UN-Konferenz in Mexiko: „Artenschutz muss Chefsache werden“

Elefanten, Pandas und Tiger sind vom Aussterben bedroht. Weniger spektakulär, aber vielleicht noch wichtiger: Auch die für Ökosysteme essenziellen Bienen könnten verschwinden. Ein Großkonflikt zwischen Artenschutz und industrieller Landwirtschaft zeichnet sich ab.
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In den vergangenen 30 Jahren brach die weltweite Population der Giraffen wegen Wilderei und Verlust von Lebensraum um 40 Prozent ein.Foto: Carola Frentzen/dpa
Epoch Times17. Dezember 2016

Die Giraffe ist ein Symbol der Wildnis. Zehntausende der grazilen und majestätischen Tiere zogen einst durch die afrikanische Steppe. Nun ist die Giraffe vom Aussterben bedroht.

In den vergangenen 30 Jahren brach die weltweite Population wegen Wilderei und Verlust von Lebensraum um 40 Prozent ein. Die an Höhe größten Landsäugetiere der Welt könnten von der Erdoberfläche verschwinden, wenn sie nicht besser geschützt werden.

Seit zwei Wochen beraten Regierungsvertreter, Umweltschützer und Wissenschaftler im mexikanischen Badeort Cancún darüber, wie das weltweite Artensterben gestoppt werden kann. Unterschiedliche Interessen prallen aufeinander, es wird hart um Formulierungen, konkrete Verpflichtungen und finanzielle Zusagen gerungen. Am Samstagabend (Ortszeit) geht die UN-Artenschutzkonferenz zu Ende.

Um was geht es eigentlich?

Jedes Jahr sterben mehrere Tausend Tier- und Planzenarten aus. Neben dem natürlichen Verlust von Spezies sind dafür vor allem der Klimawandel, Umweltzerstörungen sowie industrielle Landwirtschaft und Fischerei verantwortlich. Die Naturschutzorganisation IUCN führt derzeit auf ihrer Roten Liste 24 307 vom Aussterben bedrohte Arten auf. „Viele Arten sterben aus, bevor sie jemals beschrieben wurden“, sagt IUCN-Generaldirektorin Inger Andersen.

Wo liegt das Problem?

Artenschutz ist kein Selbstzweck. Bestäubende Insekten wie Bienen sind beispielsweise wichtig für den Bestand von Ökosystemen und die Landwirtschaft. „Bestäubung ist unverzichtbar für das Funktionieren von Ökosystemen und zur Produktion von Lebensmitteln in allen Erdteilen“, sagt Günter Mitlacher von der Umweltstiftung WWF. In Mexiko wurde eine „Koalition der Willigen für Bestäuber“ gegründet. Die Gruppe, der auch Deutschland angehört, will Bienen und andere Insekten besser schützen.

Worum wird gestritten?

Die wichtigste Konfliktlinie verläuft zwischen Naturschutz und Landwirtschaft. „Die großen Agrarkonzerne machen massiven Druck, weil sie keine Einschränkungen beispielsweise beim Einsatz von Pestiziden oder der Gentechnik hinnehmen wollen“, sagt Konstantin Kreiser vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu). „Da geht es um viel Geld.“ Vor allem große Agrarnationen wie Brasilien und Argentinien treten nach Einschätzungen von Experten auf die Bremse.

Wo steht die Weltgemeinschaft derzeit beim Artenschutz?

Bis 2020 wollen die Mitgliedsstaaten 17 Prozent der Land- und 10 Prozent der Meeresflächen unter Schutz stellen. Davon ist man noch weit entfernt. „Wir werden die Ziele wahrscheinlich verfehlen“, sagt Nabu-Experte Kreiser. Vor allem um den Schutz der Meeresgebiete wird hart gerungen, weil dort Territorialinteressen der Staaten betroffen sind. In einzelnen Bereichen gibt es zwar Fortschritte, aber es geht nur langsam voran. „Wir sind noch lange nicht da, wo wir hinwollen“, sagt die deutsche Delegationsleiterin bei den Verhandlungen, Elsa Nickel.

Was wurde bei der Artenschutzkonferenz erreicht?

Die Umweltminister haben die Cancún-Erklärung verabschiedet. Demnach soll der Naturschutz künftig stärker im Regierungshandeln verankert werden. „Artenschutz muss Chefsache werden“, sagt Nabu-Experte Kreiser. Während die Umweltministerien der meisten Länder bei dem Thema sehr aktiv seien, herrsche in den mindestens ebenso wichtigen Ressorts Landwirtschaft, Tourismus, Verkehr, Bauen und Wohnen oft Gleichgültigkeit. Die Deklaration von Cancún ist nach Einschätzung von Experten ein wichtiger Schritt, aber eben auch nur eine Absichtserklärung.

Was ist neu?

Ganz neu auf der Agenda steht die synthetische Biologie. Dabei handelt es sich um die nächste Generation der Biotechnologie, bei der das Erbgut von Organismen so verändert wird, dass sich Merkmale auf die Nachkommen vererben. „Das ist einerseits interessant beispielsweise für die Landwirtschaft oder bei der Bekämpfung von Krankheiten, anderseits aber auch riskant, weil die Folgen nicht abzuschätzen sind“, sagt die deutsche Delegationsleiterin Nickel. Eine Arbeitsgruppe soll in den kommenden zwei Jahren Chancen und Risiken erforschen sowie Empfehlungen erarbeiten.

Wie geht es jetzt weiter?

Zum Abschluss der Konferenz am Samstagabend (Ortszeit) soll ein Beschluss verabschiedet werden, der die Cancún-Erklärung konkretisiert. Um die Details wurde bis zuletzt hart gerungen. Bereits jetzt wird ein neuer Strategischer Plan für die Zeit nach 2020 entworfen. Im Mittelpunkt soll die Unterstützung von Entwicklungsländern beim Artenschutz stehen. Die Mitglieder der „Koalition der Willigen für Bestäuber“ haben sich zudem verpflichtet, nationale Strategien zum Schutz von Bienen und Insekten zu entwickeln und beispielsweise nach Alternativen zu Pestiziden zu suchen. (dpa)



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