Aktuelle Nachrichten – Umwelt
29.04.2010
Foto: Don Ryan/AP Photo
Boise/USA (apn) Zusätzlich zu seinen normalen Kunden füttert Dave Krick in seinem Öko-Restaurant pro Tag noch 200.000 weitere Gäste durch – mit Küchenabfällen. Als Lohn dafür erhält er feinste Komposterde, denn die zusätzlichen Gäste sind klein, glitschig und fressen am liebsten Speisereste. Es handelt sich um Regenwürmer, die im Keller der Gaststätte leben. Jeden Tag landen dort rund 45 Kilogramm organische Abfälle, die sonst in den Müll wandern würden.
Schon vor der Idee mit den Regenwürmern achtete Krick sehr darauf, dass seine Restaurants nachhaltig wirtschaften. Er serviert nur Käse aus der Region und Rindfleisch von Kühen, die zuvor auf Idahos Weiden grasten. Die Weine auf seiner Karte sind nach der Entfernung sortiert, die eine Flasche zurücklegen musste, um auf den Tisch zu kommen. Damit will er seine Kunden dazu bringen, lokale Weine auszuwählen. Selbst der Ketchup ist hausgemacht.
„Unser Ziel ist es, Müll bis 2012 komplett zu vermeiden“, sagt Krick, der sein Restaurant „Bittercreek Ale House“ bereits seit 1995 in Boise betreibt, der Hauptstadt des US-Staats Idaho. 2002 kam die „Red Feather Lounge“ im selben Haus dazu. Er hat Wochen damit verbracht, den Müll seiner Restaurants zu kategorisieren. Dabei dachte er darüber nach, was mit all den Nahrungsresten passieren könnte, die es entweder nicht auf die Teller der Kunden schaffen oder dort von ihnen zurückgelassen werden.
„Wir wollten vor Ort einen Komposter einrichten, weil der wenig Energie verbraucht“, sagt Krick. „Aber normaler Kompost müffelt. Das kann in einem Restaurant nicht funktionieren.“ Da stieß er auf die Wurmkompostierung. Im Internet fand er eine Menge Informationen und Anleitungen dazu. Allerdings ging es dabei immer nur um die Keller in Privathäusern. Einen Hinweis darauf, wie das in einem Restaurant funktionieren könnte, fand er nicht.
Er entdeckte aber eine 4,2 mal 1,2 Meter große Metallwanne, die in seinen Keller passte. Sie hat genug Kapazität, um die Hälfte der täglich in seinen Restaurants anfallenden 90 Kilogramm Bio-Müll zu kompostieren. Die fertige Erde fällt durch ein Sieb am Boden der Wanne und wird in Eimer gekehrt. Das funktioniert so gut, das Krick nun eine zweite Wanne aufstellen und so seine Wurmbevölkerung verdoppeln will.
Der Restaurantbesitzer liegt damit voll im Trend, wie Rhonda Sherman erklärt, Wurmkompost-Spezialistin an der Universität von North Carolina. „Alle möglichen Unternehmen springen auf diesen Zug auf und richten Wurmkompostierungsanlagen ein“, sagt Sherman. Im großen Maßstab wird das Verfahren demnach genutzt, um Mist aus der Tierhaltung zu veredeln. Auch Krankenhäuser, Restaurants, Universitäten und Gefängnisse machen von der Gefräßigkeit der Würmer Gebrauch.
Obwohl Gärtner Kompost manchmal auch „Schwarzes Gold“ nennen, wird Krick mit seiner Anlage wohl nicht reich werden. Jede Metallwanne kostet 12.000 US-Dollar (rund 9.000 Euro). Und um sicherzustellen, dass sein Kompost garantiert rein biologisch ist, hat er sie anfänglich mit teurer Bio-Erde gefüllt. „Unseren Müll auf diese Art loszuwerden, macht uns aber zu einem besseren Unternehmen. Es ist eben eine Frage der Prioritäten“, sagt Krick.
Während seine Wurmkolonie wächst, plant Krick bereits, Eimer mit Würmern als Starter-Kit zur Heimkompostierung an seine Kunden zu verkaufen. Dann könnten diese ihre Essensrest mit nach Hause nehmen, um die Würmer zu füttern, die im Keller des Restaurants aufgewachsen sind. (AP)
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