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Aktuelle Nachrichten – Wirtschaft

Yahoo bleibt Yahoo

Peter Zschunke

04.05.2008

(AP Photo/Mark Lennihan, File)
(AP Photo/Mark Lennihan, File)

Frankfurt/Main – Geld kann nicht alles. Drei Monate nach dem milliardenschweren Kaufangebot für Yahoo ist Microsoft mit der geplanten Übernahme des Internet-Unternehmens gescheitert. Für Yahoo hätte dieser Deal ein sicherer Hafen in schwierigen Zeiten sein können. Aber das kalifornische Unternehmen will lieber einen eigenen Weg gehen.

„Jetzt, da wir die Ablenkung durch den unerbetenen Vorschlag von Microsoft hinter uns haben, können wir all unsere Kräfte auf den wichtigsten Abschnitt in unserer Geschichte richten“, erklärte Yahoo-Mitbegründer und Vorstandschef Jerry Yang nach der überraschenden Entscheidung am Wochenende. Bei einem persönlichen Treffen mit Microsoft-Chef Steve Ballmer wurde noch einmal über viel Geld geredet. Aber Microsoft wollte die geforderten 37 oder 38 Dollar pro Yahoo-Aktie nicht zahlen und ging nur bis 33 Dollar hoch – oder insgesamt 47,5 Milliarden Dollar.

Letztlich aber war der Kaufpreis nur vordergründig der Grund für das Scheitern der Übernahme. Bei einem Großteil der Yahoo-Mitarbeiter stieß das Angebot von vornherein auf Vorbehalte. Zu unterschiedlich ist die Kultur des Software-Marktführers von der des Internet-Unternehmens, das auch an der Börse noch stolz auf seine studentischen Wurzeln im Gründungsjahr 1994 ist. Allein schon der Name des Unternehmens erinnert an die Open-Source-Szene: Im typischen Humor der Computer-Geeks steht Yahoo als Abkürzung für „Yet Another Hierarchical Officious Oracle“, was übersetzt so viel bedeutet wie „Noch so ein hierarchisch geordnetes, halbamtliches Orakel“ – gemeint ist das Internet-Suchverzeichnis.

Yahoo und Microsoft wie „Obama und Hillary“

Yahoo hat auch immer wieder Open-Source-Projekte unterstützt wie die Linux-Oberfläche KDE oder das beliebte Blogger-Werkzeug Wordpress. Die Entwickler von Yahoo programmieren eher mit den Werkzeugen der Open-Source-Community als mit der Technik von Microsoft. Im Rauschen der Blogger-Szene war denn am Sonntag auch deutlich das Aufatmen zu hören, mit dem die Nachricht vom Scheitern der Übernahme aufgenommen wurde. Eine Verbindung der beiden Unternehmen wäre genauso wie „Hunde und Katzen, AOL und Time Warner, Öl und Wasser, Obama und Hillary“, schrieb etwa die „Wall-Street-Journal“-Bloggerin Kara Swisher.

Letzter Auslöser für den Rückzieher von Microsoft war wohl die Nachricht, dass Yahoo die Möglichkeiten einer Partnerschaft mit Google im Geschäft mit Online-Werbung ausgelotet hat. Ballmer schrieb in seinem Absagebrief, dass dies einer der Hauptgründe gewesen sei, warum Microsoft von einer feindlichen Übernahme Abstand genommen habe. Eine Allianz zwischen Yahoo und Google, so schrieb Ballmer, wäre „unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten unklug“, da Yahoo dann zu viel Macht im lukrativen Werbegeschäft mit der Internet-Suche abgeben würde.

Einige Marktbeobachter haben eingewandt, dass eine Übernahme von Yahoo Microsoft erhebliche Kopfschmerzen bereitet und sich frühestens nach zwei bis drei Jahren als lohnend erwiesen hätte. Ohne Yahoo kann sich Microsoft auf sein Kerngeschäft mit Software konzentrieren und seine Internet-Präsenz mit der Übernahme von kleineren und flexiblen Unternehmen stärken.

Deutscher Software-Unternehmer treibt mobiles Geschäft voran

Für Microsoft wäre aber eine Übernahme von Yahoo ein entscheidender Schritt gewesen, um Google vom Thron der Internet-Werbung zu stürzen. Mit seinen eigenen Web-Plattformen MSN und Windows Live hat Microsoft bei der Internet-Suche in den USA bislang nur einen Marktanteil von 12,0 Prozent erreicht. Spitzenreiter ist Google mit annähernd 60 Prozent in den USA – in Europa liegt dieser Wert noch höher. Yahoo liegt dazwischen mit rund 19 Prozent.

Es ist nicht allein die Suchmaschine, die die Werbemillionen anzieht. Google hat mit immer neuen attraktiven Internet-Anwendungen – vom Google Reader für das Lesen von RSS-Feeds über die Online-Textverarbeitung der Google Docs bis hin zum Videoportal YouTube – Millionen von regelmäßigen Nutzern gewonnen. Diese gewaltige Reichweite ist die zentrale Basis für das Werbegeschäft.

Auch Yahoo will im Web und vor allem auf dem Handy attraktiver werden. Für das mobile Geschäft ist einer der renommiertesten deutschen Software-Unternehmer zuständig. Marco Börries stellte auf der Cebit eine umfassende Lösung für das „mobile Internet“ vor: „Yahoo onePlace“ soll die unterschiedlichsten Web-Inhalte auf dem Handy zusammenführen. In seiner persönlichen Geschichte stand Börries immer schon in einem heftigen Wettbewerb mit Microsoft: Als 16-Jähriger gründete er 1985 die Softwarefirma Star Division, aus deren StarOffice das heutige OpenOffice hervorging. Vom Erfolg seiner Arbeit wird es jetzt entscheidend abhängen, ob Yahoo auch weiter unabhängig bleiben kann. (AP)

 

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