Gab es die biblischen Sintflut und Noas Arche wirklich?

Von 15. July 2015 Aktualisiert: 11. April 2017 9:43
Das als Archenfund von Forschern deklarierte Objekt nahe dem türkischen Dorf Üzengili bei Doğubeyazıt scheint tatsächlich einem sehr alten riesiges Schiff zu ähneln. Expeditionen bargen Überreste von versteinertem Holz sowie 13 starke Anker aus dem Felsen in der Umgebung des möglichen archäologischen Schatzes.

Irgendwann zwischen 9.000 und 5.000 Jahren vor unserer Zeit muss es in der nordtürkischen Provinz Sinop ein Ereignis von riesiger historischer Tragweite gegeben haben. Für manche Beweis genug, dass die „Große Flut“, von der in der Bibel erzählt wird, einer wahren, wenn auch etwas übertrieben berichteten Begebenheit, entspricht.

Im September 2004 unternahmen Wissenschaftler mehrerer Institute, darunter die National Geographic Society mit ihrem Ozeanografen Robert Ballard, der bereits mit der Entdeckung des Wracks der „Titanic“ berühmt wurde, eine Expedition ans Schwarze Meer und stellten fest, dass dieses Binnengewässer nicht immer so war wie wir es heute vor uns haben.

Es muss aus einem riesigen See schwarzen Wassers, der sich zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Geschichte ungewöhnlich schnell auszuweiten begann, entstanden sein. Das könnte so rasch vonstatten gegangen sein, dass die an den Ufern lebenden Einwohner dazu gezwungen waren, sofort sicheres Land zu suchen, sodass sie Häuser, Werkzeuge und andere Spuren ihres dortigen Lebens hinter sich lassen mussten.

Nach der Unterwasser-Expedition unter Leitung Ballards, bei der zufällig geschnitzte Holzbalken, hölzerne Verstrebungen und Steinwerkzeuge im Schlamm 100 Meter unter dem Meeresspiegel gefunden wurden, kamen die Forscher zu dem Schluss, dass es einst menschliche Niederlassungen am Grunde des heutigen Meeres gegeben haben muss. „Dieser Fund ist der erste Beleg, dass die Küste des Schwarzen Meeres vor der Überschwemmung bereits besiedelt war“, sagte Fredrik Hiebert, der leitende Archäologe des Projekts von der Universität von Pennsylvania gegenüber dem Spiegel. Die aufsehenerregende Entdeckung hat vermutlich nicht nur zu einer Bereicherung des historischen Verständnisses beigetragen, etwa über die starken Meeresspiegelschwankungen, die der mittlere Osten in alten Zeiten erfuhr, sondern wirft auch Fragen auf über die Ursache dieser Änderungen.

Seitdem haben sich Wissenschaftler und Reporter diesem ungelösten Fall verschrieben. Er scheint ein Schlüssel zu sein zum Verständnis der historischen Entwicklung menschlicher Zivilisationen. Die verschiedenen klimatischen Zeitabschnitte, die die Erde in ihrer langen Existenz durchlaufen hat, könnten besser erklärt werden. Zudem scheint das Thema nicht nur mit der jüdisch-christlichen Tradition verflochten zu sein, sondern mit vielen weiteren Überlieferungen anderer Kulturen, die alle von dieser großen Legende der Sintflut berichten.

Das Schwarze Meer: Beweis für die große Flut?

Zeitgenössische Hypothesen, nach denen das schnelle Anwachsen des Schwarzen Meeres eine Folge von riesigen weltweiten Regenfällen war, fanden nie großen Anklang. Ausgehend von wissenschaftlichen Gesetzen der Geologie, die auf empirischen Langzeitbeobachtungen beruhen, ist dies ein eher unwahrscheinliches Szenario.

Sollte eine solche Flut stattgefunden haben, äußern skeptisch gestimmte Geologen, dann müsste weltweit eine Sedimentschicht bei Grabungen zu finden sein, in der Geröll, Schlamm, Felsbrocken und anderes enthalten sind. So eine weltweite Schicht kann aber nicht gefunden werden, was bei einem geologisch so jungen Ereignis, das laut der Bibel 3.000 v. Chr. stattgefunden haben soll, möglich sein sollte.

Genauso wenig können Sedimentlagen mit vielen Fossilien verschiedener Tier- und Pflanzenarten in jüngeren Erdschichten gefunden werden. Eigentlich müssten Reste von Tieren aller Spezies, die vor der Flut gelebt haben, in einer einzigen Schicht zu finden sein. Aber die weltweiten Untersuchungsergebnisse der Paläontologen (Paläontologie: Wissenschaft von Lebewesen vergangener Zeitalter) widersprechen diesen Annahmen völlig.

