krankheiten in bestimmten Ländern und Regionen doch als Todesursache genannt werden, weist den Forschern zufolge darauf hin, wie gut oder schlecht das Gesundheitswesen dort ist. Daraus erstellten die Wissenschaftler einen Gesundheitswesen-Index (Healthcare Access and Quality Index; HAQ-Index) für insgesamt 195 Länder und Regionen.

Murray und seine Kollegen gingen sogar noch einen Schritt weiter: Sie errechneten für jedes Land, welchen HAQ-Index es aufgrund seiner Entwicklungsstufe eigentlich erreichen könnte.

Zum Beispiel Deutschland: Hier könnte der Gesundheitswesen-Index bei 90,7 liegen, tatsächlich liegt er bei 86,4. Die Lücke von 4,3 Indexpunkten zeigt die „Luft nach oben“ für das deutsche Gesundheitssystem an. In Deutschland ist diese Lücke seit 1990 kleiner geworden – damals lag sie bei 10,4 (Indexwert 1990: 73,1). Deutschlands Gesundheitswesen hat sich also im Index nicht nur von 73,1 auf 86,7 verbessert. Die Bundesrepublik hat sich auch dem Wert angenähert, der aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklungsstufe möglich wäre.

Doch eine solche Entwicklung gibt es nicht in allen Ländern. Murray wird in einer Mitteilung von „The Lancet“ mit den Worten zitiert: „Insgesamt sind unsere Ergebnisse ein Warnsignal, dass eine bessere Gesundheitsversorgung keine unvermeidliche Folge einer höheren Entwicklungsstufe ist.“ Die Forscher hoffen, dass die Indexzahlen auch helfen können, die sogenannten Millenniumsziele zu erreichen. Zu nennen sind hier insbesondere die Verringerung der Kindersterblichkeit (Ziel 4), die Verbesserung der Gesundheit von Müttern (Ziel 5) und die Bekämpfung von Aids, Malaria und anderen Krankheiten (Ziel 6).

Weltweit stieg der Gesundheitswesen-Index von 40,7 im Jahr 1990 auf 53,7 Punkte im Jahr 2015. Der Wert liegt jedoch noch erheblich unter dem errechneten möglichen Wert von 73,8. Der Abstand zwischen dem schlechtesten und dem besten Gesundheitswesen im betrachteten Zeitraum ist größer geworden: von 61,6 Punkten im Jahr 1990 zu 66,0 Punkten im Jahr 2015. Die Gesundheitssysteme in Nord- und Westeuropa sowie Kanada, Japan und Australien schnitten am besten ab. Am unteren Ende der Skala finden sich vor allem afrikanische Länder südlich der Sahara und Länder in Ozeanien und anderen Teilen Asiens.

Das Team um Murray nennt mehrere Einschränkungen seiner Studie, unter anderem, dass keine Krankheiten betrachtet wurden, die unbehandelt nicht tödlich enden, etwa viele chronische Erkrankungen. In einem Kommentar, ebenfalls in „The Lancet“ veröffentlicht, zeigen auch Felicity Goodyear-Smith von der University of Auckland (Neuseeland) und Chris van Weel von der Australian National University in Canberra (Australien) einige Mängel der Studie auf. Insgesamt aber sehen sie den Gesundheitswesen-Index positiv: „Wir applaudieren einer Methode, die Einblicke gibt, wie die Gesundheitsversorgung, das Gesundheitswesen und die sozioökonomische Entwicklung zur Gesundheit der Bevölkerung beitragen.“

Die Ergebnisse der Studie dürften auch für das G20-Treffen der Gesundheitsminister am 19. und 20. Mai in Berlin von Interesse sein. Die Fachminister tauschen sich unter deutscher Präsidentschaft zum Thema „globale Gesundheit“ aus. (dpa)



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