Aktuelle Nachrichten – International
01.12.2010
Foto: Ahn Yong yoon/AP Photo
Seoul – Mit dem Ende des amerikanisch-südkoreanischen Seemanövers stehen die Zeichen auf der koreanischen Halbinsel offenbar wieder etwas auf Entspannung. So durfte ein nordkoreanischer Offizier in einem seltenen Interview mit einem westlichen Medium seinen Wunsch nach Frieden ausgedrückt. In dem Dorf Panmunjom an der Waffenstillstandslinie entlang der schwer befestigten Grenze zwischen den beiden Koreas sagte Leutnant Choe Son Il am Mittwoch der Fernsehnachrichtenagentur APTN, er hoffe, dass die Spannungen zwischen den beiden Ländern "so schnell wie möglich und friedlich" abgebaut würden.
"Ich weiß, dass es auf der Seite des Südens Verluste gab", sagte Choe in Bezug auf den tödlichen Artillerieangriff auf die südkoreanische Insel Yeonpyeong. Doch er hoffe, "dass sich solch ein militärischer Konflikt zwischen dem Norden und dem Süden nie wieder ereignet". Angesichts der angespannten Beziehungen und der geheimniskrämerischen Art des verschlossenen Nordkoreas war die offene Art des Offiziers äußerst ungewöhnlich.
Auch China rief zur Mäßigung auf. Alle beteiligten Parteien sollten sich ruhig verhalten und Zurückhaltung üben", wurde Außenminister Yang Jiechi am Mittwoch von der Nachrichtenagentur Xinhua zitiert. Darüber hinaus solle auf eine Verhandlungslösung hingewirkt werden. China will die von Pjöngjang abgebrochenen Sechser-Gespräche wieder in Gang bringen und hat vorgeschlagen, eine Krisensitzung einzuberufen.
Nordkorea hat Bereitschaft signalisiert, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Ziel des Nordens könnte es sein, im Gegenzug für Zugeständnisse im Bereich der atomaren Rüstung dringend für den Winter benötigte Brennstoffe und Nahrungsmittel zu erhalten. Washington, Tokio und Seoul reagierten bislang zurückhaltend.
China gilt als der engste Verbündete Nordkoreas. Der Regierung wurde vorgehalten, ihren politischen und wirtschaftlichen Einfluss nicht genug zu nutzen, um Pjöngjang zur Mäßigung zu drängen. Mit öffentlicher Kritik an Nordkorea hat sich China bislang zurückgehalten. Peking hat sich aber besorgt gezeigt, dass das Marinemanöver in dieser Woche zu weiteren Auseinandersetzungen führen könnte.
Vor dem Manöver hatte Pjöngjang mit einem "ausgewachsenen Krieg" gedroht. Gleichzeitig wurde aber auch ein Vertreter zu Gesprächen nach China entsandt. Enthüllungen der Internet-Plattform Wikileaks hatten Risse im Verhältnis zwischen den beiden Verbündeten offenbart.
(dapd)
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