Nachrichten Deutschland – Zahl der Missbrauchsfälle an Odenwaldschule deutlich höher – Guido Rijkhoek
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Bislang 33 Opfer Zahl der Missbrauchsfälle an Odenwaldschule deutlich höher

Guido Rijkhoek

11.03.2010

Ober-Hambach (apn) Der Missbrauchsskandal an der reformpädagogischen Odenwaldschule zieht immer weitere Kreise. Wie Schulleiterin Margarita Kaufmann am Donnerstag im südhessischen Ober-Hambach berichtete, hat sich die Zahl der beschuldigten Lehrer seit Wochenbeginn von drei auf acht erhöht. Mittlerweile hätten sich 33 Missbrauchsopfer bei der Schule gemeldet, rund 40 Prozent davon ehemalige Schülerinnen.

„Wir sind beschämt, was in unserer Schule jungen Menschen angetan worden ist“, sagte Kaufmann unter Tränen: „Die Odenwaldschule hat große Schuld auf sich geladen und nichts wird diese Schuld von ihr nehmen.“ So liege inzwischen der Bericht einer Frau vor, die als zehnjähriges Mädchen von ihrem Musiklehrer missbraucht worden sei. Ein früherer Schüler werfe dem ehemaligen Schulleiter Gerold B. vor, dieser habe sich in seinem Schlafzimmer an ihm vergangen.

Zwei der fraglichen acht Lehrer seien inzwischen tot, sagte Kaufmann. Die übrigen Beschuldigten seien der Staatsanwaltschaft gemeldet worden und erhielten in der Schule Hausverbot. War die Odenwaldschule zunächst davon ausgegangen, es sei lediglich in der Amtszeit von Gerold B. zwischen 1970 und 1985 zu sexuellen Übergriffen auf Schüler gekommen, so wird inzwischen von einem deutlich längeren Zeitraum ausgegangen. Einige der beschuldigten Lehrer seien bereits ab 1966 an der Schule tätig gewesen, sagte die Schulleiterin. Der letzte der fraglichen Pädagogen habe das Internat 2003 verlassen.

„Was wir gelesen haben, hat uns verstummen lassen“

Die Direktorin griff in einer Pressekonferenz auch den früheren Schulleiter Wolfgang H. an. Dieser sei von einer Mitarbeiterin darauf aufmerksam gemacht worden, dass sein Vorgänger Gerold B. die Nacht mit einem Schüler verbracht habe. Der Schulleiter habe auf diesen Hinweis hin aber nichts unternommen und damit einen Täter aktiv geschützt. Ehemalige Schüler der Odenwaldschule hatten Wolfgang H. bereits vor mehr als zehn Jahren in der Presse vorgeworfen, die Aufklärung der Vorgänge an der Einrichtung verhindert zu haben.

Kaufmann kündigte an, die Schulleitung werde in den kommenden Wochen nun auch die ehemaligen Schüler anschreiben, die an der Odenwaldschule vor 1970 und nach 1985 gewesen seien. Auf die erste Tranche von 900 Briefen an ehemalige Schüler habe die Schule eine Flut von Briefen, E-Mails und Anrufen bekommen: „Was wir gelesen haben, hat uns verstummen lassen.“

Die Schulleiterin kündigte eine Initiative an, um Jungen und Mädchen an der Odenwaldschule künftig wirksam vor sexueller Gewalt zu schützen: „Wir wollen uns auf den Weg machen, das sicherste Internat in Deutschland zu werden.“ So sollen alle Lehrer künftig schon bei der Einstellung einen Ethikkodex unterschreiben müssen. Zudem wolle die Schule eine anonyme Umfrage unter den heutigen Schülern durchführen, um eventuelle Fälle von sexuellem Missbrauch aufzudecken.

Neue Verdachtsfälle in Baden und Sachsen

Auch am Internat der Evangelischen Kirche in Baden in Gaienhofen hat es sexuelle Übergriffe auf Schüler gegeben. Wie die Landeskirche mitteilte, wurden nach derzeitigem Kenntnisstand insgesamt fünf Heimerzieher und Lehrkräfte seit Anfang der 60er Jahre entlassen, weil ihnen sexueller Missbrauch oder Besitz von Kinderpornografie vorgeworfen wurde. In zwei Fällen hätten Betroffene Anzeige erstattet.

Weitere Hinweise auf sexuellen Missbrauch gibt es in einem Heim für Kinder und Jugendliche im sächsischen Eilenburg. Wie die „Leipziger Volkszeitung“ berichtet, melden sich immer mehr Betroffene. Eine ehemalige Bewohnerin, die Ende der 60er Jahre in dem Heim lebte, gab demnach an, dass Kinder nackt durchs Treppenhaus laufen mussten. Erzieher hätten ihnen zwischen die Beine und an die Brüste gefasst. Bereits zuvor hatte sich bei der Zeitung ein ehemaliger Bewohner gemeldet, der von täglichen sexuellen Übergriffen zwischen 1970 und 1980 berichtete. (AP)

 

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