Genderforschung – Theorie ohne Wissenschaft?

„Mutter“ sei laut dem Europarat ein „sexistischer Begriff“. Hat dies noch etwas mit objektiver Wissenschaft zu tun? Am 3. Februar diskutierten Wissenschaftler, Lehrer und Politiker in Mainz über das Thema.

Am 3. Februar diskutierten Wissenschaftler, Lehrer und Politiker in Mainz über das Thema Genderforschung. Die Veranstaltung „Gender – Instrument der Umerziehung? Ziele, Kosten, Wirkung“ wurde von der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) organisiert und war ausgebucht. Die „Junge Freiheit“ berichtete am Dienstag.

Und dies waren die Diskussionsthemen:

„120 Lehrstühle für Alte Sprachen, aber 220 für Genderforschung“

„Gender-Mainstreaming – was hat das mit Pädagogik zu tun?“ Dieser Frage ging der Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbands Josef Kraus nach. Nachdem er Gender als soziales Geschlecht im Gegensatz zum biologischen beschrieben und das Missverhältnis der Mittel dargestellte hatte. Denn es gäbe nur etwa 120 Lehrstühle für Alte Sprachen, aber 220 für Genderforschung.

Er analysierte die politischen Aktivitäten dieser Ideologie in einigen Bundesländern. Dabei hob er ein Gutachten des Göttinger Professors Winterstoff hervor.

Darin heißt es laut queer.de: „Es ist mit der dem Staat obliegenden Neutralitäts- und Zurückhaltungspflicht unvereinbar und verstößt gegen das Indoktrinationsverbot, wenn Schulkindern die Akzeptanz vielfältiger sexueller Verhaltensweisen vermittelt und insbesondere Heterosexualität und andere sexuelle Orientierungen als gleichwertige Erscheinungsformen menschlicher Sexualität dargestellt werden.“

Identitätsgrundlage bleibt der Körper

Sprachwissenschaftlerin und Religionsphilosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz ging der Ideologie auf den Grund und legte ihre Wurzeln bloß. Sie verglich die Forderungen der Genderaktivisten mit den natürlichen Gegebenheiten.

Es wird deutlich, dass es keine geschlechtlich neutrale Person gebe, so Gerl-Falkovitz. Es gibt lediglich den Mann und die Frau, welche durch unterschiedliche Geschlechtsmerkmale deutlich unterscheidbar seien, fügte die Sprachwissenschaftlerin hinzu.

Gender-Sprache überfordert Kinder

Thomas Kubelik, der Gymnasiallehrer und prämierte Buchautor belegte ebenfalls sprachwissenschaftlich, was Evolutionsbiologen und Philosophen bereits bewiesen hätten: Er ist der Ansicht, dass eine Änderung des Bewusstseins über die Sprache herbeizuführen, ein typisches Vorgehen totalitärer Ideologien sei.

Eine gegenderte Sprach- und Schreibweise verhunze nicht nur unsere deutsche Sprache, sondern überfordere auch die Kinder, so Kubelik.

Schulaufsätze sollen zunehmend „gendersensibel“ verfasst werden. Ein Beispiel aus einem österreichischen Schulbuch im Fach Deutsch lautet: „Wer nach einem Kochrezept kochen will, weiß dass er/sie darin vor der Anleitung die Zutatenliste findet.“

Dieser Satz ist falsch, weil man laut deutscher Grammatik nach dem Wort „wer“ nicht mit „sie“ weitermachen kann. Das ist ein grober Grammatikfehler, und das in einem Lehrbuch für Deutsch. Besonders für Kinder die nicht die deutsche Muttersprache beherrschen, sei das eine Zumutung, so Kubelik.

Doch wie sieht es mit dem Gendern in der Alltagssprache der Bevölkerung in Deutschland aus? Kubelik meint, dass es bereits eine Reihe von vorhanden Meinungsumfragen und Forschungsergebnissen dazu gebe. Demzufolge würden 80 bis 90 Prozent der Bevölkerung im deutschen Sprachraum das Gendern der Sprache ablehnen. Auch in den Medien, in der Werbung und der Literatur findet man keine gegenderte Sprache.

„Mutter“ ist laut Europarat ein „sexistischer Begriff“

Vor 15 Jahren sei es bei Gender noch um Gleichstellung und Gleichberechtigung gegangen, meinte Simone Huth-Haage, familienpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion im Mainzer Landtag. Doch heute drehe sich alles nur noch um das Geschlecht als soziales Konstrukt.

„Mutter“ sei nach einem Bericht des Europarats von 2010 ein „sexistischer Begriff“ und Mutterschaft würde als Wettbewerbsnachteil betrachtet. Huth-Haage stellte sich gegen diese Abwertung und die Behauptung, dass es hier nur gegen das Patriarchat ginge.

Gerl-Falkovitz unterstützte ihre Argumentation und sagte: „Es gibt schon lange kein Patriarchat mehr in Europa“. Mit Blick über Europas Grenzen hinaus in die Nachbarregionen, würde dies schon sehr deutlich.

In Norwegen seien 90 Prozent der Frauen in Krankenpflegeberufe eingesetzt. Es sei keine Seltenheit in Europa, dass Frauen Pflege-und Fürsorgeberufe wählen. „Wir sollten Frauen tun lassen, was sie gern täten“, so die „Junge Freiheit“. (vm)