Obwohl diese Beispiele nur die Spitze des Eisberges von Argumenten zu sein scheinen, die eine große Flut widerlegen, werden viele Schlussfolgerungen von Sintflut-Anhängern ähnlich elegant widerlegt. Fakt ist, dass Beschreibungen wie „da aufbrachen alle Brunnen der großen Tiefe“ oder „taten sich auf die Fenster des Himmels, und kam ein Regen auf Erden“, die in der Genesis zu lesen sind, durch Hypothesen gestützt werden, die wenn auch unglaublich, doch nicht als unmöglich abgetan werden können.

Gab es große tektonische Bewegungen?

Eine eher dramatische Hypothese schlägt vor, dass der Planet bis zum höchsten Punkt mit Wasser bedeckt gewesen sein soll. Das steht aber im Gegensatz zu Berechnungen die besagen, alles atmosphärische Wasser würde gerade mal eine Schicht von etwa drei Zentimetern bilden, verteilte man es gleichmäßig über die gesamte Erdoberfläche.

Die Vertreter dieser „Sintflut-Hypothese“ berechneten hingegen – vorausgesetzt der geologische Aufbau der Erde hätte einen Prozess durchlaufen, bei dem die Berge absanken und die Ozeanböden aufstiegen – die ganze Erde hätte damals kilometerhoch mit Wasser bedeckt sein müssen.

Laut der Theorie, wonach die Erde vollständig mit Wasser bedeckt war, musste in den oberen Schichten der Atmosphäre zu Zeiten Noahs ein beträchtlicher Teil des heutigen Ozeanwassers gespeichert gewesen sein. Dieses atmosphärische Wasser war es auch, das den gesamten Planeten bedeckte und später während heftiger tektonischer Bewegungen in die sich absenkenden ozeanischen Becken abfloss. Forscher, die diese Idee unterstützen, glauben, dass die riesigen in der Bibel beschriebenen Regenmengen durch Kondensation des atmosphärischen Wassers an den Staubpartikeln mehrerer simultaner Vulkanausbrüche entstanden.

Abgesehen vom biblischen Mythos einer reinigenden Flut, können Aufzeichnungen der Hindus, der Sumerer, der Griechen, der Akadier, der Chinesen, der Mapuche, der Maya, der Azteken, der Bewohner der Osterinsel und weiterer Völker gefunden werden. In all diesen Geschichten stimmen überraschenderweise die meisten Details miteinander überein. Zu den am meisten erwähnten zählen eine himmlische Ankündigung, die vom Volk ignoriert wurde, die Konstruktion der Arche, um das Leben vor der Flut zu schützen und die spätere Wiederherstellung des Lebens auf dem Planeten.

Ein gutes Beispiel liefert die vorbiblische mesopotamische Geschichte von einer Flut, vor der der Gott „Ea“ den König von Shuruppak, Uta-na-pistim, warnte. Demnach sollte die Menschheit für ihren starken moralischen Verfall bestraft werden. Uta-na-pistim erhielt Instruktionen von „Ea“, ein Gefährt in Form eines Würfels mit acht Etagen zu bauen. Darin Paare von jeder Tierspezies und Samen aller Pflanzen unterzubringen, außerdem seine gesamte Familie. So überlebte Uta-na-pistim die mehrere Tage andauernde Sintflut. Schließlich entließ er einen Vogel, um zu schauen, ob es bereits trockenes Land gäbe, und opferte später ein Tier an die Gottheiten. Dieser Idee nach könnte es auch mehrere Archen gegeben haben.

Auf der Suche nach der biblischen Arche

Eine Besonderheit, die der Argumentation aus der Bibel Gewicht verleiht, ist ein riesiges Objekt, das überkrustet, nahe dem türkischen Dorf Üzengili bei Doğubeyazıt, an der osttürkischen Grenze liegt. Laut christlicher Überlieferung soll die Arche Noahs am Berg Ararat gestrandet sein. Das Dorf liegt tatsächlich sehr an diesem diesem Berg (türkisch Ağrı Dağı). Er ist mit 5137 Metern der höchste Berg auf türkischem Gebiet.

Falls dieser Link nicht funktioniert, bitte diese Koordinaten in die Google Maps Suche ohne eckige Klammern eingeben:  [39°26’26.5″N 44°14’04.4″E]

Anfang 2006 hatte Professor Porcher Taylor verkündet, dass nach ausgiebigen mehrjährigen Studien mit Hilfe von Satelliten-Fotografien ein überkrustetes Objekt in der nordöstlichen Region des Berges entdeckt worden sei. Dessen Maße würden perfekt mit der in der Bibel beschriebenen Arche übereinstimmen.

Die Satellitenbilder vom Ararat aus den Jahren 1973-74 hatten die Neugier vieler Forscher geweckt. Expeditionen bargen Überreste von versteinertem Holz sowie 13 starke Anker aus dem Felsen in der Umgebung des möglichen archäologischen Schatzes. Auch Ultraschalltests wurden gemacht, die eine sehr seltsame, im Fels eingeschlossene Struktur enthüllten.

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