München – Der 87-jährige Leiter der Bayreuther Festspiele, Wolfgang Wagner, will in diesem Jahr nicht von seinem Amt zurücktreten. „Er ist nicht amtsmüde“, sagte sein Pressesprecher Peter Emmerich der Illustrierten „Bunte“. Der Enkel Richard Wagners hat als Festspielleiter einen Vertrag auf Lebenszeit. Ein Nachfolger kann das Amt nur im Fall seines Rücktritts oder Todes übernehmen. Der Stiftungsrat der Richard-Wagner-Stiftung will auf seiner Sitzung im Herbst über die Frage der künftigen Festspielleitung beraten. Um die Nachfolge bewerben sich bereits Wagners Töchter Katharina und Eva sowie seine Nichte Nike Wagner.
Wolfgang Wagner ist seit dem Tod seines Bruders Wieland im Jahr 1966 alleiniger Leiter der Bayreuther Festspiele und damit der dienstälteste Opernintendant der Welt. Er wird am 30. August 88 Jahre alt. In diesem Jahr ist er bei der Eröffnung der Festspiele nur kurz in der Öffentlichkeit aufgetreten und hat einen gebrechlichen Eindruck gemacht.
Gleichwohl erklärte sein Sprecher, Wagner denke derzeit nicht daran, das Nachfolgeverfahren in Gang zu setzen. Emmerich kritisierte, viele warteten mit „Lüsternheit“ auf Wagners Abgang. „Diejenigen, die in diesem Herbst auf eine Art von großen Knall oder Erlösung hoffen und weißen Rauch aufsteigen sehen wollen, werden enttäuscht werden. Das ist Unfug“, sagte er. „Es wird kein 'Habemus Festspielleiter' geben. Wir haben einen Festspielleiter, und der heißt Wolfgang Wagner. An der juristischen Sachlage ist nicht zu deuteln, keiner kann Wolfgang Wagner zum Rücktritt zwingen.“
Der greise Bayreuth-Chef sei teilweise noch in seinem Büro, aber tagsüber meistens links neben der Bühne, wo er sich auf seinem angestammten Platz die bis zu sechs Stunden langen Opern anhöre. Seine Frau Gudrun, die als heimliche Festspielleiterin gilt, stehe ihm ständig zur Seite, sagte der Sprecher.
Im März 2001 hatte der Stiftungsrat die älteste Tochter Eva Wagner-Pasquier zur neuen Festspielleiterin ernannt. Drei Monate später resignierte sie jedoch, weil ihr Vater auf seinen lebenslangen Vertrag pochte. Damals wollte er seine zweite Ehefrau Gudrun als Nachfolgerin durchsetzen.
Nun gilt seine 29-jährige Tochter Katharina als seine Favoritin. Sie hat in diesem Jahr als Regisseurin „Die Meistersinger von Nürnberg“ neu inszeniert. (AP)
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