Reinkarnation: 4-Jähriger erlebte Rita Hayworth und Marilyn Monroe in Vorleben

Seine Eltern schenkten den Geschichten des 4-jährigen Ryan anfangs nicht viel Aufmerksamkeit. Schließlich begannen Albträume. "Er wachte auf, hielt sich die Brust und sagte er könne nicht atmen, und dass ihm, als er in Hollywood war, sein Herz explodierte."

Im Alter von vier Jahren begann Ryan über seine Heimkehr nach Hollywood zu erzählen. Dort sei er Regisseur vieler Filme gewesen und habe „Action!“ gerufen.

Seine Eltern schenkten ihm anfangs nicht viel Aufmerksamkeit, bis schließlich seine Albträume begannen. „Er wachte auf, hielt sich die Brust und sagte er könne nicht atmen. Er sagte, dass ihm, als er in Hollywood war, sein Herz explodierte.“ Ryan weinte oft und bat sie, ihn zu seiner Familie in Hollywood zu bringen.

Der Psychologe Jim Tucker* berichtet über diesen seltsamen Fall in seinem Buch „Kinder erinnern sich: Dem faszinierenden Phänomen der Wiedergeburt auf der Spur.“

Ryans Mutter, Cyndi hatte ihn damals kontaktiert. Sie hoffte, er könne die Leiden ihres Jungen lindern.

Mutter Cyndi war Reinkarnation fremd

Ryans Mutter glaubte nicht an Reinkarnation. Sie war als Baptistin erzogen worden und Frau eines konservativen Christen. Aber die ständigen Geschichten ihres Sohnes über sein anderes Leben und seine Familie in Hollywood ermahnten sie nach Hilfe zu suchen, wo immer sie auch zu finden sei.

Auf der Suche nach Bestätigung der Geschichten ihres Sohnes begann sie Bücher über Hollywood aus der Bibliothek auszuleihen. Sie wollte sehen, ob Ryan irgendetwas darin erkennen würde. Und tatsächlich rief das Bild des Films „Night After Night“ von 1932  eine Reihe von Erinnerungen in ihm wach.

Seiner Erinnerung nach sei er mit einem Mann aus dem Film befreundet gewesen, welcher in Westernfilmen als Cowboydarsteller mitwirkte und  Werbung für Zigaretten machte.

Bei dem Darsteller handelte es sich um Gordon Nance, einen Schauspieler, der in Westernfilmen spielte und unter anderem Sprecher von Viceroy, einem Zigaretten-Hersteller, war.

Alte Fotos: “Mama, der da bin ich. Ich habe mich gefunden.”

Ryan erkannte weitere Personen. Er zeigte auf einen Mann und sagte: „Hey Mama, das ist George. Wir haben ein Foto zusammen gemacht. Und Mama, der da bin ich. Ich habe mich gefunden.“

Der Mann, den Ryan als George identifizierte, trug tatsächlich den Namen George Raft. Er war hauptsächlich Schauspieler in Gangster Filmen der 1930er und 40er Jahre. Der Mann, den Ryan als sich selbst identifizierte, war in dem Buch nicht benannt, aber Dr. Tucker half der Familie später, den Namen des Mannes zu ermitteln: Marty Martyn.

Martyn hatte eine Nebenrolle in dem Film. Ryan erinnert sich an eine Szene im Film mit einem Wandschrank voller Waffen und tatsächlich gibt es eine solche Szene.

Er erinnerte sich an andere Details aus Martyns Leben – die Farbe seines Autos und die des Autos seiner Frau, die lockigen braunen Haare seiner Mutter, eine drei Jahre jüngere Schwester, den Zopf seiner Tochter und an die Zeit des Stepptanzes am Broadway.

Ryan fragte einmal seine Mutter nach einem „Tru Ade“, bevor er sich selbst korrigierte und „Dr. Pepper“ sagte. Wie sich herausstellte, war Tru Ade ein Softdrink, den es zwischen den 40er und frühen 70ern gab, lange vor Ryans Zeit.

Er sah ein Foto von Marilyn Monroe und nannte sie „Mary Lady“. Einmal habe er versucht, mit ihr auf einer Party zu sprechen und „diese Studiotypen“ hätten ihn geschlagen. Sie hätten ihn nicht nahe genug heran gelassen, um mit ihr zu reden.

Zu einem Foto vonRita Hayworth erzählte er, sie habe immer den Coke Floats gemacht [ein Glas Coca Cola mit einer Kugel Vanilleeis]. Nostalgie und Sehnsucht prägen seine Erzählungen über den Hollywoodlifestyle, darüber, die Welt zu bereisen, auf Schiffen mit schönen Frauen zu tanzen und andere glamouröse Dinge. Einmal sagte er: „Unter diesen Umständen kann ich einfach nicht leben. Mein letztes Zuhause war umso vieles besser.“

Christliche Eltern  glaubwürdiger

Tuckers Vorgänger an der Universität Virginia, der verstorbene Ian Stevenson, untersuchte Erinnerungen an Vorleben sehr vieler Kinder. Sein Fokus lag dabei auf Asien. Tucker dagegen konzentriert sich stärker auf amerikanische Fälle.

