Papst Franziskus will russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill I. treffen

Auf Kuba wird ein historisches Treffen vorbereitet: Erstmals seit 450 Jahren treffen sich der Papst und der Patriarch der russisch-orthodoxen Kirche Kyrill I. Noch nie gab es ein offizielles Treffen der beiden Oberhäupter der beiden Kirchen.

Papst Franziskus will mit dem Patriarchen der russisch-orthodoxen Kirche, Kyrill I., zusammentreffen. Zu der historischen Begegnung soll es am 12. Februar auf Kuba kommen, teilten der Vatikan und das Moskauer Patriarchat am Freitag mit.

Kyrill werde sich am 12. Februar zu einem offiziellen Besuch auf Kuba aufhalten, Franziskus wolle auf dem Flug nach Mexiko einen Zwischenstopp in Havanna einlegen.

Die beiden Kirchenoberhäupter wollen zunächst ein Gespräch führen und dann eine gemeinsame Erklärung unterzeichnen. Es wird die erste offizielle Begegnung von Oberhäuptern der beiden Kirchen sein – die erste Begegnung zwischen einem Oberhaupt der katholischen Kirche und der russisch-orthodoxen Kirche seit 450 Jahren.

„Dieses Treffen zwischen den beiden Oberhäuptern der katholischen Kirche und der russisch-orthodoxen Kirche, nach langer Vorbereitung, wird das erste in der Geschichte sein und markiert eine wichtige Etappe in den Beziehungen der beiden Kirchen“, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi. „Der Heilige Stuhl und das Patriarchat Moskau hoffen, dass es auch ein Zeichen der Hoffnung für alle Menschen guten Willens sein wird.“

Metropolit Ilarion sprach in Moskau von einem „wichtigen Schritt in den Beziehungen zwischen den Kirchen“. Er ist für die Außenbeziehungen der russisch-orthodoxen Kirche zuständig. Patriarch Kirill habe darauf bestanden, die Begegnung an einem neutralen Ort abzuhalten und nicht in Europa. „Gerade mit Europa ist die schwere Geschichte der Trennungen und Konflikte zwischen Christen verbunden“, sagte Ilarion.

Zu dem Treffen kommt laut Vatikan auch Kubas Präsident Raúl Castro an den Flughafen. „Wenn man sich auf Kuba trifft, heißt das, dass Kuba als ein geeigneter Ort angesehen wird“, betonte Lombardi. Präsident Castro sei natürlich in die Organisation eingebunden gewesen.

Die orthodoxen Kirchen sind seit der Kirchenspaltung (Schisma) vor fast 1000 Jahren eigenständig: Im Jahr 1054 hatten sich die Oberhäupter der Ostkirche in Byzanz und der Westkirche in Rom gegenseitig exkommuniziert. Die „orthodoxe Welt“ ist in mehr als eine Dutzend unabhängige Kirchen zersplittert. Größte ist russisch-orthodoxe Kirche mit – nach eigenen Angaben – rund 150 Millionen Gläubigen.

Theologisch trennt die Orthodoxen nur wenig von den Katholiken – auch Kirill hob in der Vergangenheit immer wieder die gemeinsamen Werte hervor. Jedoch gibt es auch immer wieder Kritik – etwa an katholischen Missionaren in Russland. Stein des Anstoßes für die Orthodoxen ist auch die griechisch-katholische Kirche in der Ukraine, deren Liturgie orthodox ist, die aber den Papst als Oberhaupt anerkennt.

In jüngster Zeit gab es neue Signale der Annäherung zwischen dem Heiligen Stuhl und der orthodoxen Kirche. Seit Jahren wurde über ein historisches Treffen der Kirchenoberhäupter verhandelt. „Ich denke, es ist offensichtlich, dass jeder Schritt in Richtung des Dialogs, des Verständnisses, des Willens sich anzunähern, sich zu verständigen, gemeinsam weiterzugehen, mit Blick auf die gespaltene Vergangenheit ein positives Zeichen ist“, betonte Lombardi. (dts)