Der Nachteil bei vielen asiatischen Familien ist, dort glaubt man bereits an Reinkarnation. Das verleitet die Eltern bewusst oder unbewusst, ihr Kind in seinem Denken und Verhalten zu beeinflussen, wodurch diese Fälle aus wissenschaftlicher Sicht weniger glaubwürdig wirken, selbst wenn es sich um authentische Fälle handeln sollte.

Dr. Tucker schreibt über Ian Stevensons Arbeit: „Bei Fällen in asiatischen Familien wurden oft wenig formale Tests durchgeführt, die komplett unkontrolliert waren“. „Oft fanden die Tests in einer großen Gruppe von Menschen statt, wie Ian schrieb. Dann stellte jemand eine Suggestivfrage, wie: ‘Siehst Du Deine Frau?’. Wenn dann noch jeder erwartungsvoll auf die Witwe im Bild schaute, konnte das Kind die richtige Person kaum verfehlen.”  

Umgekehrt ist es bei amerikanischen Familien. Christlich erzogenen Eltern fällt es eher schwer, das Konzept der Reinkarnation zu akzeptieren. Sie nehmen ebenfalls die Rolle von Kritikern ein, da die Reinkarnation nicht Bestandteil ihres Glaubens ist. Das Kind muss sich also gewissermaßen bei seinem Kampf um Wahrhaftigkeit zunächst gegen die Eltern durchsetzen, was diese Fälle glaubhafter macht.

Erinnerungen auf dem Prüfstand

Eine Person, die Rayn ebenfalls in den Bildern erkannte, war ein New Yorker Senator der 40er und 50er Jahre namens Ives. Tucker hatte ihm ein Bild mit vier Männern gezeigt. Ryan deutete auf einen und sagte: „Das ist Senator Five.” Ryan meinte, er habe den Senator in New York getroffen. (Dr. Tucker glaubt der Junge habe „Ives“ und „Five“ verwechselt). Mit den anderen drei Männern konnte er nichts anfangen. Auch die Frau Marty Martyns, ohne dass er sie als solche benannte, schien ihm auf einem der von Tucker gezeigten Fotos “vertraut”.

Tucker testete auch, ob der sechsjährige Ryan unter vier Namen seinen ehemaligen herausfinden würde. Ryan konnte bereits lesen. Die Namen waren John Johnson, Willie Wilson, Marty Martyn und Robert Robertson. Ryan wählte Marty Martyn. Tucker führte viele ähnliche Tests durch.

Treffen mit Martyns Tochter

Manchmal kann es den Kindern helfen, das vorherige Leben und den damit verbundenen Kummer loszulassen, wenn sie ihre ehemalige Familie treffen, so Dr. Tucker: „Die Erinnerungen des Kindes wurden bestätigt, aber sie sehen, dass sich die Dinge geändert haben.“

Obwohl Ryan sich lange Zeit nach seinem alten Leben sehnte, sagte er schließlich: „Ich möchte einfach nur ich sein, nicht das alte ich.“ Als man ihm vor seinem Treffen mit Martyns Tochter ihr Alter mitteilte, wurde er wütend. „Sie ist alt geworden. Warum hat sie nicht auf mich gewartet?“

Ryan war während des Treffens verschlossen. Später sagte er: „Dasselbe Gesicht, aber sie hat nicht auf mich gewartet. Sie hat sich verändert. Ich möchte nicht zurück. Ich möchte diese Familie für immer behalten.“

Warum er zurückkehrte

Viele Kinder, die solche Erinnerungen aus früheren Leben haben, starben in Kummer.

„Ryan sagte, der Grund, dass er zurückgekommen ist, war, weil er in seinem letzten Leben nicht genügend Zeit mit seiner Familie verbracht hatte; er arbeitete so viel, dass er vergaß, dass Liebe die wichtigste Angelegenheit ist.“ schrieb Dr. Tucker.

Einmal  schildert Ryan ein bewegendes Erlebnis, das er im Bauch seiner Mutter hatte: Eigentlich hatte sich Cyndi eine Tochter gewünscht. Ihr Ehemann hatte bereits zwei Kinder in die Ehe gebracht und sie entschieden sich dazu, nur noch ein weiteres haben zu wollen. Eines Tages fragte Ryan seine Mutter unerwartet, warum sie dachte, nicht er sondern ein Mädchen wäre in ihrem Bauch.

Ryan beobachtete seine schwangere Mutter vom Himmel aus

Cyndi fragte ihn, woher er wusste, dass sie auf ein Mädchen gehofft hatte. Er antwortete, niemand habe ihm das gesagt, er habe es vom Himmel aus gesehen.

„Dieser Doktor hatte einen Test gemacht und dir gesagt ich sei ein Junge. Du wurdest wütend und sagtest, er läge falsch. Du warst dir sicher, ich würde ein Mädchen sein. Mamma. Es war Daddys Geburtstag. Ihr seid zum Essen in ein Restaurant gegangen und du hast lange geweint.“ Das war tatsächlich so geschehen, wie Cindy berichtet. Cyndi sagte darauf, sie bereue ihr damaliges Verhalten sehr und könne sich nicht vorstellen, sie habe es Ryan je zuvor erzählt oder er habe es mitgehört.

*Dr. Tucker ist unter anderem Lehrbeauftragter in psychiatrischer und neurobehaviouraler Wissenschaft an der Universität von Virginia und Medizinischer Direktor der psychiatrischen Klinik für Kinder und Familien.

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